Chemikern der amerikanischen Ohio State-University ist es gelungen, mittels Ramanspek­troskopie winzige Mengen an Silikon nachzuweisen, die bei Frauen mit Brustimplantaten in gesundes Gewebe ausgelaufen waren. Die Methode, bei der Vibrationen in den atomaren Bin­dungen erfaßt werden, könnte sich eignen, um eine Zerstörung solcher Im­plantate frühzeitig festzustellen, meint Richard McCreery, der das Verfahren ursprünglich für Untersuchungen der Elektrochemie von Oberflächen nutzte.

Wie McCreery und sein Doktorand Christopher Frank in der Fachzeitschrift Applied Spectroscopy (Band 47, S. 387 [1993]) berichten, fanden sie Silikon in den Lymphknoten von Patientinnen, die sich einer Operation zur Rekonstruktion der Brust unterziehen mußten, nachdem die Einlagen undicht geworden waren.

Bei der „normalen“ Vibrationsspek­troskopie nutzt man Infrarotlicht um die Bindungen zwischen Atomen anzure­gen. Aus dem Spektrum können dann sehr genaue Rückschlüße auf die chemi­sche Struktur der untersuchten Verbin­dung gezogen werden. Allerdings funk­tioniert diese Art der Vibrationsspek­troskopie nur bei trockenen Objekten.

Für ihre Untersuchungen an „nassen“ biologischen Materialien nutzten McCleery und Frank deshalb die Ramanspektroskopie, die mit Wellen­längen im sichtbaren oder nahe dem Infrarotbereich arbeitet. Bei 800 Nanome­tern lieferten die in Formalin oder Pa­raffin fixierten Gewebeproben ein ein­deutiges Signal, wobei die Messung je­weils etwa eine Minute in Anspruch nahm. Eine Studie des Brustgewebes, das bei Biopsien von 40 Patientinnen gewonnen wurde, ist in der Zeitschrift Analytical Chemistry erscheinen.

Ein Anfang letzten Jahres von der US-Gesundheitsbehörde FDA ausge­sprochenes Verbot von Silikonimplanta­ten war kurz darauf modifiziert worden, so daß deren Einsatz für Rekonstruktio­nen der Brust inzwischen wieder erlaubt ist. Ein Bericht des wissenschaftlichen Beirats der American Medical Association kam zu dem Schluß, überzeugende Beweise für eine Gesundheitsgefährdung lägen nicht vor.

McCreery und Frank planen den­noch, ihr Verfahren innerhalb „einiger Jahre“ so zu adaptieren, daß es auch im Operationsraum eingesetzt werden kann. Sie wollen jetzt außerdem herausfinden, ob sich mit der Raman­spektroskopie Veränderungen des Ge­webes auch bei Krebs und anderen Lei­den nachweisen lassen.

(erschienen in der Ärzte-Zeitung, verm. im Januar 1994)