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Deutsche verweigern Organspende

Obwohl die Zahl der Organtransplantationen in Deutschland im vergangenen Jahr geringfügig zugenommen hat, sind die Wartelisten auch 1993 wieder länger geworden. Noch immer sterben zahlreiche Patienten, weil nicht genug Organe gespendet werden. Wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation kürzlich bekanntgab, wurden 2164 Nieren, 505 Herzen, 590 Lebern, 45 Bauchspeicheldrüsen und 71 Lungen verpflanzt. Dies ergibt zusammen 3375 Organübertragungen. Erforderlich seien dagegen jährlich allein mindestens 3500 Nieren- und je 1000 Herz- und Lebertransplantationen.

Verschärft wird die Situation in jüngster Zeit nach Ansicht der Stiftung dadurch, daß immer mehr Angehörige ihre Zustimmung zur Organentnahme verweigern. Ihr Anteil ist von 19 Prozent im Jahr 1991 auf 25 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Diese Entwicklung wird „insbesondere auf zum Teil reißerische Medienberichte“, beispielsweise über den Organhandel in Südamerika oder Indien, zurückgeführt. Die Zunahme der Transplantationen trotz rückläufiger Spendenbereitschaft war nur möglich, weil zahlreiche Organe aus Österreich, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg hierzulande verpflanzt wurden.

(erschienen in der Süddeutschen Zeitung am 10.3.1994)

Organhandel nicht akzeptabel

Der kommerzielle Handel mit Nieren von lebenden Spendern ist nicht nur aus ethischen und moralischen, sondern auch aus praktischen Gründen nicht akzeptabel. Zu diesem Schluss kommt eine Forschergruppe aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Oman.

Die Mediziner werteten die Daten von 130 arabischen Patienten aus, die Nieren lebender Spender im indischen Bombay über Makler für einen Stückpreis von etwa 5000 Mark erworben hatten. Die Organempfänger ließen sich die gekauften Nieren dann – häufig gegen den Rat ihrer Ärzte und ohne Unterstützung durch eine heimische Dialysestation – vor Ort einpflanzen.

Von den 122 Patienten, welche die Operation überlebten, starben 24 innerhalb eines Jahres. Die Haupttodesursache waren Infektionen, die sich die Organempfänger in Indien zugezogen hatten. Die Patienten waren ohne ausreichende medizinische Unterlagen zurück in ihre Heimat geschickt worden, zum Teil setzten Abstoßungsreaktionen schon auf der Rückreise ein.

Unter normalen Umständen wären bei Nierentransplantationen innerhalb eines Jahres keine Todesfälle zu erwarten gewesen. Gegenwärtig bereitet die Bundesregierung ein Gesetz gegen Organhandel vor.

(erschienen in der WELT vom 6. Oktober 1990. Letzte Aktualisierung am 13. April 2017.)

Quelle: Salahudeen AK, Woods HF, Pingle A, Nur-El-Huda Suleyman M, Shakuntala K, Nandakumar M, Yahya TM, Daar AS. High mortality among recipients of bought living-unrelated donor kidneys. Lancet. 1990 Sep 22;336(8717):725-8.