Durch die Implantation genetisch veränderter Zellen in die Bauchhöhle wollen amerikanische Wissenschaftler Diabetikern ihre täglichen Insulinspritzen ersparen. Ein „bioartifizieller Pankreas“, der bisher allerdings nur in Form von Zellkulturen existiert, könnte auf wechselnde Glukosespiegel reagieren und somit eine bessere Balance zwischen Blutzucker und Insulin erreichen als die heute übliche Therapie.

„Wir stellen uns vor, daß ein Diabetiker zukünftig einmal im Jahr zum Arzt kommt, um dort ein Implantat zu erhalten“, erläuterte Thanassis Sambanis vom Georgia Institute of Technology. Die so gewonnene Unabhängigkeit würde nicht nur eine gewaltige Verbesserung der Lebensqualität für den Patienten bedeuten, sondern auch die langfristigen Komplikationen des Diabetes deutlich verringern, sagte der Professor für Chemieingenieurwesen.

Die Zellen, mit denen in Atlanta experimentiert wird, sind in einem Gel aus Kalziumalginat dispergiert und von einer semipermeablen Membranen aus Polylysin umschlossen. Die Poren dieser Membranen sind so bemessen, daß ein freier Austausch von Nährstoffen möglich ist, ohne daß Antikörper die fremden Zellen erreichen könnten.

Ein Problem stellt derzeit noch das rasche Wachstum der Zellen im Transplantat dar. Für eine optimale Regulation muß die Vermehrung gebremst werden, ohne den Stoffwechsel zu stören. In einem Perfusionssystem wurden bisher 70 Tage erzielt, wobei der Metabolismus mit einem Magnetresonanzscanner überwacht wurde.

Ioannis Constantinidis, Radiologie-Professor an der Emory University glaubt, daß die Funktion der Implantate am Patienten später einmal durch Kernspinresonanztomografie überprüft werden kann. Bis weiter verbesserte Implantate im Tierversuch erprobt werden können, sollen allerdings noch zwei Jahre vergehen.

(erschienen in der Ärzte-Zeitung vom 14.1.1994)