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	<title>Hämophilie &#8211; Michael Simm</title>
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	<title>Hämophilie &#8211; Michael Simm</title>
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		<title>Viele Forscher arbeiten an der Gentherapie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 May 1994 11:05:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Mindestens sechs deutsche Arbeitsgruppen bereiten sich zur Zeit darauf vor, den Nutzen der Gentherapie bei verschiedenen Krankheiten des Menschen zu erproben. Beim Bonner Bundesforschungsministerium (BMFT), welches kürzlich 40 Millionen Mark zur Entwicklung der Methode bereitgestellt hatte, sind innerhalb weniger Monate 183 Anträge zu rund 300 Teilprojekten eingegangen, teilte Dr. Robert Hauer, zuständiger Referent im BMFT, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mindestens sechs deutsche Arbeitsgruppen bereiten sich zur Zeit darauf vor, den Nutzen der Gentherapie bei verschiedenen Krankheiten des Menschen zu erproben. Beim Bonner Bundesforschungsministerium (BMFT), welches kürzlich 40 Millionen Mark zur Entwicklung der Methode bereitgestellt hatte, sind innerhalb weniger Monate 183 Anträge zu rund 300 Teilprojekten eingegangen, teilte Dr. Robert Hauer, zuständiger Referent im BMFT, auf Anfrage mit. &#8222;Wir gehen davon aus, daß jeder, der damit zu tun hat, auch einen Antrag gestellt hat.&#8220; Allerdings sei man bei der überwiegenden Mehrzahl der Projekte noch weit von einer Anwendung am Menschen entfernt.</p>
<p>Dagegen laufen anderswo die Vorarbeiten schon seit Jahren. So wollen Wissenschaftler am <a href="https://www.mdc-berlin.de/de">Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)</a> in Berlin-Buch im September gleich drei Anträge zur Durchführung klinischer Studien einreichen: <a href="https://www.mdc-berlin.de/de/news/archive/1999/19990506-das_mdc_trauert_um_prof__michael_strauss">Dr. Michael Strauss</a> plant in Zusammenarbeit mit Münchner und Hamburger Kliniken die Behandlung von Menschen mit erblich bedingten, extrem erhöhten, Blutfettwerten (<a href="https://swissheart.ch/erkrankungen-und-notfall/herzkrankheiten-und-hirnschlag/familiaere-hypercholesterinaemie">familiäre Hypercholesterinämie</a>).</p>
<p>Wegen eines Gendefekts sind die Zellen dieser Patienten nicht in der Lage, die &#8222;böse&#8220; Form des <a href="https://www.netdoktor.de/laborwerte/cholesterinwerte/ldl-cholesterin/">Cholesterins &#8211; LDL</a> &#8211; aus dem Blut zu fischen. Die resultierende Gefäßverstopfung führt dann oft schon im jugendlichen Alter zum Tod durch Herzinfarkt. Strauss hat deshalb &#8222;entkernte&#8220; Hüllen von Hepatitis B Viren entwickelt, welche die Bauanleitung für das Cholesterin-fischende Eiweiß zumindest im Tierversuch in Leberzellen einschleusen können. Nach zahlreichen weiteren Tests sollen die Gen-Taxis dann im Sommer nächsten Jahres an einer kleinen Zahl von Patienten erprobt werden.</p>
<p>Zusammen mit Professor <a href="https://www.bbaw.de/die-akademie/bbaw-mitglieder/mitglied-bernd-doerken">Bernd Dörken</a>, der an der benachbarten Robert-Rössle-Klinik der Freien Universität Berlin arbeitet, will Strauss außerdem versuchen, Lebermetastasen und Hirntumoren durch das Einschmuggeln sogenannter Selbstmordgene zu attackieren. Die Methode, mit der amerikanische Wissenschaftler bereits erste Achtungserfolge erringen konnten, wirkt wie eine örtlich eng begrenzte Chemotherapie: Erst wird das Selbstmordgen mit Hilfe von Viren oder durch eine Injektion in den Tumor geschleust, dann wird den Patienten 14 Tage lang ein Medikament (Ganciclovir) verabreicht, das nur in Anwesenheit des Selbstmordgens zu einem giftigen Stoffwechselprodukt umgesetzt wird.</p>
<p>Ebenfalls am MDC plant <a href="https://www.mdc-berlin.de/de/person/prof-dr-thomas-blankenstein">Dr. Thomas Blankenstein</a> eine &#8222;Impfung&#8220; mit gentechnisch veränderten Brustkrebszellen. Dies soll die &#8222;normale&#8220; Behandlung von an Brustkrebs erkrankten Frauen ergänzen und Rückfälle verhindern. Wiederum sind es Tierversuche an Mäusen und Ratten, aber auch erste Erfahrungsberichte der amerikanischen Kollegen, die Hoffnung machen. Nach Operation, Strahlen- und Chemotherapie noch verbleibende Tumorzellen, die für das Immunsystem unsichtbar sind, könnten womöglich mit derartigen &#8222;Krebsimpfungen&#8220; enttarnt und vernichtet werden.</p>
<p>An der Universität Bonn will <a href="https://lffa.de/ueber-uns">Professor Klaus Olek</a> die Behandlung von Blutern verbessern. Ihnen soll es durch Gentransfer ermöglicht werden, fehlende Blutgerinnungsfaktoren selbst herzustellen und somit unabhängig von Plasmapräparaten zu werden. Dies würde die mit jeglichem Austausch von Körperflüssigkeiten verbundene Infektionsgefahr durch bekannte und unbekannte Krankheitserreger beseitigen. Auch die Firma Bayer ist auf diesem Gebiet aktiv, wenn auch nicht in Deutschland. Bereits 1992 wurde ein Abkommen mit der amerikanischen Firma Viagene geschlossen, mit dem Ziel, die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4mophilie">Hämophilie-A</a> durch die Übertragung von Erbinformattioen zu behandeln.</p>
<p>In Hamburg arbeitet Dr. Marcus Stockschlaeder am Universitätskrankenhaus Eppendorf an einem Verfahren, um die gesunden Blutzellen von Krebspatienten vor denjenigen Giften zu schützen, die im Rahmen einer Chemotherapie zum Einsatz kommen und an der Hautklinik der Universität Würzburg schließlich will Direktorin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eva-Bettina_Br%C3%B6cker">Professor Eva-Bettina Bröcker</a> einer Meldung des Wissenschaftsmagazins &#8222;Nature&#8220; zufolge den Schwarzen Hautkrebs (Melanom) attackieren.</p>
<p>Bei allem Optimismus warnen die beteiligten Wissenschaftler aber auch vor übertriebenen Hoffnungen. &#8222;Wirklich geheilt worden ist durch die Gentherapie bisher noch niemand&#8220;, betonte der Amerikaner <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/William_French_Anderson">French Anderson</a> mit Blick auf die fast 80 Studien, die bisher weltweit begonnen wurden. Der Mann muß es wissen; schließlich war er derjenige, der den weltweit ersten Versuch geleitet hatte. Die beiden Mädchen mit der lebensbedrohlichen Immunschwäche <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Heredit%C3%A4rer_Adenosindesaminase-Mangel">ADA-Defizienz</a>, die dabei im Herbst 1990 als erste Menschen fremde Gene erhielten, müssen zwar in mehrmonatigen Abständen in die Klinik, um ihre Behandlung auffrischen zu lassen. Die Krankheit selbst ist aber dennoch besiegt: Wie Anderson bekanntgab, sind Ashanti DeSilva und Cynthia Cutshall seit über zwei Jahren frei von Beschwerden.</p>
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		<title>Wege zu sauberem Blut</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Nov 1993 19:20:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Aids-Skandal]]></category>
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					<description><![CDATA[Horst Seehofer hat keine Angst vor Bluttransfusionen. &#8222;Niemand kann absolute Sicherheit versprechen&#8220;, räumte der Bundesgesundheitsminister zwar gegenüber dem Nachrichtensender n-tv ein. Dennoch würde er sich bei Bedarf eine Transfusion verabreichen lassen. Kaum ein Drittel der Bundesbürger teilt indessen die Zuversicht des umstrittenen Politikers, wie eine Umfrage des Wickert-Instituts ergab. Selbst die Zahl der Blutspenden ist [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Seehofer" data-type="URL" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Seehofer">Horst Seehofer</a> hat keine Angst vor Bluttransfusionen. &#8222;Niemand kann absolute Sicherheit versprechen&#8220;, räumte der Bundesgesundheitsminister zwar gegenüber dem Nachrichtensender n-tv ein. Dennoch würde er sich bei Bedarf eine Transfusion verabreichen lassen. Kaum ein Drittel der Bundesbürger teilt indessen die Zuversicht des umstrittenen Politikers, wie eine Umfrage des Wickert-Instituts ergab.</p>



<p>Selbst die Zahl der Blutspenden ist im Gefolge des „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Infektionen_durch_HIV-kontaminierte_Blutprodukte" data-type="URL" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/Infektionen_durch_HIV-kontaminierte_Blutprodukte">Aids-Skandals</a>“ zurückgegangen. Obwohl dabei wegen der einmaligen Verwendung sterilisierter Nadeln jegliches Infektionsrisiko ausgeschlossen ist, bleiben laut einem Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bis zu 20 Prozent der Spender lieber zu Hause. Viele Bundesbürger, so scheint es, betrachten inzwischen jeglichen Umgang mit dem lebensspendenden Saft als tödliche Gefahr.</p>



<p>Dagegen betonen Experten auch nach der <a href="https://www.aerzteblatt.de/archiv/82495/UB-Plasma-Haft-fuer-drei-Mitarbeiter" data-type="URL" data-id="https://www.aerzteblatt.de/archiv/82495/UB-Plasma-Haft-fuer-drei-Mitarbeiter">Verhaftung</a> führender Mitarbeiter der Koblenzer Firma UB-Plasma das äußerst geringe Risiko deutscher Transfusionsempfänger für eine Infektion mit dem Immunschwächevirus HIV seit dem 1. Oktober 1985. Ab diesem Datum durften Blutpräparate nur noch dann in Verkehr gebracht werden, wenn das Ausgangsmaterial zuvor auf das Immunschwächevirus HIV getestet wurde. Entdeckt wurde HIV zwar schon im Mai 1983, die Rolle des Erregers bei der Entstehung von Aids war damals aber unter Fachleuten umstritten, einen Bluttest gab es nicht.</p>



<p>Die 2300 Menschen, die sich in Deutschland durch verseuchtes Blut und Blutprodukte infiziert haben, stellen unter den 60000 gemeldeten HIV-Infizierten eine kleine Minderheit dar. Angesteckt wurden &#8211; fast ausschließlich vor Einführung des Bluttests &#8211; 1843 Bluter, die wegen der benötigten hochkonzentrierten Gerinnungsfaktoren besonders gefährdet waren. Auf dem Transfusionsweg wurden 462 Menschen infiziert, davon laut Auskunft des BGA „maximal 20“ nach Einführung des Bluttests.</p>



<p>Nicht Schlamperei ist die Ursache für diese „Ausreißer“, sondern die verspätete Reaktion des menschlichen Immunsystems auf den Eindringling: Die gebräuchlichen Tests weisen nämlich das Virus nicht direkt nach, sondern nur die &#8211; verspätete &#8211; menschliche Abwehrreaktion darauf. Vier bis sechs Wochen, in sehr seltenen Fällen auch sechs Monate können vergehen, bis im Blut genügend Antikörper schwimmen, um das Virus nachzuweisen. Ein zusätzlicher neuer Bluttest (p24 Antigen-Test), der in manchen Bundesländern bereits eingeführt wurde, spürt ein Viruseiweiß direkt auf, und verringert dadurch theoretisch die Dauer des „diagnostischen Fensters“.</p>



<p><a href="https://www.linkedin.com/in/gregor-caspari-5049ba75/" data-type="URL" data-id="https://www.linkedin.com/in/gregor-caspari-5049ba75/">Gregor Caspari</a> vom Institut für Medizinische Virologie der Justus-Liebig-Universität Gießen hat allerdings errechnet, daß jede zusätzlich aufgespürte Infektion mindestens 50 Millionen Mark kosten würde, im ungünstigsten Fall bis 400 Millionen. Zum Vergleich: Das Bundesministerium für Gesundheit hat zur Aids-Bekämpfung in den letzten drei Jahren jeweils circa 50 Millionen Mark bereitgestellt. Außerdem befürchtet Caspari eine Anlockung von Risikogruppen durch den neuen Test. Der kann eine Infektion zwar früher anzeigen, aber auch er erfaßt längst nicht alle Infizierten.</p>



<p><a href="https://www.wz.de/nrw/moenchengladbach/moenchengladbach-neuer-chefarzt-fuer-allgemeinchirurgie_aid-52592527">Ulrich Kania</a>, leitender Oberarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik Bonn beziffert das Risiko einer Ansteckung durch Blut und Blutplasma aus Einzelspenden heute auf etwa eins zu dreihunderttausend bis eins zu einer Million, Caspari hält den letzteren Wert für realistischer. Diese Zahlen müssten allerdings in Bezug gesetzt werden zu den ungleich größeren Gefahren die vielen Patienten drohen, wenn die Behandlung schwerwiegender Erkrankungen verzögert wird oder ganz unterbleibt, sagte Kania. Auch der Marburger Bund, die Vertretung von rund 57000 Krankenhausärzten, betonte, es gebe keinen Anlaß zu Angst vor Blutübertragungen oder Operationen.</p>



<p>Die Zweckmäßigkeit verschiedener Maßnahmen, die mittlerweile zur Reduktion des verbleibenden Risikos gefordert, geplant oder im Eilverfahren bereits umgesetzt umgesetzt wurden, wird von Medizinern vielfach skeptisch beurteilt. Die Sicherheitsvorkehrungen hängen davon ab, welche Bestandteile des Blutes verarbeitet, und in welcher Menge diese dann an die unterschiedlichen Patientengruppen verabreicht werden.</p>



<p>Nach großem Blutverlust werden vor allem rote Blutkörperchen (Erythrozyten) gebraucht, die für den Sauerstofftransport ins Gewebe verantwortlich sind, außerdem Blutplättchen (Thrombozyten), die für die Gerinnung sorgen und beispielsweise nach einer Chemotherapie oft ergänzt werden müssen. Beide sind nur kurzfristig haltbar; die Erythrozyten drei bis sieben Wochen, die Thrombozyten nur einige Tage. Jede Form von Virusabtötung mit Hitze oder Chemikalien würde diese empfindlichen Blutbestandteile zerstören, das Restrisiko des „diagnostischen Fensters“ muß hier also in Kauf genommen werden.</p>



<p>Unter Plasma versteht man den „Blutsaft“ ohne die zellulären Bestandteile. Er enthält mehrere hundert verschiedene Eiweiße, darunter Antikörper und verschiedene Gerinnungsfaktoren. Das Plasma ist tiefgefroren bis zu einem Jahr haltbar. Vor der Verwendung als „Einzelspenderplasma“ fordert das BGA entweder eine Quarantäne oder ein Verfahren zur Virusinaktivierung. Bei der Quarantäne wird der ursprüngliche Spender nach Ablauf von mindestens vier Monaten ein zweites Mal getestet. Nur wenn er dabei wie schon bei der ersten Blutentnahme „HIV-negativ“ ist, wird das Plasma zur weiteren Verwendung freigegeben. Diese Methode wird von Zentren, die nur Blutplasma sammeln, favorisiert, weil diese einen hohen Anteil regelmäßig wiederkehrender Spender haben.</p>



<p>Die Blutspendedienste befürchten allerdings große Versorgungslücken bei Einführung dieser Maßnahme. Gerade Organisationen wie das Rote Kreuz, die einen auch im internationalen Vergleich sehr niedrigen Anteil HIV-infizierter Spender haben, sind auch abhängig von Menschen, die sporadisch und oft nur ein einziges Mal spenden. Sie tun dies meist aus Verantwortungsbewußtsein und erhalten dafür lediglich einen Imbiß, bei kommunalen Diensten dagegen eine „Aufwandsentschädigung“ von fünfzig Mark.</p>



<p>Die Spenden dieser Personen könnten nicht nachgetestet werden und würden nach einem Jahr ungenutzt verderben. Die entstehende Lücke müßte dann durch Importe &#8211; vorwiegend aus den USA &#8211; geschlossen werden. Dort findet aber ebenfalls keine Doppeltestung statt; der Anteil von HIV-Infizierten an der Gesamtbevölkerung ist außerdem deutlich höher als in Deutschland.</p>



<p>Als Alternative zur Quarantäne wird deshalb von einigen DRK-Diensten die Virusinaktivierung von gefrorenen Frischplasma bereits praktiziert, mit der die wichtigen transfusionsübertragenen Viren (neben HIV auch verschiedene Hepatitis-Viren) abgetötet werden.</p>



<p>Mindestens die Hälfte allen gespendeten Blutes wird in Deutschland zur Herstellung von sogenannten „Pool-Produkten“ verbraucht. Dies sind hochkonzentrierte Eiweiße wie der für die Blutgerinnung unverzichtbar Faktor VIII. Bis zu 60000 Plasma-Einzelspenden werden dabei zusammengeführt und gemeinsam verarbeitet. Vier verschiedene Inaktivierungsverfahren stehen zur Verfügung, von denen das teuerste &#8211; die „feuchte Hitze-Inaktivierung bei 60 Grad“ &#8211; sich als das Sicherste erwiesen hat.</p>



<p>Der für einen Großteil der Bluter lebenswichtige Faktor VIII kann seit kurzem auch gentechnisch, also ohne die Verwendung von Blut, hergestellt werden. Umstritten ist, ob dieses Produkt wirklich &#8211; wie die etablierten Hersteller von Faktor VIII behaupten &#8211; weniger verträglich für das Immunsystem der Patienten ist, oder ob es sich dabei nur um ein vorgeschobenes Argument handelt, mit dem bestehende Marktanteile verteidigt werden.</p>



<p>Prinzipiell ist das nach einer Inaktivierung verbleibende Restrisiko von Plasmapools natürlich davon abhängig, wieviele Krankheitserreger vor der Inaktivierung vorhanden waren. „Der entscheidende Faktor bei der Sicherheit von Blutprodukten ist deshalb die Auswahl der Spender,“ sagt Wolfram Gehrlich in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Kommission für Virussicherheit von Arzneimitteln der Deutschen Gesellschaft für Virologie. Hier liegt auch der Grund für die Ablehnung bezahlter Spenden durch viele Fachleute im Gesundheitswesen:&nbsp; Durch die Bezahlung, so wird argumentiert, schafft man eine Motivation, mögliche Gebrechen &#8211; und damit Infektionsrisiken &#8211; zu verschweigen.</p>



<p>Drogen- und Alkoholabhängige, Strafgefangene und die Partner HIV-infizierter Personen zählen zu den Risikogruppen, die in Deutschland permanent von der Blutspende ausgeschlossen werden müssen. Nach den Richtlinien von Bundesärztekammer und Bundesgesundheitsamt sind außerdem für mindestens sechs Monate gesperrt alle neu Operierten und Empfänger von Blut- und Blutprodukten. Auch das Durchstechen von Ohrläppchen oder Nasenflügel, Tätowierungen, Tropenreisen und zurückliegende Hepatitisinfektionen sind Ausschlußgründe.</p>



<p>Der „vertrauliche Selbstausschluß“ zielt auf Spender unter Gruppendruck wie beispielsweise die Mitglieder freiwilliger Feuerwehren in kleineren Ortschaften, die einmal im Jahr geschlossen zur Blutabnahme gehen. Angehörige von Risikogruppen können nach der Spende durch eine Art Kreuzchen in der Wahlkabine ihr Blut von der weiteren Verwendung ausschließen, ohne sich gegenüber den Kollegen offenbaren zu müssen.</p>



<p>Die in jeder Zehnten Klinik bereits angebotene Eigenblutspende wäre ebenfalls eine Möglichkeit zur Senkung des Infektionsrisikos. Allerdings wird vielfach übersehen, das die dafür nötige viermalige Blutentnahme den Spender unter Umständen stärker gefährden kann, als eine Übertragung von Fremdblut. Die Gefahr eines Herz-Kreislaufversagens während der Prozedur ist besonders bei vorbelasteten älteren Spendern mit ins Kalkül zu ziehen. Minister Seehofers Erkenntnis &#8222;Niemand kann absolute Sicherheit versprechen&#8220;, trifft bei näherer Betrachtung nicht nur auf den &#8222;Aids-Skandal&#8220; zu, sondern auf jede Art von ärztlicher Behandlung.</p>



<p><em>(Original-Manuskript zu einem Artikel, der am 11. November 1993 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist.)</em></p>
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