Die Entwicklung eines Mikrochips, der im Auge von Blinden die Funktion bestimmter Sehzellen ersetzen könnte, steht nach fünfjähriger Arbeit kurz vor dem Abschluß. John Wyatt vom Massachusetts Institute of Technology und sein Kollege Joseph Rizzo wollen mit dem elektronischen Bauteil die Funktion von Stäbchen und Zäpfchen übernehmen, zweier Zelltypen in der Netzhaut, die bei bestimmten Augenleiden zerstört werden. Die Forscher gründen ihre Hoffnung darauf, daß bei diesen Krankheiten – Retinitis pigmentosa und Makuladegeneration – lediglich solche Zellen ausfallen, die das einfallende Licht erkennen und in elektrische Impulse umsetzen. Die Weiterleitung der Nervenreize zum Sehzentrum des Gehirns wird dagegen von anderen, unbeschädigten, Nervenzellen übernommen.

Diese Nerven sollen nun von dem Mikrochip stimuliert werden. Dazu wird durch die Augenlinse einfallendes Licht zunächst auf eine Vielzahl von Photorezeptoren fokussiert. Die Photorezeptoren produzieren dann Strom, der an ein Elektrodengitter weitergeleitet wird. Die Elektroden wiederum sollen die intakten Nervenzellen reizen und damit beim Patienten ein Bild hervorrufen. Ein Prototyp des Chips wird in etwa sechs Monaten für erste Tierversuche zur Verfügung stehen.

(Meldung für Deutschlandfunk, Forschung aktuell. Sendetermin unbekannt. Ebenfalls erschienen in der Saarbrücker Zeitung am 6.1., im Bonner General-Anzeiger am 15.1., in der Berliner Morgenpost am 23.1., der Volksstimme Magdeburg am 29.1., der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung am 12.2., der Rheinpfalz am 15.2., und der Freien Presse Chemnitz am 12.3.1994.)

Quelle: Pressestelle des MIT