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Selumetinib – wirksam gegen Neurofibrome, aber nicht verfügbar

Eine seltene Erbkrankheit, die bei Kindern Nerventumore verursacht, kann offenbar mit dem Wirkstoff Selumetinib erfolgreich bekämpft werden, zeigt eine kleine Studie mit 24 Teilnehmern. Das als Neurofibromatose Typ 1 (NF1) bekannte Leiden verursacht häufig Geschulste, die nicht operiert werden können. Diese inoperablen plexiformen Neurofibrome wurden jedoch bei allen 24 Kindern in der Studie gebremst, und bei 17 von ihnen schrumpften sie sogar um 20 bis 50 Prozent.

Dr. Widemann vom US-Krebsforschungszentrum NCI leitet mehrere Studien zum Neurofibrom (Foto: NCI)

Den größten Erfolg erzielten die Wissenschaftler um Dr. Brigitte C. Widemann, Leiterin des Pediatric Oncology Branch am National Cancer Institute der USA bei einem Mädchen, das wegen sehr großer Neurofibrome an Hüfte und Unterleib ständig unter Schmerzen litt und an den Rollstuhl gefesselt war. Durch die Behandlung verringerte sich die Tumormasse fast um die Hälfte; sie musste auch keine Schmerzmedikamente mehr einnehmen und war wieder in der Lage, längere Strecken zu laufen. Wie der Webseite von Widemann zu entnehmen ist, sind nun gleich mehrere Folgestudien geplant, die den Nutzen von Selumetinib bei Kindern wie auch Erwachsenen beweisen sollen.

Die auch nach ihrem Entdecker Morbus Recklinghausen benannte Krankheit betrifft etwa jedes 3000ste Neugeborene, davon entwickeln ein Fünftel bis zur Hälfte die hier behandelten plexiformen Neurofibrome. Sie können, je nach Lage, zu Schmerzen und Entstellungen führen, zu Blindheit, geschwächten Gliedmaßen, oder auch zu Darm- und Blasenschwäche. Vielen kann durch eine Operationen geholfen werden, bei einem Viertel ist dies allerdings nicht möglich.

Prof. Victor-Felix Mautner, Leiter der Neurofibromatose-Ambulanz am Universitätsklinikum Eppendorf sprach von einer „bedeutsamen Arbeit“ für Menschen, die durch NF-1 entstellt werden. Trotz dieses Erfolges wird Selumetinib aber in Deutschland wohl auf längere Zeit nicht verfügbar sein. Die Firma AstraZeneca, die den Wirkstoff ursprünglich gegen Lungenkrebs entwickeln wollte, ist damit nämlich in einer großen Studie gescheitert. Die Folge ist, dass Selumetinib von den Behörden für die Behandlung nicht zugelassen wurde, und auch nicht für „individuelle Heilversuche“ zur Verfügung steht. „Und dies wird auch nicht so schnell passieren“, befürchtet Mautner.

(eine ausführliche Fachversion dieser Nachricht ist erschienen am 6. Januar 2017 bei Medscape)

Quelle:

Dombi E, et al.: Activity of Selumetinib in Neurofibromatosis Type 1-Related Plexiform Neurofibromas. N Engl J Med. 2016 Dec 29;375(26):2550-2560. doi: 10.1056/NEJMoa1605943.

Spinale Muskelatrophie: Hoffnung durch Antisense-Technik

Mithilfe einer neuartigen genetischen Technik ist es Wissenschaftlern erstmals gelungen, das Fortschreiten der Spinalen Muskelatrophie (SMA) bei Säuglingen und Kleinkindern zu verlangsamen – einer fatalen und bislang kaum aufzuhaltenden neurodegenerativen Erkrankung. „Dies ist eine vielversprechende Behandlungsmethode für die häufigste genetische Todesursache im Kindesalter“, so Prof. Christine Klein, Leiterin des Instituts für Neurogenetik an der Universität Lübeck und Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Darüber hinaus könne man davon ausgehen, dass die hier genutzte Methode der Antisense-Technik auch für andere Erkrankungen und Indikationen angepasst werden und dort ebenfalls erfolgreich sein könnte.

Den Beweis, dass die Antisense-Technik funktionieren kann, haben nordamerikanische Neurologen mit einer Studie erbracht, über die sie in der Fachzeitschrift The Lancet berichten. Insgesamt 20 Säuglinge, die zwischen der dritten Lebenswoche und dem sechsten Lebensmonat an der Spinalen Muskelatrophie erkrankt waren, haben Richard S. Finkel vom Nemours Children´s Hospital und seine Kollegen behandelt.

Ursache der Erkrankung war in allen Fällen ein fehlendes bzw. defektes Gen für einen Nerven-Schutzfaktor (Survival Motor Neuron 1, SMN1). Ohne dieses Eiweiß gehen die Motoneuronen des Rückenmarks und des Hirnstammes zugrunde, die die Bewegungen einschließlich des Schluckens und des Atmens kontrollieren. Die Folgen sind fatal: Nicht einmal ein Viertel der Kinder überlebte bislang ohne künstliche Beatmung die Diagnose um mehr als zwei Jahre.

Vor diesem Hintergrund erhielten alle Teilnehmer den Wirkstoff Nusinersen in Form mehrerer Injektionen ins Nervenwasser des Rückenmarks. Zwar verstarben vier der 20 Babys trotz der Behandlung. Zum Zeitpunkt des Berichtes aber waren 16 noch am Leben. 13 von ihnen konnten ohne fremde Hilfe atmen, und bei 14 hatte sich die Muskelfunktion gebessert. Teilweise konnten diese Kleinkinder nun den Kopf aufrecht halten, greifen, stehen und sogar laufen. Solche Veränderungen hatte man bislang bei unbehandelten Kindern mit dieser Form von SMA nicht beobachtet. „Eine Heilung bedeutet das nicht“, sagt Prof. Klein, „aber die Therapie scheint wirksam zu sein.“

Die Neurologin hebt hervor, dass der molekulare Mechanismus der Methode wie geplant funktioniert hat: Nusinersen ist ein synthetisch hergestelltes Molekül, das spezifisch konstruiert wurde um ein Ersatzgen für SMN1 zu aktivieren, das fast baugleiche SMN2. Es könnte theoretisch ebenfalls den Nerven-Schutzfaktor liefern, der die Motoneuronen am Leben hält. Allerdings enthält SMN2 einen „Webfehler“, der die Übersetzung der Erbinformation in das rettende Eiweiß um 75 bis 90 Prozent verringert.

Diesen Webfehler konnte Nusinersen offenbar beheben. Das von Wissenschaftlern der Firma Ionis hergestellte synthetische Molekül heftet sich an einer genau vorausberechneten Stelle an ein Zwischenprodukt (Boten-RNS), welches die in SMN2 enthaltenen Erbinformationen an die Eiweißfabriken der Zellen übermittelt. Nusinersen verhindert dadurch, dass aus der SMN2-Boten-RNS ein Abschnitt entfernt wird und die Erbinformation unbrauchbar wird. Die Menge korrekt übersetzter Boten-RNS stieg um das 2,6-fache auf einen Anteil von 50 bis 69 %. Durch Messungen der Eiweißkonzentration im Rückenmark konnten die Forscher schließlich noch zeigen, dass die in dieser Studie behandelten Kinder um durchschnittlich 63,7 % Prozent mehr SMN-Protein bildeten, als unbehandelte Kinder.

Die Nebenwirkungen des Verfahrens wurden von den Patienten gut toleriert, sodass die genetische Therapie von Prof. Klein als „in akzeptabler Weise sicher“ eingestuft wird. Eine weitere, noch nicht veröffentlichte Studie mit Nusinersen bei älteren Patienten mit SMA war ebenfalls erfolgreich, teilte die Hersteller-Firma Ionis mit. Und unmittelbar vor Weihnachten gab die US-Zulassungsbehörde FDA bekannt, dass Nusinersen unter dem Handelsnamen Spinraza für die Behandlung der SMA sowohl bei Säuglingen als auch bei Erwachsenen zugelassen wurde (Inzwischen liegt auch eine Zulassung der europäischen Arzenimittelbehörde EMA vor).

„Als das weckt begründete Hoffnung auf die so lange erwartete Wende in der translationalen Anwendung von Erkenntnissen aus der Molekulargenetik von der reinen Diagnostik hin zu klinisch-therapeutischen Anwendungen im Sinne einer personalisierten Medizin“, so Prof. Klein. Die Antisense-Technik könne auch auf andere Erkrankungen angepasst werden, erwartet die DGN-Vizepräsidentin.

Während bei SMA die Übersetzung eines „schwachen“ Gens gefördert wird, ließe sich stattdessen auch das Ablesen schädlicher Gene verhindern. Im Tierversuch ist dies beispielsweise bei Mäusen schon gelungen, die als Modell für die Huntington´sche Krankheit dienten. Aber auch in klinischen Studien wurde und wird die Antisense-Technik bereits erprobt, beispielsweise gegen die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Rheuma, Asthma, Morbus Crohn sowie eine Vielzahl von Krebserkrankungen.

(Vorlage für eine Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 5. Januar 2017)

Quellen:

Impfstoff gegen Ebola

Schon im kommenden Jahr könnte ein hochwirksamer Impfstoff gegen das gefürchtete Ebola-Virus in den besonders gefährdeten Ländern Afrikas zur Verfügung stehen. Grund für diesen Optimismus ist der Ausgang mehrerer Studien mit fast 6000 Menschen, die vorwiegend in Guinea in direkten oder indirekten Kontakt mit Ebola-Infizierten Personen gekommen waren, und die den neuen Impfstoff „rVSV-ZEBOV“ bekommen hatten.

In der Fachzeitschrift The Lancet berichten Forscher um die WHO-Angestellte Dr. Ana Maria Henao-Restrepo über Einzelheiten: Demnach wurden die Teilnehmer der Studie nach dem Losverfahren entweder sofort geimpft, oder mit einer Verzögerung von drei Wochen. In der ersten Gruppe waren nach zehn Tagen keine Viren mehr festzustellen, in der zweiten Gruppe erkrankten dagegen 23 Menschen an der Seuche. Knapp drei Monate lang schauten die Forscher auch nach möglichen Nebenwirkungen von rVSV-ZEBOV. Dabei kam es zu einem Fall von extrem hohem Fieber und einer Überempfindlichkeitsreaktion, die beide glimpflich ausgingen. Ansonsten traten lediglich milde Nebenwirkungen auf Kopfweh, Müdigkeit und Muskelschmerzen.

„Beim nächsten Mal gewappnet“ – WHO-Direktorin Kieny (Foto: WHO)

Der Impfstoff, der auf einem gentechnisch veränderten Virus (VSV) basiert, war zuvor an Affen getestet worden, wo er Neuinfektionen zu 100 Prozent verhindern konnte. Bei bereits infizierten Tieren verhinderte rVSV-ZEBOV den Ausbruch der Krankheit immerhin in jedem zweiten Fall. rVSV-ZEBOV wirkt möglicherweise nicht gegen alle Stämme des Ebola-Virus gleich gut. Besonders effektiv verhindert der Impfstoff aber den Ausbruch der Zaire-Variante von Ebola, die mit einer Sterblichkeit von bis zu 90 Prozent zu den tödlichsten Infektionskrankheiten überhaupt zählt.

Die Globale Impfallianz GAVI hat fünf Millionen Dollar zugesagt, um einen Vorrat von 300.000 Dosen des Impfstoffes anzulegen. „Wenn die nächste Epidemie kommt, werden wir gewappnet sein“, sagt die Studienleiterin Dr. Marie-Paule Kieny, Stellvertretende Generaldirektorin für Gesundheitssystem und Innovation der WHO in Genf.

(eine ausführliche Fachversion dieser Nachricht ist erschienen am 4. Januar 2017 bei Medscape)

Quellen:

Gen-Probe für Lincolns Krankheiten

Auch 126 Jahre nach der Ermordung Abraham Lincolns streiten Experten noch über den Gesundheitszustand des amerikanischen Präsidenten zum Zeitpunkt des Attentats. Mit Hilfe einer äußerst empfindlichen Nachweismethode ist eine Antwort auf die Fragen der Historiker jetzt in greifbare Nähe gerückt. Ein Komitee, eingesetzt vom Nationalen Gesundheits- und Medizinmuseum der Vereinigten Staaten, soll zunächst überprüfen, ob Gewebeproben Lincolns und anderer historischer Persönlichkeiten für das Verfahren noch gut genug erhalten sind. Außerdem müßten ethische und rechtliche Einwände gegen die geplante Genanalyse überprüft werden, meldet die „Herald Tribune“.

Das Museum mit Standort in Washington verfügt über rund 17000 Ausstellungsstücke, darunter auch die blutigen Manschetten des Arztes, der Lincolns Leiche nach dem Mordanschlag in Ford’s Theater untersuchte, zwei Locken, sowie mehrere Knochensplitter, die von der Kopfwunde des Präsidenten stammen. Obwohl der Anschlag mehr als ein Jahrhundert zurückliegt, dürfte das Erbmaterial Lincolns in den Proben noch weitgehend intakt sein. Dann aber genügt theoretisch eine einzige Zelle, um Lincolns Gene in unbegrenzten Mengen zu vervielfachen.

Wissenschaftler machen sich dabei Eiweißstoffe zunutze, die das genetische Material der Zelle – die DNA – verdoppeln können. Innerhalb kurzer Zeit erhalten die Forscher auf diese Weise Milliarden von Kopien, die dann weiter untersucht werden können. Diese Methode der Genvermehrung – im Fachjargon mit PCR abgekürzt – findet in den letzten Jahren immer breitere Anwendung.

Da keine zwei Menschen exakt gleiches Erbmaterial haben (eineiige Zwillinge ausgenommen), wird das Verfahren manchmal benutzt, um nach Schwerverbrechen das Erbmaterial des Angeklagten mit den Blut oder Samenspuren vor Ort zu vergleichen. Aufgrund der großen Stabilität der DNA wurde sogar schon bei ägyptischen Mumien der Versuch einer Genanalyse unternommen – allerdings mit eher bescheidenem Erfolg.

Trotz der großen Empfindlichkeit der PCR-Methode ist Skepsis angebracht, ob beispielsweise die Krankengeschichte Lincolns bald lückenlos vorliegen wird. Historiker vermuten in diesem Fall aufgrund indirekter Hinweise, daß Lincoln an einer Erbkrankheit litt (dem Marfan-Syndrom), die zur Schwächung von Knochen, Sehnen und Gefäßen führt und in den meisten Fällen einen frühen Tod bedeutet. Äußerlich macht sich das Marfan Syndrom durch hohen, schlanken Körperwuchs und ungewöhnlich lange Gliedmaßen und Finger bemerkbar.

Sollte diese Diagnose zutreffen, dann hätte Lincoln, der zum Zeitpunkt des Attentats 56 Jahre alt war, in ständiger Todesgefahr gelebt. Mehrere Biographen gehen außerdem davon aus, daß Lincoln unter Depressionen litt, doch ist eine erbliche Grundlage für dieses Leiden noch nicht zweifelsfrei erwiesen. Solange aber die Gene, welche für das Marfan-Syndrom oder auch für Depressionen verantwortlich sind, noch nicht identifiziert sind, bleiben die Theorien der Historiker bloße Spekulationen. Auch wenn die Expertenkommission schließlich grünes Licht für eine Untersuchung der Überreste des Präsidenten gibt, werden sich die Geschichtsforscher vermutlich noch mehrere Jahre gedulden müssen, bis die Molekularbiologen ein abschließendes Urteil über Lincolns Gebrechen abgeben können.

Wenn Gene aus der Kanone fliegen

Während eine gespannte Öffentlichkeit die ersten zaghaften Versuche zur Gentherapie beim Menschen verfolgt, planen Biologen und Mediziner schon den nächsten Schritt in die Zukunft. Doch wie soll die Raffinesse eines Verfahrens übertroffen werden, in dem gentechnisch veränderte Viren winzige Bruchstücke der menschlichen Erbinformation in hochspezialisierte Immunzellen einschmuggeln, die dann – so die Hoffnung aller Beteiligten – zu Milliarden ausschwärmen, um die Arbeit des Chirurgen überflüssig zu machen?

Nicht komplizierter, sondern einfacher müssen die Techniken werden, damit möglichst viele kranke Menschen von den Ergebnissen der modernen Biologie profitieren können, so lautet die verblüffende Antwort der Experimentatoren. Erste Resultate weisen darauf hin, daß die Retroviren, welche in der Vergangenheit zum Gegenstand hitziger Diskussionen wurden, bald abgelöst und durch simplere Methoden des Gentransfers ersetzt werden könnten, Bisher hatte man die Viren als „Schlüssel“ zur Zeile angesehen, weil sie sich darauf spezialisiert hatten, ihr eigenes Erbmaterial zwischen die Gene der Wirtszelle einzuschmuggeln.

Steven Rosenberg und seine Mitarbeiter am National Institute of Health im amerikanischen Maryland hatten sich diese Eigenschaft zunutze gemacht, die Viren ihrer Vermehrungsfähigkeit beraubt und sie dann zu „Genfähren“ umgebaut. Vielversprechende Erbanlagen, wie jüngst die Bauanleitung für den Tumor Nekrose Faktor, konnten so mit Hilfe der gezähmten Viren Zellen des menschlichen Immunsystems hinzugefügt werden. Theoretisch kann jedes Gen, jeder molekulare Bauplan. den die Forscher bisher isolieren konnten, auf diese Weise verfrachtet werden und defekte oder fehlende Erbanlagen ersetzen.

Da die Anzahl bekannter Gene schon seit Jahren explosionsartig zunimmt, verfügen die Wissenschaftler schon heute über ein ganzes Arsenal an molekularen Blaupausen, beispielsweise für Hormone und Wachstumsfaktoren, strukturgebende Eiweiße oder Botenstoffe des Immunsystems. Dazu gehören auch solche Gene, deren Abwesenheit oder Defekt für eine Reihe verheerender Erbkrankheiten verantwortlich sind.

Die Gentherapie zielt nun darauf ab, die jeweils betroffenen Zellen zu reparieren, doch ergeben sich hier mehrere Engpässe, die bisher noch nicht überwunden werden konnten: Zum einen widersetzen sich die weitaus meisten der über 200 Zelltypen in unserem Körper dem Gentransfer mittels Retroviren. Die beiden bisher angelaufenen Versuche zur Gentherapie am Menschen beschränkten sich auf die Manipulation von weißen Blutzellen; diese aber sind mit einer Lebensdauer von wenigen Monaten relativ kurzlebig, so daß die Behandlung vermutlich mehrmals – oder gar lebenslang – wiederholt werden muß.

Ein weiteres Argument gegen die Viren lautete: Durch den rein zufälligen Einbau fremder Gene irgendwo auf dem über einen Meter langen menschlichen Erbgut könnten lebenswichtige Erbanlagen auseinandergerissen oder Onkogene aktiviert werden, die dann Krebserkrankungen auszulösen vermögen.

Obwohl eine weitere neue Technik, das „Gene-Targeting“, den Einbau der Ersatzgene zu einem hochpräzisen Vorgang machen könnte, bliebe ein drittes Problem weiter ungelöst: Die Prozedur läßt sich aller Voraussicht nach nicht rückgängig machen. Sollten unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, kann der behandelnde Arzt ein einmal transferiertes Gen nicht einfach „absetzen“, wie dies etwa bei einem Arzneimittel möglich wäre.

Trotz aller Einwände und Bedenken könnte die Gentherapie bei einer Reihe von gravierenden Krankheiten zum Einsatz kommen; zunächst vor allem in solchen Fällen, bei denen alle anderen Methoden versagen. In jüngster Zeit konnte zudem gezeigt werden, daß ein Gentransfer auch ohne Viren stattfinden kann. So gelang es beispielsweise John Wolff vom Waisman Center der Universität Wisconsin in Zusammenarbeit mit Philip Felgner von der kalifornischen Firma Vical, intakte Gene durch direktes Einspritzen in die Muskelzellen von Mäusen zu übertragen („Science“, Band 247, S.1465).

Wolff und Felgner beobachteten, daß die eingebrachten Gene in den Versuchstieren die Produktion dreier Eiweißstoffe (CAT, Luziferase und ß-Galaktosidase) dirigierten – und das bis zu sechs Monaten. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler auch recht genau steuern, wieviel Eiweiß produziert wurde, indem sie die Menge an injizierter DNA entsprechend veränderten. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, auch solche Krankheiten zu behandeln, bei denen sich die Gentherapeuten bislang in einer Sackgasse wähnten.

Ein Einbau von Genen in das Erbgut der Zielzellen ist, das bestätigten auch andere Arbeitsgruppen, nicht mehr in allen Fällen nötig. Dies verwunderte die Experten vor allem deshalb, weil fremde, „nackte“ Erbsubstanz (DNA) nach bisheriger Erkenntnis von den infizierten Zellen binnen kurzer Zeit in ihre Bausteine zerlegt werden sollte. Trotzdem meldete fast ein Dutzend voneinander unabhängiger Laboratorien, daß die Fremd-DNA teilweise über Monate hinweg intakt blieb und das biochemische Geschehen der Wirtszelle dirigierte („Nature“, Band 349, S. 351).

Nicht nur die Nadel dient indes dazu, die molekularen Baupläne in Form von DNA an Ort und Stelle zu verfrachten. Vielmehr haben die Forscher ein ganzes Arsenal von Methoden entwickelt, um beispielsweise auch diejenigen Zellen zu erreichen welche die Atemwege auskleiden oder die Wände unserer Blutgefäße bilden. Bestandteile der Zellmembran etwa – sogenannte Phosphoglyceride – können mit Wasser nach einer Ultraschallbestrahlung tropfenförmige Strukturen bilden, die in der Lage sind, Erbsubstanz zu transportieren Mit diesen mikroskopisch kleinen Kügelchen (Liposomen) gelang es beispielsweise bei Schweinen, Erbmaterial in die Wände von arteriellen Blutgefäßen zu verfrachten.

Die jetzige Todesursache Nummer eins in den westlichen Industrieländern könnte einmal ein mögliches Anwendungsgebiet dieser Versuche werden: Herz- und Kreislaufkrankheiten wie Arteriosklerose oder überhöhter Blutdruck ließen sich im Prinzip durch gentechnisch veränderte Zellen beeinflussen, die darauf programmiert würden, für einen bestimmten Zeitraum blutdrucksenkende Mittel direkt in den Blutstrom abzusondern. Die derzeit wohl spektakulärste Errungenschaft auf diesem Gebiet aber stellt die „Genkanone“ dar, eine Apparatur, mit der sich DNA-Moleküle wie Kugeln verschießen lassen („Nature“, Band 346, S.776). Dabei nutzt man die Eigenschaft nackter Erbsubstanz aus, sich an mikroskopisch kleine Partikel aus Gold oder Tungsten anzuheften. Die Teilchen können dann durch allerlei explosionsartige Verbrennungsprozesse (auch Schwarzpulver kommt vereinzelt zum Einsatz) abgefeuert werden. Vorläufig allerdings ist diese Anwendung erst bis zum Reagenzglas fortgeschritten, so daß die Spekulation darüber, ob jemals Patienten mit einer Genkanone beschossen werden könnten, den Autoren von Science-Fiction-Romanen vorbehalten bleibt.

Quellen:

  • Wolff JA, Malone RW, Williams P, et al. Direct gene transfer into mouse muscle in vivo. Science. 1990;247(4949 Pt 1):1465–1468. doi:10.1126/science.1690918.
  • Felgner, P., Rhodes, G. Gene therapeutics. Nature 349, 351–352 (1991). doi: 10.1038/349351a0.
  • Johnston, S. Biolistic transformation: microbes to mice. Nature 346, 776–777 (1990). doi: 10.1038/346776a0.

(erschienen in „DIE WELT“ am 9. Februar 1991)

Die größte Ölpest aller Zeiten

Einen traurigen Rekord mußten Umweltschützer in dieser Woche aus der Kriegsregion am Persischen Golf vermelden: Noch nie wurde so viel Rohöl in die Natur entlassen wie in den vergangenen Tagen. Die Rede ist von etwa zwei Milliarden Litern, das entspricht dem Fassungsvermögen von sieben Supertankern oder der fast unvorstellbaren Anzahl von 100000 Tanklastzügen

Mittlerweile haben die Ölteppiche Ausmaße von mehreren tausend Quadratkilometern erreicht, und noch immer konnte der Zufluß nicht vollständig gestoppt werden. Zum Vergleich: Als die 300 Meter lange Exxon Valdez am 24. März 1989 vor Alaska auf ein Riff auflief, ergossen sich im Verlaufe weniger Tage mehr als 40 Millionen Liter Öl in den Prinz-William-Sund und verursachten die letzte große Ölpest. 36000 Vögel, darunter 150 Weißkopf-Seeadler, sowie 1000 Otter, über 30 Robben, fast 20 Grauwale und 5 Seelöwen waren in den Monaten nach der Katastrophe tot aufgefunden worden.

Die Zahl der Tiere, welche qualvoll verendeten, liegt aber wahrscheinlich noch viel höher, da viele Kadaver im Meer versanken. Noch heute finden sich Spuren der Katastrophe an Hunderten von Kilometern der ehemals unberührten Küste. Dies, obwohl die geologischen Verhältnisse das Abwaschen der Felsen eher begünstigen.

Die Materialkosten und die Löhne für die 11000 Arbeiter, die zeitweise eingesetzt wurden, beliefen sich für den Erdölkonzern Exxon bisher auf fast 2 Milliarden Dollar, wobei noch anstehende Schadensersatzforderungen diese Summe nochmals weiter erhöhen könnten. Sechs Monate hatten die Aufräumarbeiten gedauert, doch konnte in diesem Zeitraum kaum ein Zehntel des ausgelaufenen Öls beseitigt werden.

Allerdings bedeutet das nicht, daß die restlichen 90 Prozent noch immer in den Tiefen der arktischen Gewässer liegen müssen. Rohöl besteht aus einem Gemisch von über 500 verschiedenen Substanzen; in Raffinerien läßt sich das zähflüssige Ausgangsmaterial zu so verschiedenen Substanzen wie Teer oder Waschbenzin verarbeiten. Im Persischen Golf verflüchtigten sich manche Bestandeile wie etwa kurzkettige Alkane schon innerhalb der ersten Tage.

Was übrig bleibt, sind vorwiegend langkettige Moleküle, die im Prinzip biologisch abbaubar sind. Allerdings wird die Arbeit für die überall natürlich vorkommenden Mikroorganismen umso größer, je mehr Verzweigungen sich in den Ketten der Kohlenwasserstoffmoleküle finden. Ringförmige Moleküle gar, die sogenannten Zykloalkane, sind auch für die Vielfalt der natürlich vorkommenden Bakterienarten nur schwer abbaubar. Die verbleibenden Erdölreste verhalten sich unterschiedlich, je nachdem, wie stark sie in Wasser löslich sind. Die schlechtlöslichen (hydrophoben) Anteile, die etwa 15 Prozent ausmachen, bilden Klumpen, während der überwiegende Rest mit Wasser jenen wenig stabilen Ölschlamm ergibt, der aufgrund seiner Konsistenz als „Mousse“ bezeichnet wird.

Früher oder später gelangt ein Teil des Öls an der Küste; dann hängt die Verweilzeit stark vom Wellenschlag ab. Da der Persische Golf als Randmeer kaum Wellengang zeigt, muß man mit Jahren statt mit Monaten rechnen: andererseits wird der Abbau der Ölreste durch Mikroben bei den extrem hohen Temperaturen schneller vor sich gehen als in Alaska. Teilweise erreicht das Wasser im Golf über dreißig Grad.

Die größte Ölpest aller Zeiten – bis zu Saddam Husseins Wahnsinnstat – wurde am 16. März 1978 ausgelöst, als der steuerlose Supertanker „Amoco Cadiz“ in stürmischem Wetter vor der bretonischen Küste auf Grund lief. Die gesamte Ladung von 220 Millionen Litern hatte sich damals ins Meer ergossen.

Insgesamt wurde die Ölfirma Amoco zu Schadensersatzleistungen von fast 130 Millionen Dollar an 90 Kommunen und Interessenverbände verurteilt. Heute – nach dreizehn Jahren – sind die Spuren der Katastrophe fast völlig verschwunden. Zwar sind die bretonischen Austernfischer mit ihren Äußerungen sehr zurückhaltend, doch weiß man, daß jede diesbezügliche Aussage von der Firma Amoco als gefundenes Fressen für das laufende Berufungsverfahren angesehen würde. Auch wenn die Fischer bereits wenige Monate nach der Katastrophe ihre Arbeit wiederaufnehmen konnten, will niemand einen Persilschein ausstellen.

Wie bei jeder Ölkatastrophe ist es äußerst schwierig, zuverlässige Angaben über die langfristigen Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten. Bisher liegen nur sehr wenige Untersuchungen zu diesem Thema vor. Eine Ausnahme bildet eine Ölpest, die 1986 an der Karibikküste des Panamakanals entstand und deren Folgen von Wissenschaftlern über mehrere Jahre hinweg verfolgt wurden. Wie die Forscher in der Zeitschrift „Science“ beschrieben, starben alle Bodenbewohner wie Seegras, Algen und Schwämme innerhalb kurzer Zeit ab. Fische konnten sich größtenteils der Katastrophe entziehen und in saubere Meeresregionen abwandern. Doch auch bei diesen Tieren war die Fortpflanzungsrate stark erniedrigt. Die Wiederbesiedlung mit Muscheln und Krebsen dauerte Jahre, wohingegen sich Schnecken mit ihren verschließbaren Gehäusen vor einer Ölpest besser zu schützen vermochten.

Besonders empfindlich auf eine Wasserverschmutzung reagieren Korallen, die an einen festen Standort gebunden sind. Bei der erwähnten Ölpest starben bis in eine Wassertiefe von drei Metern 75 Prozent aller Steinkorallen ab. Am Persischen Golf brachte der saudische Minister für Land- und Wasserwirtschaft, Abderrahman Ibn Abdelasis, den Plan vor, noch lebende Korallenbänke mit Hilfe besonderer Techniken ins Rote Meer zu transportieren, wo ähnliche Lebensbedingungen wie im Persischen Golf herrschten.

Ob dieser Plan sich in die Tat umsetzen läßt, muß jedoch angesichts der kriegerischen Auseinandersetzungen stark bezweifelt werden. Verschiedene Inseln mit besonders schützenswerter Fauna wie Dschana, Kurain und Safanyeh sollen durch Barrieren vor dem Öl geschützt werden, doch wird die Priorität sicherlich dem Schutz der Trinkwasserversorgung gelten.

Professor Wilfried Gunkel von der biologischen Bundesanstalt Helgoland gibt sich angesichts der Dimensionen von Saddams Ölteppich eher pessimistisch, was die Möglichkeiten technischer Eingriffe angeht. Letztendlich wird man die Arbeit der Natur überlassen müssen. Dennoch sieht Gunkel einen Silberstreif am Horizont. „Ich glaube, daß unter den gegebenen Umständen 80 bis 95 Prozent des ausgeflossenen Öls innerhalb von ein bis zwei Jahren verschwinden werden. Bei allen bisherigen Ölkatastrophen waren die Folgen nicht so dramatisch, wie sie ursprünglich geschildert wurden. Öl ist eine natürliche Substanz und daher prinzipiell abbaubar.“

Ob dies für die Muschelbänke und Korallenriffe, für Krabben und Seekühe, für Schildkröten und Wasserschlangen oder für die Vielzahl der einheimischen und durchziehenden Vögel am Persischen Golf noch rechtzeitig geschieht, bleibt allerdings dahingestellt. Schon vor Ausbruch der Kämpfe galt die Region als einer der meistverschmutzten Seefahrtswege der Welt. Nicht nur die langjährigen Kämpfe zwischen Iran und dem Irak waren dafür verantwortlich. Während sich beispielsweise 1983 nach irakischen Bombenangriffen auf das Nowruz-Ölfeld eine Flut von 175 Millionen Litern in den Golf ergoß, nutzten viele Tankerkapitäne die Situation aus: Sie vergrößerten den Schaden für die Umwelt noch zusätzlich, indem sie durch die illegale-Reinigung der Öltanks weitere Millionen von Litern zu der „schwarzen Pest“ hinzuaddierten.

(erschienen in „Die WELT“ am 2. Februar 1991 unter meinem Pseudonym Claudia Sahler)

Was wurde daraus? Auf Wikipedia findet sich eine lange Liste von Tankerunfällen und anderen Verursachern einer Ölpest. Die Schätzung zum Golfkrieg lautet 800.000 bis 1,7 Millionen Tonnen. Das ist deutlich weniger, als die 2 Milliarden Liter in meinem Artikel, aber immer noch mehr als bei jedem anderen Ereignis freigesetzt wurden.

Erstmals Gentherapie gegen Hautkrebs erprobt

Zum ersten Mal haben Wissenschaftler die Methode der Gentherapie angewandt, um eine Krebserkrankung beim Menschen zu bekämpfen. Am Nationalen Gesundheitsinstitut im US-Bundesstaat Maryland wurden einer 29 Jahre alten Frau und einem 49jährigen Mann gentechnisch veränderte Blutzellen injiziert.

Man erhofft sich von dieser Behandlung Fortschritte zunächst bei der Bekämpfung des malignen Melanoms, einer bösartigen Form von Hautkrebs, die kaum zu behandeln ist und weltweit jährlich Tausende von Opfern fordert. Diese Form des Hautkrebses ist im Gegensatz zu den meisten anderen Arten nur selten heilbar.

Aufgabe der gentechnisch manipulierten Immunzellen ist es, den Bauplan für einen Eiweißstoff in die Nähe von wuchernden Krebszellen zu bringen. Dieser Eiweißstoff – es handelt sich um den Tumor Nekrose Faktor TNF – soll dann vor Ort seine Wirkung entfalten und auch sehr kleine Tochtergeschwüre (Metastasen) vernichten, die für das Skalpell des Chirurgen nicht zu erreichen sind.

Unter Leitung von Dr. Steven Rosenberg hatten die Arzte den beiden Patienten zunächst weiße Blutzellen entnommen, die sich in einem bösartigen Melanom angesammelt hatten. Diese Zellen des Immunsystems, deren Aufgabe unter anderem darin besteht, krebsartig entartete Zellen aufzuspüren und zu vernichten, sind beim malignen Melanom offensichtlich nicht in der Lage, Krebszellen wirkungsvoll zu bekämpfen. Kompliziert wird die Erkrankung vor allem dadurch, daß sich sehr schnell Tochtergeschwüre bilden, die die Funktion lebenswichtiger Organe behindern.

Um den entnommenen Zellen die Erbanlagen für TNF hinzuzufügen, benutzten Rosenberg und seine Kollegen French Anderson und Michael Blaese ein Virus als „Genfähre“. Das „Moloney-Mäuse-Leukämie-Virus“, welches nach Überzeugung der Forscher für den Patienten völlig ungefährlich ist, wurde zuvor künstlich geschwächt, um die Sicherheit noch weiter zu erhöhen.

Erfolg dieser Maßnahme: Die Viren können zwar das gewünschte Gen in die weißen Blutzellen des Patienten einschmuggeln; sie können sich im menschlichen Körper aber nicht mehr vermehren. Die veränderten Immunzellen vermehrten die Forscher dann massenhaft in Zellkulturen – ein Verfahren, das mehrere Wochen in Anspruch nimmt. In einem zweiten Schritt wurden die Zellen zu Milliarden in den Blutkreislauf der Patienten zurückgegeben. „Wir hoffen, die Tür zu einer neuen Art der Krebsbekämpfung zu öffnen, aber das Verfahren ist noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium“, dämpfte Rosenberg allzu hohe Erwartungen.

In dieser Studie wird vor allem die Sicherheit des Experimentes überprüft. Falls sich keine unvorhergesehenen Komplikationen ergeben, wird der Versuch auf zunächst 50 Patienten erweitert werden. Damit erreicht eine bislang 16jährige Forschungstätigkeit Rosenbergs ihren vorläufigen Höhepunkt, die darauf abzielt, die menschlichen Erbinformationen gezielt zur Krebsbekämpfung einzusetzen.

Vorausgegangen waren dem historischen Experiment ausgiebige Untersuchungen über den Verbleib von gentechnisch veränderten Zellen im menschlichen Körper. Dazu war den weißen Blutzellen bereits vor einem Jahr ein sogenanntes Marker-Gen eingepflanzt worden, mit dem sich die manipulierten Zellen von den unveränderten des Patienten unterscheiden ließen.

Der erste Versuch überhaupt, eine menschliche Krankheit mit Hilfe der Gentherapie zu heilen, wurde im September des vergangenen Jahres begonnen. Ein vier Jahre altes Mädchen, das unter einer äußerst seltenen Immunschwächekrankheit litt, zeigt nach vorläufigen Verlautbarungen bereits eine deutliche Besserung seines Gesundheitszustandes.

Das Eiweiß TNF, das jetzt in der Gentherapie erstmalig angewendet wurde, hatte schon vor Jahren in Zellkulturen und im Tierversuch seine Fähigkeit bewiesen, Tumoren zu bekämpfen und war eine der ersten Substanzen auf der langen Liste gentechnisch hergestellter Wirkstoffe. Auch in Deutschland darf diese Substanz seit kurzem mit Hilfe von genmanipulierten Bakterien produziert werden.

(erschienen in „DIE WELT“ am 31. Januar 1991)  

Was wurde daraus? Fast 30 Jahre nach Erscheinen dieses Artikels finde ich bei einer Literatursuche auf PubMed annähernd 20.000 Publikationen zum Thema. Mehr als 2000 dieser Artikel erwähnen klinische Studien, jedoch ist die „Impfung gegen Hautkrebs“ immer noch nicht in der Praxis angekommen. Mindestens zwei derartige Studien laufen derzeit auch in Deutschland, wie ich einem Bericht der Melanoma Research Alliance entnehme. Nach zahlreichen Enttäuschung auf diesem Gebiet halte ich mich mit der Berichterstattung zurück bis die Daten zu einer größeren Zahl von Patienten in einer renommierten Fachzeitschrift erscheinen.

Ölfeld explodiert nicht bei Angriffen

Der Zustand der Ölfelder in Kuwait ist wegen widersprüchlicher Meldungen unklar. Die kuwaitische Exilregierung spricht in Zusammenhang mit der angeblichen Zerstörung von Ölfeldern von einer „neuen verbrecherischen Handlung“ der Iraker. Dagegen liegen britischen Militärkreisen keine Informationen über brennende Ölfelder vor.

Ein Sprecher der US-Streitkräfte in Saudi-Arabien hatte erklärt, Luftaufnahmen zeigten, daß der Irak seine Drohungen wahr gemacht habe, Ölquellen und Vorratstanks anzuzünden. Bei der Deutschen Shell AG wollte man sich nicht an Spekulationen beteiligen; es fehle dazu an konkreten Kenntnissen über die geographischen Voraussetzungen in der Krisenregion.

Der Sprecher der Deutschen Shell AG Karl-Wilhelm Lott erklärte: „Es ist nicht einfach, ein Ölfeld in Brand zu stecken.“ Die allermeisten Öl- und Gasvorkommen sind an unterirdisches Trägergestein gebunden und dort in mikroskopisch feine Poren eingelagert. Nur bei einer verhältnismäßig kleinen Anzahl von Lagerstätten (sogenannte eruptive Ölfelder) ist der unterirdische Druck groß genug, um einen regelrechten Ausbruch zu erzeugen. Bei „klassischen“ Ölfeldern muß der Druck dagegen von Pumpen bereitgestellt werden, ohne deren Hilfe der Strom nicht aufrecht erhalten werden kann.

Eruptive und klassische Lagerstätten sind gleichermaßen mit Ausbruchschiebern gesichert. Im Fachjargon werden diese Ventile, die einen „Blow-Out“ verhindern sollen, Christbäume genannt. Bei Sprengung der Ventile eruptiver Lagerstätten schießt ein Gemisch aus Öl, Gas, Sand und Schlamm an die Oberfläche.

„Dieses Gemisch“, so Lott, „kann man entzünden. Das Ganze brennt dann wie eine Fackel“. Saddam Hussein könnte diesen Mechanismus bereits in Gang gesetzt haben, mit dem vorrangigen Ziel, den alliierten Luftstreitkräften durch die enormen Rauchschwaben den Zielanflug zu erschweren.

Ein Explodieren ganzer Ölfelder – sie liegen in der Krisenregion mehrere hundert Meter tief – ist allerdings auch dann nicht zu erwarten, wenn die Förderanlagen massiven Bombenangriffen ausgesetzt sind. Entgegen der Erwartung ist Rohöl nur schwer zu entzünden.

Dennoch darf die Gefahr nicht unterschätzt werden, die vor allem von den überirdischen Installationen ausgeht. Dort befinden sich, oft über mehrere Quadratkilometer verteilt, neben den Fördertürmen auch Sammeltanks von etwa 50000 Kubikmetern Fassungsvermögen, Entgasungsanlagen und kleinere Raffinerien.

„Diese Anlagen kann man natürlich sprengen oder in Brand setzen; das gibt dann ein ordentliches Feuer“, so Lott. Auch die Ölbohrplattformen vor der Küste bieten Angriffspunkte. Bei einem Angriff auf Plattformen oder Sammelstationen an der Küste, in denen die Pipelines zusammenlaufen, gelänge Öl in größeren Mengen ins Meer. Die Möglichkeit einer verheerenden Ölpest bestünde allerdings auch in diesem Fall „nur“ bei eruptiven Feldern.

(leicht korrigierte Version eines Artikels, veröffentlicht in „DIE WELT“ am 24.1.1991)

Klimakatastrophe durch Golfkrieg?

Nachdem die internationale Streitmacht sich bereits am ersten Tag der kriegerischen Auseinandersetzungen die Lufthoheit über den Irak und Kuwait gesichert hat, gibt es nach wie vor Befürchtungen, daß die Kämpfe zu einer ökologischen Katastrophe ohnegleichen führen könnten.

Schätzungsweise ein Drittel der 1000 kuwaitischen Ölquellen wurde durch die irakischen Besatzungstruppen vermint. Nach unabhängigen Schätzungen könnten bei einer Sprengung täglich 1,5 Millionen Barrel Rohöl verbrennen, das entspricht etwa 140 Millionen Litern.

Ausgelöst wurden die Spekulationen über eine drohende Umweltkatastrophe, in deren Gefolge auch ein „nuklearer Winter“ nicht ausgeschlossen werden könne, durch eine Konferenz, die vor zwei Wochen in London von Penny Kamp organisiert wurde. Kamp war bisher vornehmlich als Autor zu Umweltthemen in Erscheinung getreten.

In Anwesenheit von Vertretern der Ölindustrie, Mitgliedern der Friedensbewegung und einer Reihe von Umweltingenieuren beschrieb John Cox, Vizepräsident der Kampagne für Nukleare Abrüstung und Berater einer Ölfirma, ein Weltuntergangsszenario und warnte vor einer ökologischen Katastrophe ohne Beispiel. Dieser Vermutung wiedersprach unter anderem John Houghton, Direktor des Britischen Wetteramtes: „Wir glauben nicht, daß es ein größeres Klimaproblem geben wird.“

Nach den wissenschaftlichen Grundlagen für die widersprüchlichen Äußerungen befragte die WELT einen der renommiertesten deutschen Klimaforscher. Professor Christian-Dietrich Schönwiese ist Direktor des Instituts für Meteorologie und Geophysik der Goethe-Universität in Frankfurt und Mitglied des IPCC, (Intergovernmental Panel on Climate Change), einer weltweiten Vereinigung von Klimaexperten.

Die Äußerungen des britischen Chemieingenieurs John Cox haben in der Öffentlichkeit große Besorgnis über die möglichen Folgen eines Golfkrieges hervorgerufen. Cox behauptet unter anderem, daß eine Sprengung der kuwaitischen Ölquellen durch irakische Truppen gewaltige Brände hervorrufen würde. Das brennende Öl und die entstehenden Rußwolken. so Cox, würden zu einem Ozonloch von gigantischen Ausmaßen führen, möglicherweise würde auch der Monsunregen ausbleiben und so eine Milliarde Menschen mit dem Hungertod bedrohen.

Schönwiese: Das halte ich für äußerst spekulativ, auch für sehr unwahrscheinlich.

Glauben Sie, daß sich hier ein kompetenter Wissenschafller geäußert hat? Herr Cox scheint bisher noch nicht als Umweltexperte in Erscheinung getreten zu sein.

Schönwiese: Es ist leider so, daß sich jetzt viele selbsternannte Wissenschaftler äußern. Ich habe die Namensliste der letztjährigen Weltklimakonferenz durchgesehen; das waren immerhin 150 Leute weltweit plus 200 weitere, die die Texte kritisch durchgesehen haben. Dabei ist mir dieser Name nie untergekommen. Ich kenne ihn (Cox) also schlicht nicht. Es passiert häufiger, daß ich Meinungsäußerungen höre zu Klimaproblemen von Leuten, die mir aus der klimatologischen Wissenschaft her vollkommen unbekannt sind.

Werden die Gefahren eines Golfkrieges in den Medien realistisch dargestellt?

Schönwiese: Zwar habe ich nicht alles verfolgt, was da geschrieben und gesagt wurde, aber das, was ich höre, scheint mir übertrieben zu sein.

Die Ölmengen, die schlimmstenfalls in Kuwait verbrennen (Schätzungen gehen von 1,5 Millionen Barrel täglich aus), scheinen im Vergleich zum weltweiten Verbrauch von täglich 50 Millionen Barrel eher klein. Wie kann man da zu der Behauptung gelangen, über dem indischen Subkontinent drohe ein riesiges Ozonloch?

Schönwiese: Mit dem Ozonloch hat das gar nichts zu tun, höchstens mit dem Treibhauseffekt. Durch die Verbrennung wird Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Durch die Energienutzung, indirekt auch durch die Brandrodungen werden jährlich 26 Milliarden Tonnen diese Treibhausgases freigesetzt. Ich schätze, daß in Kuwait nur etwa ein Tausendstel dessen entstehen könnte. Das heißt, es dürften einige Millionen Tonnen sein, die in die Atmosphäre gelangen und dann auch nicht ein ganzes Jahr lang, sondern, wenn man Pech hat, einige Monate, vielleicht aber auch nur einige Tage. Mit anderen Worten: Das Ausmaß der CO2-Freisetzung im Zuge des Golfkrieges ist viel viel kleiner als die Freisetzung durch die Weltenergienutzung. Außerdem entstehen durch brennende Ölfelder auch Rußpartikel.

Zu diesem Szenario gibt es Modellrechnungen zum sogenannten nuklearen Winter im Falle eines weltweiten Atomkrieges. Man geht dabei von ähnlichen Annahmen aus, allerdings mengenmäßig und auch räumlich sehr viel umfangreicher. Bei diesen Berechnungen ergibt sich, wie der Name schon sagt, eine Abkühlung. Wenn ich das Szenario „Weltatomkrieg“ jetzt mit dem Golfkrieg vergleiche, so ist im Falle des Golfkrieges das Ausmaß sehr viel geringer; entsprechend geringer ist auch der Einfluß auf das Weltklima. Meine Studenten haben mich heute bereits um eine kurze Stellungnahme gebeten. Ich meine: Die durch einen Golfkrieg verursachten Klimaänderungen sind verschwindend gering, wenn überhaupt welche auftreten. Die ökologischen Folgen, insbesondere wenn es zu einem Einsatz biologischer Waffen kommt, könnten nach meiner Meinung verheerend sein. Allerdings bin ich nicht der Fachmann, um diese Frage im Einzelnen zu beurteilen.

Ihr Kollege, Prof. Paul Crutzen vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie verweist darauf, daß der Rauch die Ozonschicht dennoch bedrohen könne, indem die Rußpartikel – wenn sie bis in diese Schichten der Atmosphäre vordringen – das Ozon dort „wegdrücken“.

Schönwiese: Dem kann ich nicht folgen. Die Rußpartikel und das Ozonloch haben miteinander überhaupt nichts zu tun. Der Abbau des Ozons in der Stratosphäre hängt mit den Fluorchlorkohlenwasserstoffen zusammen, insbesondere den Chloratomen, die in diesen Substanzen enthalten sind. Ich halte Herrn Crutzen für einen sehr kompetenten Fachmann, aber dieser Argumentation kann ich nicht folgen.

(erschienen in „Die WELT“, am 18.1.1991)

Blick in den Elfenbeinturm

Es ist später Abend im Neuenheimer Feld. Die meisten der phantasielosen Zweckgebäude liegen im Dunkeln verborgen. Aus einigen wenigen Instituten aber dringt noch Licht nach draußen: Hier arbeiten Menschen, deren Tätigkeit den meisten Mitbürgern nur schwer verständlich, vielen sogar unheimlich ist. „Meine Mutter ist davon überzeugt, daß ich am Untergang der Menschheit arbeite“, beschreibt Manfred Gossen die Gefühle, die ihm oft entgegenschlagen, wenn er von seiner Arbeit erzählt.

Manfred ist einer von 250 Mitarbeitern am Zentrum für Molekulare Biologie (ZMBH) der Universität Heidelberg und macht eigentlich nicht den Eindruck eines Dr. Frankenstein. Hinter den Brillengläsern beginnen Manfreds Augen zu leuchten, während er von seiner Forschung erzählt. Mit Begeisterung erläutert er die neuesten Forschungsergebnisse. krakelt Reaktionsabläufe auf einen Kaffeefilter.

Manfred ist Gentechniker; aus Interesse an den Naturwissenschaften, wie er sagt. „Ein Job wie jeder andere, der mir Spaß machen würde.“ Ein Job wie jeder andere? Den Besucher dieser High-Tech-Laboratorien erwartet eine völlig fremde Welt: Hunderte von Flaschen füllen die Regale, gewaltige Zentrifugen sind zu sehen, Chemikalien und Computer, Kühlschränke und Kaffeemaschinen, Meßzylinder und Mikroskope, Plastikröhrchen und Photozubehör. Daneben andere Gerätschaften, deren Sinn dem Betrachter vollends verborgen bleibt. Während auf einer blitzblanken Laborbank Hunderte von kleinen Plastikröhrchen ordentlich in Reih und Glied ausgerichtet sind, scheint wenige Meter weiter völliges Chaos zu herrschen.

All diese „Zutaten“ aber sind nötig, um der mit bloßem Auge unsichtbaren Erbsubstanz DNA ihre Geheimnisse zu entlocken. Denn die Wissenschaftler, die einen Großteil ihres Lebens mit dem Zerschneiden, Vermischen und Zusammenkleben von Genen verbringen, bekommen diese fast nie zu Gesicht.

Die meisten Manipulationen finden in Reaktionsgefäßen statt, die nicht einmal die Größe eines Fingerhutes haben. Mit Spezialwerkzeugen werden Eiweißstoffe zur DNA gegeben, die gezielte Veränderungen der Erbsubstanz ermöglichen. Die Trennung der Reaktionsprodukte kann unter Umständen Tage dauern; oft befindet sich die Arbeit von Wochen in einem winzigen Tropfen Flüssigkeit. Ein falscher Handgriff unter Hunderten, und das Experiment muß von vorne begonnen werden.

Das Gerangel um das Gentechnikgesetz, welches zum 1. Juli des vergangenen Jahres in Kraft getreten ist, wurde hier – wie auch in der Industrie – mit großer Sorge verfolgt. Wie dergeschäftsführende Direktor des ZMBH, Professor Hermann Bujard, erläuterte, ist das Institut aber „noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen“. Letztlich sei aus Sicht der Forschung doch noch eine einigermaßen akzeptable Lösung durchgesetzt worden.

Obwohl in diesem Vorzeigeinstitut primär Grundlagenforschung betrieben wird, ergeben sich aus dem Verständnis dieser Vorgänge doch häufig Erkenntnisse, die beispielsweise die gezielte Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe ermöglichen. Während nämlich Infektionskrankheiten in westlichen Ländern in den Hintergrund getreten sind, leiden vor allem in Asien Hunderte von Millionen an einer ansteckenden Leberentzündung, die durch das Hepatitis-B-Virus hervorgerufen wird und zu Leberschrumpfung und Krebs führen kann.

Obwohl ein Impfstoff schon lange vorhanden ist, mußte dieser bis vor wenigen Jahren aus dem Blut bereits befallener Menschen gewonnen werden. Ein solches Verfahren ist aber mit dem Risiko verbunden, weitere Krankheitserreger zu übertragen, außerdem für die hauptbetroffenen Entwicklungsländer viel zu teuer.

Gentechniker waren es, die Teile der Erbinformation aus dem Hepatitisvirus herausschnitten und auf Hefezellen übertrugen. Widerspruchslos produzieren diese Zellen nun Teile des Virus, die zwar keine Krankheit, wohl aber einen Impfschutz hervorrufen können. „Dies ist das erste rational entwickelte Pharmakon auf dem Weltmarkt“, so Bujard.

Derartige Erfolge fallen den Forschern nicht in den Schoß. Am ZMBH ist eine 60-Stunden-Woche eher die Regel als die Ausnahme; Nachtschichten und Wochenenden im Labor sind keine Seltenheit. Denn die Bakterien und Zellen, die sich tagaus, tagein in Wärmeräumen und Brutschränken vermehren, müssen mit Nährstoffen versorgt werden. Viele Experimente sind sehr langwierig und können nicht einfach unterbrochen werden; Abgabefristen für Diplomarbeiten und Dissertationen halten zur Arbeit an; die Konkurrenz schläft nicht.

„In meiner WG fühle ich mich als Exote. Für die bin ich ein Workaholic mit meinem Zehn-Stunden-Tag“, berichtet Gerhard König, der hier über die Grundlagen der Alzheimer-Krankheit forscht. Ein Kollege pflichtet ihm bei: „Man eckt schon manchmal an mit der Meinung, die Arbeit ginge nur von Montag bis Freitag.“

Was bewegt diese Menschen dazu, ihr Leben in den Dienst der Forschung zu stellen? Geld, Karriere, Macht? Yuppies im Laborkittel? Manfred ist 28 Jahre alt und erhält während seiner Doktorarbeit knapp 1500 Mark monatlich. Ein Trinkgeld, gemessen an dem, was er mit seiner Ausbildung in der freien Wirtschaft verdienen könnte. « Ich mache das auch nicht, weil ich karrieregeil bin. Mit dem Arbeitsaufwand wäre ich woanders an der besten Stelle.“

Der Aufruf in einer sogenannten Szenezeitschrift, den Wissenschaftlern ruhig mal „ins Knie zu schießen“, gefolgt von einer langen Liste von biologischen Labors und den Namen bundesdeutscher Spitzenforscher war ebenfalls nicht dazu angetan, diese Menschen aus dem Elfenbeinturm zu locken, in den sie sich wohl manchmal gerne zurückziehen würden.

Natürlich ist den Gentechnikern die Unruhe und Technologieangst in weiten Teilen der Bevölkerung nicht verborgen geblieben. In einer gemeinsamen Erklärung haben sich bereits im letzten Jahr fast 2000 deutsche Wissenschaftler und Ärzte dazu verpflichtet, die Gentechnik unter keinen Umständen für militärische Zwecke einzusetzen. Eingriffe in die menschliche Keimbahn wurden in dem Appell an Regierung und Öffentlichkeit ebenfalls kategorisch abgelehnt.

Obwohl sechs Prozent des Etats dieses Instituts – etwa 1,1 Millionen Mark – ohne Auflagen durch die BASF bestritten werden, ist eine weitergehende Förderung durch die Industrie nicht geplant, denn „Drittmittel, die in größerem Umfang durch die Industrie bereitgestellt werden, machen unfrei, wenn man warnend seine Stimme erheben will“, so Bujard.

(Eine Reportage aus dem Institut, an dem ich einige zuvor meine Diplomarbeit gemacht hatte. Erschienen in „DIE WELT“, 10. Januar 1991)