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Genkanone stoppt Grippeviren

Ein überraschend einfacher Impfstoff aus gereinigtem Erbmaterial kann Versuchstiere vor tödlichen Grippeerregern schützen, wie amerikanische Wissenschaftler an der Medical School der Universität Massachusetts gezeigt haben. Nachdem Harriet L. Robinson den Mäusen und Hühnern zwei Mal im Abstand von vier Wochen nackte Gene in die Muskeln oder den Blutkreislauf injiziert hatte, begannen die Tiere mit der Produktion schützender Eiweiße. Auch nach dem Einträufeln der fremden Gene in Nase oder Luftröhre konnten die meisten Nager die Viren abwehren. Als beste Methode erwies sich jedoch der Beschuß mit einer „Genkanone“ bei dem das an winzige Goldkügelchen gebundene Erbmaterial unter die Haut gefeuert wurde.

Mit diesem Verfahren benötigten die Forscher nicht einmal ein Millionstel Gramm der Erbsubstanz DNA, verteilt auf zwei Impfungen. Anschließend überlebten bis zu 95 Prozent der Mäuse eine Infektion mit dem Grippevirus (Influenza). Dagegen starben jeweils sieben von acht unbehandelten Kontrolltieren. Verwandte des Influenzavirus rufen auch beim Menschen immer wieder gewaltige Epidemien hervor, die vor allem für Kinder und Alte tödlich enden können.

Gebräuchliche Impfstoffe enthalten entweder abgetötete Erreger, deren harmlose Verwandte, oder Viruseiweiße, die zum Teil mit Hilfe gentechnischer Methoden hergestellt werden. Durch sie werden Abwehrzellen aktiviert, die im Ernstfall auch vollständige Krankheitserreger angreifen und unschädlich machen können.

Die Versuchstiere in der Arbeitsgruppe von Professor Robinson stellten ihren Impfstoff dagegen selbst her. Sie nutzten dabei die in den fremden DNA-Molekülen verschlüsselte Bauanleitung zur Herstellung von Hämagglutinin. Dieses Eiweiß ist für die Vermehrung von Grippeviren unverzichtbar, weil es ihnen das Eindringen in die Körperzellen ihrer Opfer ermöglicht. Das „hausgemachte“ Hämagglutinin aktivierte jedoch die Abwehrzellen ebenso gut wie das Original und verhinderte so die Ausbreitung der Angreifer. Gelänge es, die Impfung mit nackter, gereinigter Erbsubstanz auf den Menschen zu übertragen, liesen sich womöglich viele Komplikationen durch Zusatzstoffe und abgeschwächte Erreger vermeiden.

(erschienen in den Kieler Nachrichten am 15.1., dem General-Anzeiger (Bonn) am 19.2., und der Berliner Morgenpost am 20.2.1994)

Quelle: Fynan, E F et al. “DNA vaccines: protective immunizations by parenteral, mucosal, and gene-gun inoculations.” Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America vol. 90,24 (1993): 11478-82. doi:10.1073/pnas.90.24.11478.

Mikrochip soll Blinden helfen

Die Entwicklung eines Mikrochips, der im Auge von Blinden die Funktion bestimmter Sehzellen ersetzen könnte, steht nach fünfjähriger Arbeit kurz vor dem Abschluß. John Wyatt vom Massachusetts Institute of Technology und sein Kollege Joseph Rizzo wollen mit dem elektronischen Bauteil die Funktion von Stäbchen und Zäpfchen übernehmen, zweier Zelltypen in der Netzhaut, die bei bestimmten Augenleiden zerstört werden. Die Forscher gründen ihre Hoffnung darauf, daß bei diesen Krankheiten – Retinitis pigmentosa und Makuladegeneration – lediglich solche Zellen ausfallen, die das einfallende Licht erkennen und in elektrische Impulse umsetzen. Die Weiterleitung der Nervenreize zum Sehzentrum des Gehirns wird dagegen von anderen, unbeschädigten, Nervenzellen übernommen.

Diese Nerven sollen nun von dem Mikrochip stimuliert werden. Dazu wird durch die Augenlinse einfallendes Licht zunächst auf eine Vielzahl von Photorezeptoren fokussiert. Die Photorezeptoren produzieren dann Strom, der an ein Elektrodengitter weitergeleitet wird. Die Elektroden wiederum sollen die intakten Nervenzellen reizen und damit beim Patienten ein Bild hervorrufen. Ein Prototyp des Chips wird in etwa sechs Monaten für erste Tierversuche zur Verfügung stehen.

(Meldung für Deutschlandfunk, Forschung aktuell. Sendetermin unbekannt. Ebenfalls erschienen in der Saarbrücker Zeitung am 6.1., im Bonner General-Anzeiger am 15.1., in der Berliner Morgenpost am 23.1., der Volksstimme Magdeburg am 29.1., der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung am 12.2., der Rheinpfalz am 15.2., und der Freien Presse Chemnitz am 12.3.1994.)

Quelle: Pressestelle des MIT