Wissenschaftler des amerikani­schen Verteidigungsministeriums entwic­keln derzeit einen Roboter, der bei mi­krochirurgischen Eingriffen die Präzi­sion und Zuverlässigkeit des Operateurs erhöhen soll. Das System beruht auf der computergesteuerten Umsetzung von Handbewegungen mit Hilfe eines Pro­grammes, das bereits bei der fernge­steuerten Reinigung von Atommüllde­ponien erprobt wurde. Um damit einen Mikropositionierer steuern zu können, haben die Sandia National Laboratories in Albuquerque (New Mexiko) ein Entwicklungsabkommen mit der Firma MicroDexteritySystems (MDS, Memphis) geschlossen.

Mögliche Anwendungen sieht MDS-Mitbegründer Steve Charles bei Eingrif­fen an Auge, Gehirn, Hand und Innen­ohr, wo präzise Bewegungen auf klein­stem Raum gefordert sind. „Das ganze Konzept beruht auf der maßstabsgetreu­en Reduktion der Bewegung, die nach individuellen Wünschen eingestellt wer­den kann“, erklärte der Vitreore­tinalchirug und Maschinenbauer. Bei dem Gerät, das wie ein Videospiel über einen Steuerknüppel zu bedienen wäre, könnten außerdem unwillkürliche Be­wegungen von Patienten ausgeglichen und das gelegentliche Zittern des Opera­teurs herausgefiltert werden. Schließlich ist auch geplant, ein Zusatzmodul zu entwerfen, um die Gewandtheit von Stu­denten zu überwachen und zu quantifi­zieren. Potentielle Mikrochirurgen ließen sich so frühzeitig erkennen.

(erschienen in der Ärzte-Zeitung am 10. Januar 1994)

Was wurde daraus? Steve Charles war äußerst erfolgreich. Auf der Webseite seines eigenen Instituts wird er als „weltberühmt“ gefeiert und hat demnach inzwischen 38000 Augenoperationen durchgeführt.  Die Firma MicroDexteritySystems wurde im Jahr 2009 von Stryker übernommen, einem der größten Unternehmen der Branche.