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	<title>SIV &#8211; Michael Simm</title>
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		<title>HIV/AIDS &#8211; Ein Impfstoff braucht noch Zeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Nov 1990 12:17:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[AIDS]]></category>
		<category><![CDATA[CD4]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit allen Tricks kämpfen die Forscher heute gegen das Aids-Virus (HIV). Ohne Übertreibung lässt sich wohl behaupten, dass noch niemals innerhalb so kurzer Zeit so viel über einen Krankheitserreger gelernt worden ist. Warum, so fragt sich die sensibilisierte Öffentlichkeit, gibt es dann aber „noch immer“ keinen Impfstoff gegen Aids? Eine ganze Reihe von Viren lassen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit allen Tricks kämpfen die Forscher heute gegen das Aids-Virus (HIV). Ohne Übertreibung lässt sich wohl behaupten, dass noch niemals innerhalb so kurzer Zeit so viel über einen Krankheitserreger gelernt worden ist. Warum, so fragt sich die sensibilisierte Öffentlichkeit, gibt es dann aber „noch immer“ keinen Impfstoff gegen Aids?</p>
<div id="attachment_2686" style="width: 495px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=824180"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2686" class="wp-image-2686" src="http://www.simmformation.de/wp-content/uploads/1990/11/HIV-1_Transmission_electron_micrograph_AIDS02bbb_lores.jpg" alt="" width="485" height="398" /></a><p id="caption-attachment-2686" class="wp-caption-text">Das AIDS-Virus unter dem Elektronenmikroskop (Von CDC/Dr. Edwin P. Ewing, Jr via Wikipedia)</p></div>
<p>Eine<br />
ganze Reihe von Viren lassen sich in<br />
abgetöteter oder abgeschwächter Form<br />
direkt als Impfstoff verwenden. Sie<br />
verpassen der Immunabwehr einen<br />
regelrechten &#8222;Denkzettel&#8220;, indem sie<br />
den weißen Blutzellen ihre<br />
Bestandteile präsentieren. Da diese<br />
Bestandteile (es handelt sich um<br />
kurze Abschnitte der Eiweiße, aus<br />
denen die Impfviren zusammengesetzt<br />
sind) im Körper normalerweise nicht<br />
vorhanden sind, werden sie als<br />
&#8222;fremd&#8220; erkannt und von Freß- und<br />
Killerzellen attackiert.</p>
<p>Das Immunsystem &#8222;merkt&#8220; sich diese<br />
Begegnungen und hält sich ein Arsenal<br />
spezialisierter Zellen auf Vorrat,<br />
die bei einer nochmaligen Begegnung<br />
mit den Fremdeiweißen sofort<br />
losschlagen: Alles Fremde wird von<br />
Macrophagen aufgefressen,<br />
Killerzellen können die Feinde ebenso<br />
durchlöchern wie befallene<br />
Abwehrzellen, Antikörper hängen sich<br />
an die Eindringlinge und machen sie<br />
bewegungsunfähig; Bakterien können<br />
mit Hilfe körpereigener Eiweiße (dem<br />
Komplementsystem) gar vollständig<br />
aufgelöst werden. Mit dieser Methode<br />
war man gegen Masern und die<br />
Kinderlähmung erfolgreich, die Pocken<br />
wurden damit als bisher einzige<br />
Krankheit offiziell ausgerottet.</p>
<p>Das Aids-Virus versteckt sich leider genau in den Zellen, welche eine der Säulen der körpereigenen Abwehr sind: Bereits kurz nach dem Eindringen ist das Überleben des Virus direkt mit dem seines Wirtes gekoppelt. Es kommt also darauf an, möglichst schon diesen Vorgang zu verhindern. Dabei helfen die sehr genauen Vorstellungen, die man in den letzten Jahren über die Moleküle gewonnen hat, welche bei diesem Prozess eine Schlüsselrolle spielen.</p>
<p>Um die Kopplung von Virus und Immunzelle zu verhindern, welche mit dem Eindringen von HIV endet, werden heute massenhaft sogenannte CD4-Moleküle aus gentechnischer Produktion in das Blut bereits befallener Patienten gespritzt, welche die Ankerstelle des Virus blockieren und den fatalen Erstkontakt mit der Wirtszelle verhindern.</p>
<p>In einem besonders raffinierten Verfahren wurden auch „molekulare Zwitter“ hergestellt, deren eine Hälfte von CD4 gebildet wird und deren andere Hälfte dem Bruchstück eines Antikörpers entspricht. Bei diesen „Immunadhäsinen“, die sich ebenfalls bereits in der Erprobung befinden, bindet der CD4-Teil an das Virus, und der freibleibende Antikörperteil lockt eine ganze Reihe von Eiweißen an, die das Virus unter günstigen Umständen zerstören können. Beide Methoden hätten den Vorteil, dass sie von dem hochvariablen Aids-Virus nicht umgangen werden könnten. Jede Veränderung nämlich, die eine Bindung von CD4 verhindert, würde gleichzeitig dem Virus den Eintritt in die Wirtszelle verwehren.</p>
<p>Dennoch liegt das Fernziel der Forscher natürlich darin, einen wirklichen Impfstoff zu produzieren und nicht nur das Fortschreiten der tödlichen Krankheit zu verlangsamen. Eine ganze Reihe von Viren lassen sich zwar in abgetöteter Form als Impfstoff verwenden. Bei HIV allerdings hätten einzelne Viren, welche die Neutralisation unbeschadet überstehen, fatale Folgen. Es ist also höchste Vorsicht geboten.</p>
<p>Prinzipiell scheint die Methode aber auch bei HIV aussichtsreich zu sein. So gelang es, Makaken vor dem Affenvirus SIV zu schützen, einem nahen Verwandten des menschlichen Aids-Virus. Eine amerikanische Forschergruppe benutzte in diesem Versuch Formalin, um gereinigte Viren zu inaktivieren. Kurz nach der Impfung wurden zehn Tiere mit einer hohen Dosis intakter Viren beimpft, von denen neun die normalerweise tödliche Infektion überlebten.</p>
<p>In Rotchina war man bei einem weiteren nahen Verwandten von HIV erfolgreich. Es handelt sich um ein EAV genanntes Pferdevirus, das ebenso wie das menschliche Aids-Virus der Familie der Lentiviren angehört. Die infektiöse Pferdeanämie, die vor 25 Jahren noch ein großes Problem darstellte, ist heute in China kein Thema mehr. Bemerkenswerterweise wurde die Vakzine durch Dr. R. X. Chen schon in den siebziger Jahren entwickelt, fast 15 Jahre vor der Entdeckung von HIV.</p>
<p>Schließlich gelang es bereits mehreren Arbeitsgruppen, jeweils einige wenige Schimpansen erfolgreich zu impfen &#8211; teilweise mit kompletten abgetöteten Viren, teils auch mit Bruchstücken von HIV aus gentechnischer Produktion oder mit einer Kombination beider Impfungen. Versuche mit dem nächsten Verwandten des Menschen sind besonders aussagekräftig, auch wenn die Experten durch die Bank vor übertriebenen Erwartungen warnen. So ist es sehr problematisch aus der geringen Zahl der Versuchstiere (Schimpansen sind eine geschützte Art, ausgesprochen teuer im Unterhalt und nur langsam nachzuzüchten) zuverlässige Aussagen abzuleiten, wie sie für klinische Versuche am Menschen Voraussetzung sind.</p>
<p>Die Dauer des vermittelten Impfschutzes lässt sich zur Zeit ebenso wenig ermessen wie die Anzahl (und Kosten) der nötigen Impfungen. Selbst wenn diese Fragen geklärt sind müssen erst noch eine ganze Reihe ethischer Probleme gelöst werden, die von der Produkthaftung über die Auswahl der ersten Probanden bis zur Unterscheidung zwischen HIV-Infizierten und dem geimpften Personenkreis reichen. Eine weltweite Impfkampagne ähnlich der, die zur Ausrottung der Pocken führte, bleibt jedenfalls vorerst nur ein Traum.</p>
<p><em>(gekürzte Fassung erscheinen in der WELT am 30. November 1990. Letzte Aktualisierung am 12. Mai 2017)</em><img decoding="async" src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9d58a925f0d944c9a026d859323248b2" alt="" width="1" height="1" /></p>
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