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	<title>Ethik &#8211; Michael Simm</title>
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		<title>USA: Pharmawerbung nimmt Patienten ins Visier</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 04 Mar 2019 15:21:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin & Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Lisa M. Schwartz]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Pharma]]></category>
		<category><![CDATA[Steven Woloshin]]></category>
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					<description><![CDATA[Umgerechnet 8,5 Milliarden Euro haben Pharmafirmen, Gerätehersteller und Verbände im Jahr 2016 in den USA ausgegeben, um direkt bei kranken Menschen und anderen &#8222;Verbrauchern&#8220; für ihre Produkte zu werben. Die Ausgaben für diese sogenannte &#8222;Direct-to-Consumer (DCT)&#8220;-Werbung haben sich damit in nur 20 Jahren mehr als vervierfacht. Insgesamt wurden rund 30 Milliarden Dollar ausgegeben &#8211; das [&#8230;]]]></description>
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<p>Umgerechnet 8,5 Milliarden Euro haben Pharmafirmen, Gerätehersteller und Verbände im Jahr 2016 in den USA ausgegeben, um direkt bei kranken Menschen und anderen &#8222;Verbrauchern&#8220; für ihre Produkte zu werben. Die Ausgaben für diese sogenannte &#8222;Direct-to-Consumer (DCT)&#8220;-Werbung haben sich damit in nur 20 Jahren mehr als vervierfacht. Insgesamt wurden rund 30 Milliarden Dollar ausgegeben &#8211; das entspricht 26 Milliarden Euro.</p>



<p>Dies ist das Ergebnis einer Analyse der Gesundheitsforscher <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Lisa_Schwartz_(physician)">Lisa M. Schwartz</a> und <a href="https://tdi.dartmouth.edu/about/our-people/directory/steven-woloshin-md-ms">Steven Woloshin</a>, die im Fachblatt JAMA des US-amerikanischen Ärzteverbandes veröffentlicht wurde. Während es in Deutschland und fast allen anderen Ländern verboten ist, rezeptpflichtige Medikamente direkt beim Verbraucher zu bewerben, ist dies in den USA erlaubt. Alleine für diesen Bereich wurden im Jahr 2016 insgesamt 4,6 Millionen Anzeigen geschaltet, davon 663.000 im Fernsehen. Der Trend, so berichten Schwartz und Woloshin, geht dabei immer mehr zu besonders teuren Behandlungen wie Immuntherapien gegen Krebs und biotechnologisch hergestellten Medikamenten.</p>



<p>Mit 20 Milliarden Dollar waren die Werbemaßnahmen für medizinische Fachkräfte zuletzt zwar etwa doppelt so hoch wie für die DTC-Werbung. Deren Anteil ist aber von ursprünglich 12 Prozent auf 32 Prozent gewachsen. Bei den Kampagnen geht es nicht nur darum, Ärzte und Patienten vom Nutzen bestimmter Pillen, Untersuchungen oder Labortests zu überzeugen. Teilweise zielen sie auch darauf ab, die Definition bestimmter Krankheiten zu verändern, sodass mehr Personen für eine Behandlung in Frage kommen.</p>



<p>Unter allen Ländern der Welt haben die USA im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt mit 16,8 Prozent die zweithöchsten Gesundheitskosten. In Deutschland sind es 11,2 Prozent.</p>



<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-2293" src="http://www.simmformation.de/wp-content/uploads/2011/09/164-glasses-2@2x.png" alt="" /></figure>
</div>



<ul class="wp-block-list">
<li>Schwartz LM, Woloshin S. Medical Marketing in the United States, 1997-2016. JAMA. 2019 Jan 1;321(1):80-96. doi: <a href="https://doi.org/10.1001/jama.2018.19320">10.1001/jama.2018.19320</a>.</li>
<li><a href="https://amzn.to/2Ukd8RA">The Economist: Pocket World in Figures (2019)</a></li>
</ul>

<p><img decoding="async" src="http://vg04.met.vgwort.de/na/1dd16ae237794f929c661465bcc66ad7" alt="" width="1" height="1" /></p><p><a class="a2a_button_print" href="https://www.addtoany.com/add_to/print?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fusa-pharmawerbung-nimmt-patienten-ins-visier%2F&amp;linkname=USA%3A%20Pharmawerbung%20nimmt%20Patienten%20ins%20Visier" title="Print" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_whatsapp" href="https://www.addtoany.com/add_to/whatsapp?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fusa-pharmawerbung-nimmt-patienten-ins-visier%2F&amp;linkname=USA%3A%20Pharmawerbung%20nimmt%20Patienten%20ins%20Visier" title="WhatsApp" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_email" href="https://www.addtoany.com/add_to/email?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fusa-pharmawerbung-nimmt-patienten-ins-visier%2F&amp;linkname=USA%3A%20Pharmawerbung%20nimmt%20Patienten%20ins%20Visier" title="Email" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_facebook" href="https://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fusa-pharmawerbung-nimmt-patienten-ins-visier%2F&amp;linkname=USA%3A%20Pharmawerbung%20nimmt%20Patienten%20ins%20Visier" title="Facebook" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_xing" href="https://www.addtoany.com/add_to/xing?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fusa-pharmawerbung-nimmt-patienten-ins-visier%2F&amp;linkname=USA%3A%20Pharmawerbung%20nimmt%20Patienten%20ins%20Visier" title="XING" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_linkedin" href="https://www.addtoany.com/add_to/linkedin?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fusa-pharmawerbung-nimmt-patienten-ins-visier%2F&amp;linkname=USA%3A%20Pharmawerbung%20nimmt%20Patienten%20ins%20Visier" title="LinkedIn" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_twitter" href="https://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fusa-pharmawerbung-nimmt-patienten-ins-visier%2F&amp;linkname=USA%3A%20Pharmawerbung%20nimmt%20Patienten%20ins%20Visier" title="Twitter" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_google_translate" href="https://www.addtoany.com/add_to/google_translate?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fusa-pharmawerbung-nimmt-patienten-ins-visier%2F&amp;linkname=USA%3A%20Pharmawerbung%20nimmt%20Patienten%20ins%20Visier" title="Google Translate" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a></p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Mustergeschöpfe &#8211; Ausstellung in Schorndorf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jul 2010 08:59:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin & Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Gentechnik]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Schwangerschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Statt Nachrichten aus der Medizin gibt es heute einmal Denkanstöße aus der Kunst und eine Diskussion zu vermelden: &#8222;Mustergeschöpfe &#8211; Zwischen hohen Erwartungen und großen Befürchtungen&#8220; heißt eine Ausstellung, die am Freitag, dem 9. Juli um 19:00 mit einer Vernissage im Röhm eröffnet &#8211; auch bekannt als Alte Lederfabrik Schorndorf. Dort stellt die Künstlerin Verena [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Statt Nachrichten aus der Medizin gibt es heute einmal Denkanstöße aus der Kunst und eine Diskussion zu vermelden: &#8222;Mustergeschöpfe &#8211; Zwischen hohen Erwartungen und großen Befürchtungen&#8220; heißt eine Ausstellung, die am Freitag, dem 9. Juli um 19:00 mit einer Vernissage im Röhm eröffnet &#8211; auch bekannt als <a href="http://www.lederfabrik-schorndorf.de/">Alte Lederfabrik Schorndorf</a>. Dort stellt die Künstlerin <a href="http://www.verena-braunstein.de/lebenslauf/">Verena Braunstein</a> interessante Fragen: Macht es uns glücklicher, wenn wir all das verwirklichen, was möglich ist? Wenn alle Menschen vollkommen sind, verlieren wir dann unsere Identität?<img decoding="async" src="http://vg03.met.vgwort.de/na/80e9748e7d4f4ad0b75ddc6bca91b1cd" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><div id="attachment_1718" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><a rel="attachment wp-att-1718" href="http://simmformation.de/2010/07/mustergeschoepfe-ausstellung-in-schorndorf/schorndorf/"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1718" class="size-large wp-image-1718" title="Schorndorf" src="http://simmformation.de/wp-content/uploads/2010/07/Schorndorf-600x288.jpg" alt="" width="600" height="288" /></a><p id="caption-attachment-1718" class="wp-caption-text">Kunst trifft Wissenschaft: Ab 9. Juli im Röhm, Schorndorf</p></div></p>
<p>&#8222;Da wachsen Zwitterwesen in einem Garten heran, kraftvolle Keimlinge strecken sich und Leckereien verführen uns zur Gestaltung unserer selbst &#8211; gleichzeitig gerät da auch etwas aus den Fugen, verläßt den kontrollierbaren Bereich, entwickelt ein Eigenleben&#8220;, heißt es im Prospekt. Es geht also um die Grenzbereiche des wissenschaftlichen Fortschritts, insbesondere um die Reproduktionsbiologie. Und weil die mich ebenso interessiert wie Frau Braunstein werde ich an diesem Tag gleich zwei mal mitdiskuttieren, sowohl in einer geschlossenen Schülerveranstaltung, als auch nach der Vernissage mit den Besuchern der Ausstellung. Und wer am Freitag nicht kommen kann, bekommt an folgenden Terminen eine zweite Chance, die Ausstellung zu sehen und sich näher mit der Thematik zu befassen:</p>
<ul>
<li>Am 11. Juli gibt es um 11:00 eine Sonntagsmatinée mit Frau Annegret Braun, Leiterin der Beratungsstelle Pränataluntersuchung und Aufklärung des Diakonischen Werks Württemberg. &#8222;Auf dem Weg zum perfekten Kind&#8220; lautet das Thema und es geht dabei um die Angst werdender Eltern, schon während der Schwangerschaft etwas zu versäumen. Das Thema geriet erst vor wenigen Tagen in die Schlagzeilen, <a href="http://www.faz.net/s/Rub7F74ED2FDF2B439794CC2D664921E7FF/Doc~E6AE3C7DCD8F84A9B9724BFBDF1F70EFC~ATpl~Ecommon~Scontent.html">nachdem der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil die Präimplantationsdiagnostik außerhalb des Mutterleibs quasi erlaubt hat</a> (genauer: Sie wird nicht bestraft).</li>
<li>Die Ausstellung ist geöffnet am Samstag, dem 10.7. von 15:00 bis 19:00 und am Sonntag, dem 11.7. von 11:00 bis 18:00 sowie am</li>
<li>Freitag, dem 16.7. von 16:00 bis 21:00, Samstag 17.7. von 15:00 bis 19:00 und Sonntag 18.7. von 11:00 bis 18:00.</li>
</ul>
<p>Für alle, denen der Weg nach Schorndorf zu weit ist, oder die sich nach der Ausstellung noch aus weiteren Quellen über die Möglichkeiten, Grenzen und auch den Missbrauch der Techniken zum &#8222;Baby-machen&#8220; informieren wollen, habe ich folgende Lese- und Videotipps:</p>
<ul>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCnstliche_Befruchtung">Die Wikipedia mit zahlreichen Fakten zur künstlichen Befruchtung</a></li>
<li>&#8222;Frozen Angels&#8220; (Engel auf Eis) von Frauke Sandig und Eric Black ist eine spannende, 90-minütige Dokumentation über die US-Befruchtungsindustrie und deren Auswüchse, die seit dem Erscheinen des Films im Jahr 2005 keineswegs geringer geworden sind. Der Film hat sogar eine eigene <a href="http://www.frozen-angels-der-film.de/">Webseite</a>, Sie können sich aber auch die <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000GPPQ4Y?ie=UTF8&amp;tag=simmformation-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B000GPPQ4Y">DVD bei Amazon bestellen</a>.</li>
<li>Deutlich kürzer, mit Schwerpunkt auf den Verhältnissen in Deutschland und deutlich positiver wurde das Thema dargestellt in einer Quarks &amp; Co Sendung im September 2008 mit dem Titel: <a href="http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2008/0916/000_wunschkind.jsp">Der steinige Weg zum Wunschkind</a>. Auf der WDR-Webseite kann man sowohl ein Manuskript als auch einen <a href="http://www.wdr.de/tv/home/sendemitschnitte/">Mitschnitt bestellen</a>. Ganz nebenbei wäre es wohl auch eine interessante Übung für das Fach Medienkunde, den Film &#8222;Frozen Angels&#8220; mit der WDR-Produktion zu vergleichen.</li>
<li>Der Science-Fiction Film GATTACA schließlich greift in äußerst beeindruckender Weise  das Thema der Optimierung des Menschen durch die Möglichkeiten der  Gentechnik auf. Als gelernter Genetiker halte ich GATTACA  für einen der besten &#8211; und  realistischsten &#8211; Science-Fiction-Filme überhaupt. Eine schöne <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gattaca">Besprechung findet sich auf Wikipedia</a>, und natürlich kann man auch diese <a href="http://www.amazon.de/gp/redirect.html?ie=UTF8&amp;location=http%3A%2F%2Fwww.amazon.de%2Fs%3Fie%3DUTF8%26ref_%3Dnb%5Fsb%5Fss%5Fi%5F0%5F7%26field-keywords%3Dgattaca%2520dvd%26url%3Dsearch-alias%253Ddvd%26sprefix%3DGATTACA&amp;site-redirect=de&amp;tag=simmformation-21&amp;linkCode=ur2&amp;camp=1638&amp;creative=19454">DVD bei Amazon bestellen</a>.</li>
<li>Zurück in der Wirklichkeit: <a onclick="javascript:_gaq.push(['_trackEvent','outbound-article','www.wunschkinder.net']);" href="http://www.wunschkinder.net/">Die  Kinderwunsch-Seite<img decoding="async" id="snap_com_shot_link_icon" src="http://i.ixnp.com/images/v6.35/t.gif" alt="" /></a> gibt Nachhilfe nicht  nur über die Grundlagen der Fruchtbarkeit und die natürliche  Familienplanung, sondern informiert auch über die zahlreichen Methoden,  mit denen Ärzte versuchen, unerfüllte Kinderwünsche zu verwirklichen.  Ergänzt wird die gut gemachte Seite durch ein sehr reges Forum,  Buchtipps und zahlreiche Service-Angebote.</li>
</ul>
<p><a class="a2a_button_print" href="https://www.addtoany.com/add_to/print?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmustergeschoepfe-ausstellung-in-schorndorf%2F&amp;linkname=Mustergesch%C3%B6pfe%20%E2%80%93%20Ausstellung%20in%20Schorndorf" title="Print" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_whatsapp" href="https://www.addtoany.com/add_to/whatsapp?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmustergeschoepfe-ausstellung-in-schorndorf%2F&amp;linkname=Mustergesch%C3%B6pfe%20%E2%80%93%20Ausstellung%20in%20Schorndorf" title="WhatsApp" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_email" href="https://www.addtoany.com/add_to/email?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmustergeschoepfe-ausstellung-in-schorndorf%2F&amp;linkname=Mustergesch%C3%B6pfe%20%E2%80%93%20Ausstellung%20in%20Schorndorf" title="Email" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_facebook" href="https://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmustergeschoepfe-ausstellung-in-schorndorf%2F&amp;linkname=Mustergesch%C3%B6pfe%20%E2%80%93%20Ausstellung%20in%20Schorndorf" title="Facebook" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_xing" href="https://www.addtoany.com/add_to/xing?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmustergeschoepfe-ausstellung-in-schorndorf%2F&amp;linkname=Mustergesch%C3%B6pfe%20%E2%80%93%20Ausstellung%20in%20Schorndorf" title="XING" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_linkedin" href="https://www.addtoany.com/add_to/linkedin?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmustergeschoepfe-ausstellung-in-schorndorf%2F&amp;linkname=Mustergesch%C3%B6pfe%20%E2%80%93%20Ausstellung%20in%20Schorndorf" title="LinkedIn" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_twitter" href="https://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmustergeschoepfe-ausstellung-in-schorndorf%2F&amp;linkname=Mustergesch%C3%B6pfe%20%E2%80%93%20Ausstellung%20in%20Schorndorf" title="Twitter" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_google_translate" href="https://www.addtoany.com/add_to/google_translate?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmustergeschoepfe-ausstellung-in-schorndorf%2F&amp;linkname=Mustergesch%C3%B6pfe%20%E2%80%93%20Ausstellung%20in%20Schorndorf" title="Google Translate" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a></p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Pharmaindustrie: Was nicht passt, wird verschwiegen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 May 2010 21:23:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antidepressiva]]></category>
		<category><![CDATA[Arzneikosten]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
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					<description><![CDATA[Es gibt viele Arten zu lügen, und eine davon ist es, die Wahrheit zu verschweigen. Offensichtlich ist diese Art von Lügen sowohl in der Pharmaindustrie als auch an Universitäten weit verbreitet, wie nun eine Untersuchung des Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) ergeben hat. Die noch unter Ex-Kanzler Gerhard Schröder gegründete Einrichtung hat [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt viele Arten zu lügen, und eine davon ist es, die Wahrheit zu verschweigen. Offensichtlich ist diese Art von Lügen sowohl in der Pharmaindustrie als auch an Universitäten weit verbreitet, wie nun eine Untersuchung des <a href="http://www.iqwig.de/">Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG)</a> ergeben hat. Die noch unter Ex-Kanzler Gerhard Schröder gegründete Einrichtung hat unter anderem die Aufgabe, den Nutzen von Arzneimitteln unabhängig und im Interesse der Patienten und Beitragszahler zu bewerten. Und dass wir solch eine Einrichtung bitter nötig haben, beweisen die Mitarbeiter des IQWIG mit ihrer Studie, die soeben in der Fachzeitschrift <em>Trials</em> veröffentlich wurde. Was da genau ´drin steht, kann man <a href="http://www.trialsjournal.com/content/11/1/37">hier</a> nachlesen, die zugehörige Pressemitteilung habe ich im folgenden komplett abgedruckt:<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg05.met.vgwort.de/na/880d443869654785a1c1e7d622c7a04f" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><strong>Die Geheimarchive der Medizin</strong></p>
<p>Niemand weiß, wie vielen Müttern und Kindern die Geburtszange bereits  das Leben gerettet hat. Das Instrument gehört seit etwa 250 Jahren zur  Grundausstattung jedes Kreißsaals. Trotzdem gibt es einen Schatten auf  der Erfolgsgeschichte: Denn nachdem die Brüder Chamberlen die Zange  Anfang des 17. Jahrhunderts erfunden hatten, wurde sie über 3  Generationen von ihnen und ihren Nachkommen eingesetzt, aber vor anderen  Geburtshelfern geheim gehalten. Während die Familie der Chamberlens  sich dank der Zange Ruhm und Reichtum erwarb, starben andernorts  weiterhin Mütter und Kinder, weil das Instrument dort nicht verfügbar  war.</p>
<p>Die Geschichte der Geburtszange ist eines der ältesten dokumentierten  Beispiele dafür, welche Folgen Geheimhaltung  in der Medizin haben kann.  Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Instituts für Qualität und  Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben jetzt in einem  Artikel für die Fachzeitschrift „Trials“ über 60 Fälle zusammengetragen,  wie die Ausbreitung von Wissen in der Medizin behindert wurde.  Dazu  haben sie hunderte von Artikeln aus Fachzeitschriften und andere Quellen  ausgewertet, unter anderem aus den Gebieten Psychiatrie,  Schmerztherapie, Herz-Kreislauf-Medizin, Hautkrankheiten, Krebstherapie,  und Infektionskrankheiten. Entsprechend groß ist auch die Spannbreite  der betroffenen Verfahren: Sie reicht von Arzneimitteln über Impfstoffe  bis hin zu Medizinprodukten wie Ultraschallgeräten oder Hilfsmitteln zur  Wundversorgung. Die Sammlung liest sich wie ein Skizzenbuch zu einer  Krimiserie.</p>
<p><strong>Verschweigen ist häufig</strong></p>
<p><div id="attachment_1490" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><a rel="attachment wp-att-1490" href="http://simmformation.de/2010/05/pharmaindustrie-was-nicht-passt-wird-verschwiegen/iqwig_schriftzug/"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1490" class="size-medium wp-image-1490" title="IQWiG_Schriftzug" src="http://simmformation.de/wp-content/uploads/2010/05/IQWiG_Schriftzug-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><p id="caption-attachment-1490" class="wp-caption-text">Ein Gegengewicht zur Pharmaindustrie: Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Foto: IQWIG)</p></div></p>
<p>In der Wissenschaft wird das Phänomen „publication bias“ genannt, zu  Deutsch etwa  „Verzerrung durch selektives Veröffentlichen“. Das  geschieht auf zwei Ebenen. Auf der obersten Ebene bleiben ganze Studien  unveröffentlicht:  So zeigt eine Analyse von 90 neu in den USA  zugelassenen Medikamenten, dass diese in insgesamt 900 Studien erprobt  worden waren. Aber auch 5 Jahre nach der Zulassung waren 60 % dieser  Studien noch nicht veröffentlicht. Auf der zweiten Ebene werden nur  ausgewählte Ergebnisse aus Studien publiziert: Forscher müssen heute vor  Beginn einer Studie in einem so genannten Studienprotokoll  aufschreiben, welche Ergebnisse sie messen wollen und wie diese  ausgewertet werden. Vergleiche mit späteren Veröffentlichungen in  Zeitschriften zeigen, dass in 40 bis 60 % der Studien Ergebnisse  entweder ganz weggelassen oder die Auswertungen geändert wurden.  „Dadurch werden Studienergebnisse oft positiver dargestellt als sie es  eigentlich sind“, sagt Beate Wieseler,  Stellvertretende Leiterin des  Ressorts Arzneimittelbewertung im IQWiG.</p>
<p>Das betrifft nicht nur pharmafinanzierte Studien. So zitieren die  IQWiG-Mitarbeiter eine Analyse, in der 2000 Studien im Bereich  Krebsmedizin nach Geldgebern getrennt ausgewertet wurden. Hier war der  Anteil publizierter Studien extrem niedrig:  Von den  industriefinanzierten Projekten waren 94 Prozent nicht veröffentlicht,  aber auch von den durch Universitäten finanzierten Projekten fehlten 86  %. „Auch Zulassungsbehörden sind aufgrund gesetzlicher Regelungen  teilweise dazu gezwungen Daten zurückzuhalten“, sagt  Thomas Kaiser,  Leiter des Ressorts Arzneimittelbewertung.</p>
<p><strong>Den Schaden haben die Patienten</strong></p>
<p>Das hat oft Konsequenzen für Patientinnen und Patienten. Es kann  einerseits dazu führen, dass – wie im Fall der Geburtszange &#8211;  vorteilhafte Maßnahmen zu spät eingesetzt werden oder sich zu langsam  ausbreiten. Häufiger ist aber, dass gerade schlechte Nachrichten und  Misserfolgsmeldungen unveröffentlicht bleiben. „Das hat zur Folge, dass  Ärzte und Patienten Therapien einsetzen, die in Wahrheit nutzlos oder  sogar schädlich sind“, sagt Beate Wieseler. Forscher schätzen zum  Beispiel, dass in den 1980er Jahren verschriebene Medikamente gegen  Herzrhythmusstörungen zehntausende Menschen das Leben gekostet haben,  weil frühe Hinweise auf gefährliche Nebenwirkungen nicht veröffentlicht  wurden.</p>
<p><strong>Appelle genügen nicht</strong></p>
<p>Auslöser für die Suche der IQWiG-Mitarbeiter nach dokumentierten  Beispielen für „publication bias“ waren die eigenen Erfahrungen, die das  Institut in der täglichen Arbeit macht, zuletzt beispielsweise bei der  Bewertung des Medikaments Reboxetin zur Behandlung von Depressionen.  Hier hat das Pharmaunternehmen Pfizer dem IQWiG erst unter öffentlichem  Druck Studien zur Verfügung gestellt, die es bis dahin unter Verschluss  gehalten hatte. Und in diesen unveröffentlichten Studien schnitt  Reboxetin erheblich schlechter ab, als es zuvor anhand der  veröffentlichten Studien den Anschein hatte. „Über viele Jahre wurden  Patientinnen und Patienten, aber auch Ärztinnen und Ärzte getäuscht“,  sagt Beate Wieseler.</p>
<p>Die in „Trials“ veröffentlichte Fallsammlung zeigt, dass die Neigung,  unliebsame oder nicht den eigenen Erwartungen entsprechende Ergebnisse  unter den Tisch fallen zu lassen, so weit verbreitet ist, dass Appelle  und Vorschläge freiwilliger Lösungen das Problem nicht wirksam beheben  können. „Die zunehmende Anmeldung von Studien in öffentlichen Registern  ist ein wichtiger erster Schritt“, sagt  Thomas Kaiser: „Wir brauchen  aber zum Schutz von Patienten gesetzliche Regelungen, damit Ergebnisse  aller klinischen Studien zügig und vollständig veröffentlicht werden. “</p>
<p><strong>Quelle:</strong></p>
<ul>
<li><a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20388211">McGauran N et al. Reporting bias in medical research &#8211; a narrative review. Trials 2010 Apr. 13;11:37</a></li>
</ul>
<p><strong>Weitere Informationen:</strong></p>
<ul>
<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Institut_f%C3%BCr_Qualit%C3%A4t_und_Wirtschaftlichkeit_im_Gesundheitswesen">Die Wikipedia über das IQWIG</a></li>
<li><a href="http://www.iqwig.de/antidepressiva-nutzen-von-reboxetin-ist-nicht.981.html">Antidepressiva: Nutzen von Reboxetin ist nicht belegt.</a> (Pressemitteilung des IQWIG vom November 2009)</li>
</ul>
<p><a class="a2a_button_print" href="https://www.addtoany.com/add_to/print?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fpharmaindustrie-was-nicht-passt-wird-verschwiegen%2F&amp;linkname=Pharmaindustrie%3A%20Was%20nicht%20passt%2C%20wird%20verschwiegen" title="Print" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_whatsapp" href="https://www.addtoany.com/add_to/whatsapp?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fpharmaindustrie-was-nicht-passt-wird-verschwiegen%2F&amp;linkname=Pharmaindustrie%3A%20Was%20nicht%20passt%2C%20wird%20verschwiegen" title="WhatsApp" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_email" href="https://www.addtoany.com/add_to/email?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fpharmaindustrie-was-nicht-passt-wird-verschwiegen%2F&amp;linkname=Pharmaindustrie%3A%20Was%20nicht%20passt%2C%20wird%20verschwiegen" title="Email" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_facebook" href="https://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fpharmaindustrie-was-nicht-passt-wird-verschwiegen%2F&amp;linkname=Pharmaindustrie%3A%20Was%20nicht%20passt%2C%20wird%20verschwiegen" title="Facebook" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_xing" href="https://www.addtoany.com/add_to/xing?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fpharmaindustrie-was-nicht-passt-wird-verschwiegen%2F&amp;linkname=Pharmaindustrie%3A%20Was%20nicht%20passt%2C%20wird%20verschwiegen" title="XING" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_linkedin" href="https://www.addtoany.com/add_to/linkedin?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fpharmaindustrie-was-nicht-passt-wird-verschwiegen%2F&amp;linkname=Pharmaindustrie%3A%20Was%20nicht%20passt%2C%20wird%20verschwiegen" title="LinkedIn" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_twitter" href="https://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fpharmaindustrie-was-nicht-passt-wird-verschwiegen%2F&amp;linkname=Pharmaindustrie%3A%20Was%20nicht%20passt%2C%20wird%20verschwiegen" title="Twitter" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_google_translate" href="https://www.addtoany.com/add_to/google_translate?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fpharmaindustrie-was-nicht-passt-wird-verschwiegen%2F&amp;linkname=Pharmaindustrie%3A%20Was%20nicht%20passt%2C%20wird%20verschwiegen" title="Google Translate" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a></p>]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>Spindel-Transfer soll viele Erbkrankheiten verhindern</title>
		<link>http://www.michaelsimm.de/spindel-transfer-soll-viele-erbkrankheiten-verhindern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Aug 2009 18:35:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Embryonenforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Gentherapie]]></category>
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					<description><![CDATA[US-Forscher haben eine neue Technik entwickelt, mit der sich womöglich die Weitergabe von mindestens 150 Erbkrankheiten verhindern ließe. Der so genannte Spindel-Transfer erlaubt es, Erbmaterial aus zwei verschiedenen Eizellen neu zu kombinieren, sodass defekte Gene aus den &#8222;Kraftwerken&#8220; (Mitochondrien) mütterlicher Zellen nicht mehr auf die nachfolgende Generation übertragen werden. Zum Beweis präsentierten die Wissenschaftler der [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>US-Forscher haben eine neue Technik entwickelt, mit der sich womöglich die Weitergabe von mindestens 150 Erbkrankheiten verhindern ließe. Der so genannte Spindel-Transfer erlaubt es, Erbmaterial aus zwei verschiedenen Eizellen neu zu kombinieren, sodass defekte Gene aus den &#8222;Kraftwerken&#8220; (Mitochondrien) mütterlicher Zellen nicht mehr auf die nachfolgende Generation übertragen werden. Zum Beweis präsentierten die Wissenschaftler der Presse Fotos von drei gesunden, neugeborenen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rhesusaffe">Rhesusaffen</a>, die mit der neuen Technik gezeugt wurden.<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg03.met.vgwort.de/na/7685e489db4747d0bb3a3e2caad17be2" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><div id="attachment_502" style="width: 403px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-502" class="size-large wp-image-502" title="Gentherapie bei Affen 4" src="http://simmformation.de/wp-content/uploads/2009/08/Gentherapie-bei-Affen-4-393x600.jpg" alt="&quot;Spindler&quot; heißt dieses Äffchen, das mit der neuen Technik gezeugt wurde (Bild: Oregon National Primate Research Center at OHSU)" width="393" height="600" /><p id="caption-attachment-502" class="wp-caption-text">&quot;Spindler&quot; heißt dieses Äffchen, das mit der neuen Technik gezeugt wurde (Bild: Oregon National Primate Research Center at OHSU)</p></div></p>
<p>&#8222;Wir glauben, dass diese Entdeckung sich schnell auch beim Menschen in Therapien gegen solche Erbkrankheiten ummünzen ließe, die von Müttern mit der Erbsubstanz der Mitochondrien auf ihre Kinder übertragen werden&#8220;, erklärte <a href="http://www.ohsu.edu/xd/research/centers-institutes/onprc/scientific-discovery/scientists/shoukhrat-mitalipov.cfm">Shoukhrat Mitalipov</a>, der das Forscherteam am <a href="http://www.ohsu.edu/xd/research/centers-institutes/onprc/">Nationalen Primaten-Forschungszentrum der Oregon Health &amp; Science Universität</a> geleitet hat. Laut Mitalipov sind derzeit 150 solcher Krankheiten bekannt und etwa jedes 200ste Kind wird mit Mutationen in der Erbsubstanz der Mitochondrien geboren. Solche Gendefekte wurden in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Leiden in Verbindung gebracht, darunter Diabetes, Krebs und Unfruchtbarkeit sowie Alzheimer, Parkinson und die Huntington-Krankheit.</p>
<p>Mitochondrien sind Gebilde im Inneren von Zellen. In ihnen laufen chemische Reaktionen ab, aus denen alle höheren Lebewesen die Energie für Stoffwechsel und Wachstum beziehen. Während der weitaus größte Teil aller Erbinformationen im Zellkern einschlossen ist, enthalten Mitochondrien zusätzlich eigene Erbsubstanz &#8211; die so genannte mitochondriale Desoxiribonukleinsäure (mtDNS). Wenn bei der Zeugung die sehr kleine Samenzelle in die wesentlich größeren Eizelle eindringt, entsteht ein Embryo, dessen Mitochondrien ausschließlich von der Mutter stammen. Dies ist der Grund, warum mitochondriale Erbkrankheiten nur von der Mutter weitergegeben werden, und deshalb haben die Forscher mit dem Spindel-Transfer auch ein Verfahren entwickelt, bei dem die Mitochondrien einer erblich vorbelasteten Mutter quasi ausgefiltert werden.</p>
<p>Bisher hat dies zwar &#8222;nur&#8220; bei Affen geklappt, aufgrund der großen Ähnlichkeit zwischen den beiden Arten sollte der Spindel-Transfer beim Menschen jedoch technisch machbar sein. Allerdings müssten zuvor etliche ethische und juristische Probleme ausgeräumt werden, mahnt ein Kommentator in der Fachzeitschrift <em>Nature</em>. &#8222;Viele Paare stehen vor der unerfreulichen Wahl, entweder auf ein Kind zu verzichten, oder das Risiko einzugehen, eine behindernde Krankheit zu vererben.&#8220; Dennoch werde die Erforschung von Reproduktionstechniken zur Verringerung dieses Risikos erschwert durch die Ansichten der Öffentlichkeit gegenüber Eingriffen in den natürlichen Lauf der Dinge. Zu zeigen, dass der Spindel-Transfer auch beim Menschen funktioniert wäre in vielen Ländern gesetzlich verboten. Dafür müssten eigens für Forschungszwecke Embryonen gezeugt werden, was etwa nach dem deutschen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Embryonenschutzgesetz">Embryonenschutzgesetz</a> mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft würde. Während die Bezahlung von Eizell-Spenden für die Forschung fast weltweit geächtet ist, werden in manchen Befruchtungskliniken für die gleichen Eizellen tausende von Dollarn gezahlt, wenn sie von besonders attraktiven und intelligenten Frauen kommen, moniert der Nature-Kommentator weiter.</p>
<p>Theoretisch habe man gezeigt, dass sich die Übertragung mitochondrialer Erbkrankheiten verhindern ließe, betonte denn auch US-Forscher Mitalipov und fügte hinzu: &#8222;Wir glauben, dass mit entsprechender Genehmigung der Regierung unsere Arbeit schnell zu klinischen Versuchen beim Menschen führen könnte &#8211; und letztendlich auch zu erlaubten Therapien.&#8220;</p>
<p><strong>Quelle:</strong></p>
<ul>
<li><a href="http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature08368.html">Tachibana M et al. Mtochondrial gene replacement in primate offspring and embyonic stem cells. Nature doi:10.1038/nature08368</a></li>
</ul>
<p><strong>Nachlese:</strong></p>
<ul>
<li>Unter dem Wust von Artikeln zum gleichen Thema habe ich beim Tagesspiegel Berlin diese Perle gefunden: <a href="http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/art304,2884050">Neue Kraftwerke für die Zelle</a>. Bravo, Kai Kupferschmidt!</li>
</ul>
<p><a class="a2a_button_print" href="https://www.addtoany.com/add_to/print?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fspindel-transfer-soll-viele-erbkrankheiten-verhindern%2F&amp;linkname=Spindel-Transfer%20soll%20viele%20Erbkrankheiten%20verhindern" title="Print" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_whatsapp" href="https://www.addtoany.com/add_to/whatsapp?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fspindel-transfer-soll-viele-erbkrankheiten-verhindern%2F&amp;linkname=Spindel-Transfer%20soll%20viele%20Erbkrankheiten%20verhindern" title="WhatsApp" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_email" href="https://www.addtoany.com/add_to/email?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fspindel-transfer-soll-viele-erbkrankheiten-verhindern%2F&amp;linkname=Spindel-Transfer%20soll%20viele%20Erbkrankheiten%20verhindern" title="Email" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_facebook" href="https://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fspindel-transfer-soll-viele-erbkrankheiten-verhindern%2F&amp;linkname=Spindel-Transfer%20soll%20viele%20Erbkrankheiten%20verhindern" title="Facebook" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_xing" href="https://www.addtoany.com/add_to/xing?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fspindel-transfer-soll-viele-erbkrankheiten-verhindern%2F&amp;linkname=Spindel-Transfer%20soll%20viele%20Erbkrankheiten%20verhindern" title="XING" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_linkedin" href="https://www.addtoany.com/add_to/linkedin?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fspindel-transfer-soll-viele-erbkrankheiten-verhindern%2F&amp;linkname=Spindel-Transfer%20soll%20viele%20Erbkrankheiten%20verhindern" title="LinkedIn" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_twitter" href="https://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fspindel-transfer-soll-viele-erbkrankheiten-verhindern%2F&amp;linkname=Spindel-Transfer%20soll%20viele%20Erbkrankheiten%20verhindern" title="Twitter" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_google_translate" href="https://www.addtoany.com/add_to/google_translate?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fspindel-transfer-soll-viele-erbkrankheiten-verhindern%2F&amp;linkname=Spindel-Transfer%20soll%20viele%20Erbkrankheiten%20verhindern" title="Google Translate" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a></p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Genanalysen &#8211; Chancen und Risiken</title>
		<link>http://www.michaelsimm.de/genanalysen-chancen-und-risiken/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Oct 1993 12:18:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[VDI-Nachrichten]]></category>
		<category><![CDATA[Benno Müller-Hill]]></category>
		<category><![CDATA[Edelgard Bulmahn]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[French Anderson]]></category>
		<category><![CDATA[Genanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Genetik]]></category>
		<category><![CDATA[Genomanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Gentest]]></category>
		<category><![CDATA[Henry T. Lynch]]></category>
		<category><![CDATA[Human Genome Project]]></category>
		<category><![CDATA[Jeremy Rifkin]]></category>
		<category><![CDATA[Krebs]]></category>
		<category><![CDATA[Technikfolgen-Abschätzung]]></category>
		<category><![CDATA[Versicherung]]></category>
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					<description><![CDATA[Fluch und Segen zugleich birgt die Möglichkeit einer Gendiagnose, wie der Amerikaner Henry T. Lynch aus eigener Erfahrung zu berichten weiß. Der grauhaarige Wissenschaftler von der Creighton Universität im Bundesstaat Nebraska hat seine ganze Karriere der Untersuchung erblicher Krebserkrankungen gewidmet &#8211; eine besonders bösartige Form des Darmkrebses, das Lynch-Syndrom, trägt sogar seinen Namen. Auf einem [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Fluch und Segen zugleich birgt die Möglichkeit einer Gendiagnose, wie der Amerikaner <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Henry_T._Lynch" data-type="URL" data-id="https://en.wikipedia.org/wiki/Henry_T._Lynch">Henry T. Lynch</a> aus eigener Erfahrung zu berichten weiß. Der grauhaarige Wissenschaftler von der Creighton Universität im Bundesstaat Nebraska hat seine ganze Karriere der Untersuchung erblicher Krebserkrankungen gewidmet &#8211; eine besonders bösartige Form des Darmkrebses, das Lynch-Syndrom, trägt sogar seinen Namen.</p>



<p>Auf einem Fachkongreß in Bonn schilderte der Mediziner kürzlich die enormen Belastungen, unter denen die weiblichen Mitglieder einer Großfamilie aus Omaha zu leiden haben. Bei dieser Familie tritt eine aggressive, erbliche Krebsform seit Generationen mit erschreckender Häufigkeit auf. Jede zweite Frau in dieser Familie muß damit rechnen, daß sich in der Brust- oder in den Eierstöcken lebensbedrohliche Geschwüre bilden.</p>



<p>Ein molekularbiologisches Verfahren, das erst in den letzten Jahren entwickelt wurde, erlaubt es seit kurzem, die Frauen anhand ihrer Gene in zwei gleichgroße Gruppen zu trennen: Mitglieder der einen Gruppe werden von ihrer Angst erlöst; ihr Krebsrisiko ist nicht höher als das in der normalen Bevölkerung. Die Frauen der anderen Gruppe tragen dagegen mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein defektes Gen. „Im Prinzip können wir das zum Zeitpunkt der Geburt feststellen“, sagt Lynch, der selbst einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Methode geleistet hat.</p>



<p>Für Frauen in der zweiten Gruppe ist das&nbsp; Risiko drastisch erhöht, schon in mittlerem Alter an dem erblichen Brust-Ovariar Krebs-Syndrom (HBOC) zu erkranken. Auch durch halbjährliche Untersuchungen der bedrohten Organe und selbst die vorsorgliche operative Entfernung der Eierstöcke kann die Gefahr lediglich verringert werden. Nachdem Lynch die Frauen in ihrer vertrauten Umgebung in persönlichen Gesprächen über ihre Lage aufgeklärt hatte, stellte er eine Frage, die mit zunehmender Verbreitung genanalytischer Verfahren auf immer mehr Menschen zukommen wird: „Wollen Sie wirklich wissen, ob Sie in 15, 20 oder 40 Jahren damit rechnen müssen, an einer möglicherweise unheilbaren, tödlichen Krankheit zu leiden?“</p>



<p>Nach einer dreiwöchigen Bedenkzeit und eingehender Beratung entschieden sich die meisten Frauen schließlich für den Gentest. Menschliche Dramen hätten sich abgespielt, als die Resultate bekannt gegeben wurden, erinnert sich Lynch. Dramatisch auch ein weiteres Ergebnis: Unter den Frauen, bei denen ein defektes Gen gefunden wurde, verlangte die Hälfte, sämtliche Eintragungen in den Krankenakten zu löschen.</p>



<p>„Die Versicherungen sind ganz wild auf diese Daten, weil sie die Menschen mit erhöhtem Risiko am liebsten ausschließen würden“, erläutert Lynch. Um ähnliche Machenschaften in Deutschland bereits im Keim zu ersticken, streben Mitglieder aller im Bundestag vertretenen Fraktionen eine Ergänzung des Grundgesetzes an. Dort soll, gemäß einem Vorschlag der Verfassungskommission, in Artikel 74 die künstliche Befruchtung beim Menschen sowie die Untersuchung und die künstliche Veränderung von Erbinformationen aufgenommen werden. Ein Gesetz zur Genomanalyse würde damit auch der Zustimmung des Bundesrates bedürfen und hätte dann &#8211; im Gegensatz zu anderen gesundheitsrechtlichen Gesetzen &#8211; über die Ländergrenzen hinaus Gültigkeit.</p>



<p>Von einer bundeseinheitlichen Regelung erwartet die forschungspolitische Sprecherin der SPD, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Edelgard_Bulmahn">Edelgard Bulmahn</a> zum Beispiel eine Garantie der „informationellen Selbstbestimmung“. Genetische Daten müßten demnach im Patienten-Arzt-Verhältnis verbleiben und dürften nicht an Dritte weitergegeben werden.</p>



<p>Nach Meinung von Kritikern wird es für solch eine Regelung höchste Zeit: Das „<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Human_Genome_Project" data-type="URL" data-id="https://en.wikipedia.org/wiki/Human_Genome_Project">Human Genome Projekt</a>“, mit dem in weltweiter Kooperation alle Erbanlagen des Menschen entschlüsselt werden sollen, schreitet schneller voran, als selbst Optimisten zu hoffen wagten. Schon Ende des nächsten Jahres könnten sämtliche geschätzt 75000 Gene des Homo sapiens kartiert sein (Anmerkung: Die Schätzung war viel zu hoch; derzeit geht man von ca. <a href="https://www.nature.com/articles/d41586-018-05462-w" data-type="URL" data-id="https://www.nature.com/articles/d41586-018-05462-w">21000 menschlichen Genen</a> aus).</p>



<p>Die Versuchung, aufgrund der dann vorliegenden Daten, ungeborene Kinder, Ehepaare, Arbeitssuchende und Versicherungsnehmer anhand ihrer genetischen Daten zu beurteilen, wird auch unter Wissenschaftlern als ernsthafte Bedrohung empfunden. So befanden sich der amerikanische Gentherapie-Pionier <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/William_French_Anderson" data-type="URL" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/William_French_Anderson">French Anderson</a> und sein Landsmann, der Gentechnik-Kritiker <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jeremy_Rifkin" data-type="URL" data-id="https://de.wikipedia.org/wiki/Jeremy_Rifkin">Jeremy Rifkin</a> schon vor drei Jahren in seltener Übereinstimmung mit ihrer Forderung nach umfassendem Schutz für die genetischen Daten des Einzelnen.</p>



<p>Fundamentale ethische und soziale Probleme sieht auch der renommierte Molekularbiologe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Benno_M%C3%BCller-Hill">Benno Müller-Hill</a> auf die Gesellschaft zukommen. <a href="https://doi.org/10.1038/362491a0" data-type="URL" data-id="https://doi.org/10.1038/362491a0">In einem Beitrag für die britische Fachzeitschrift „Nature“</a> wagte der am Institut für Genetik der Universität zu Köln arbeitende Professor kürzlich einen Ausblick auf die nächsten dreißig Jahre. Er geht davon aus, daß Fortschritte in der Erkennung genetischer Eigenschaften am Anfang stehen, die Behandlung von Krankheiten dagegen möglicherweise um Jahrzehnte hinterher hinken wird.</p>



<p>Müller-Hill, der seine Kollegen neben der Arbeit als Grundlagenforscher auch mit Enthüllung über medizinische Verbrechen während des Dritten Reiches konfrontierte, lehnt Gentests keinesfalls grundsätzlich ab. „Wenn eine Person einen Gentest wünscht, dann soll sie den auch haben.“ Praktische Tests seinen aber sinnvoller. So wäre ein einfacher Rechentest bei der Aufnahme an der mathematischen Fakultät einer Universität sicherlich nützlicher als eine &#8211; derzeit noch nicht machbare &#8211; Genomanalyse. „Auch wenn es um den Arbeitsschutz geht, bin ich gegen erzwungene Gentests“, sagte Müller-Hill gegenüber den VDI-Nachrichten.&nbsp; Allerdings räumt der Gen-Ethiker ein, daß Menschen, die ihrem Arbeitgeber oder der Versicherung freiwillig Daten präsentieren, welche auf ein geringes Risiko hinweisen, trotzdem im Vorteil wären.</p>



<p>Die Zuverlässigkeit derartiger Risikoanalysen wäre ohnehin begrenzt. Denn auch wenn ein Labortechniker in zehn Jahren möglicherweise in der Lage sein sollte, mit einem einfachen Test festzustellen, ob ein Embryo bereits eine Veranlagung für Krebs, Herzkrankheiten oder Fettleibigkeit hat &#8211; Zeitpunkt und Schweregrad der Erkrankung werden sich bestimmt nicht auf einer Farbskala ablesen lassen. Ein Großteil der menschlichen Eigenschaften scheint zudem von mehreren Genen gleichzeitig beeinflußt zu sein. Das, den Bundestag beratende <a href="https://www.tab-beim-bundestag.de/" data-type="URL" data-id="https://www.tab-beim-bundestag.de/">Büro für Technikfolgen-Abschätzung</a> weist darauf hin, daß die Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs einer Krankheit trotz einer „genetischen Veranlagung“ häufig nur 10 bis 20 Prozent beträgt. Die pränatale Diagnose solch schwer zu quantifizierender Eigenschaften wie Intelligenz und Toleranz muß deshalb nicht prinzipiell unmöglich sein. Derzeit werden bereits Untersuchungen an verschiedenen Hunderassen durchgeführt mit dem Ziel, den Einfluß der Erbsubstanz auf die Charaktereigenschaften der Tiere zu ermitteln.</p>



<p>Auch ohne derartige Forschungsprojekte werden die sozialen Spannungen zunehmen, glaubt Müller-Hill. „Man kann sich vorstellen, daß es zu Protestbewegungen derjenigen kommt, die beschlossen haben, ihre genetische Identität nicht preiszugeben. Es wird auch Fundamentalisten geben, die sich niemals testen lassen, weil sie selbst die Resultate nicht wissen wollen. All diese Gruppen werden schwere soziale Nachteile in Kauf nehmen müssen.“</p>



<p>Die Wende werde erst kommen, prophezeit der Genetiker, wenn die obersten Gerichte entscheiden, daß die „genetische Ungerechtigkeit“ ungeheure Ausmaße annommen hat. Dann werde man es Angestellten und Versicherungsnehmern erlauben, falsche Daten zu präsentieren, ohne sie dafür gesetzlich zu belangen. Ein ganz ähnliches Urteil fällte übrigens im Frühjahr das Bundesverfassungsgericht: Schwangere Frauen dürfen beim Einstellungsgespräch über ihren Zustand lügen, befanden Deutschlands oberste Richter.</p>



<p>Der „Schatten genetischer Ungerechtigkeit“ wird nach der Prognose Müller-Hills vor allem auf diejenigen fallen, die von einem der zahlreichen Leiden des zentralen Nervensystems befallen sind. Erbanlagen, die für Schizophrenie, manische Depression oder niedrige Intelligenz verantwortlich sein können, vermutet er in Europa und den Vereinigten Staaten bei mindestens zehn Prozent der Bevölkerung. „Es wird nun behauptet, diese Eigenschaften seien vererbt. Tatsächlich ist aber sowohl der Einfluß der Familie als auch die Beitrag von Umweltfaktoren noch unklar.“</p>



<p>Eine Öffentlichkeit, die davon überzeugt ist, daß etwa eine bestimmte Geisteskrankheit ausschließlich auf defekte Gene zurückzuführen ist, wird die Erforschung und Beseitigung möglicher anderer Ursachen daher vernachlässigen, befürchtet der Molekularbiologe. „Es ist so viel einfacher, eine Pille zu verschreiben, als die sozialen Zustände zu ändern, die für die Schwere der Symptome verantwortlich sind.“</p>



<p>Den Schluß, daß man auf das Wissen über „gute“ und „schlechte“ Gene verzichten könne, hält Müller-Hill aber für falsch. Die neuen Kenntnisse würden seiner Meinung nach lediglich die Realität sichtbar machen und dadurch die Ungerechtigkeit in der Welt betonen. Dadurch würden dann Gesetze erforderlich, um die genetisch Benachteiligten zu schützen. „Soziale Gerechtigkeit muß genetische Ungerechtigkeit kompensieren.“</p>



<p><em>(Originalfassung eines Artikels für die VDI-Nachrichten, erschienen am 8. Oktober 1993)</em></p>



<p><strong>Weitere Infos / Quellen:</strong></p>



<ol class="wp-block-list"><li>Müller-Hill B. The shadow of genetic injustice. Nature. 1993 Apr 8;362(6420):491-2. doi: <a href="https://doi.org/10.1038/362491a0">10.1038/362491a0</a>.</li><li>Hennen, Leo; Petermann, Thomas; Schmitt, J.-J.: TA-Projekt &#8222;Genomanalyse&#8220;: Chancen und Risiken genetischer Diagnostik. Endbericht (kostenlos abrufbar <a href="https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000102445" data-type="URL" data-id="https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000102445">hier</a>).</li></ol>
<p><a class="a2a_button_print" href="https://www.addtoany.com/add_to/print?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fgenanalysen-chancen-und-risiken%2F&amp;linkname=Genanalysen%20%E2%80%93%20Chancen%20und%20Risiken" title="Print" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_whatsapp" href="https://www.addtoany.com/add_to/whatsapp?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fgenanalysen-chancen-und-risiken%2F&amp;linkname=Genanalysen%20%E2%80%93%20Chancen%20und%20Risiken" title="WhatsApp" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_email" href="https://www.addtoany.com/add_to/email?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fgenanalysen-chancen-und-risiken%2F&amp;linkname=Genanalysen%20%E2%80%93%20Chancen%20und%20Risiken" title="Email" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_facebook" href="https://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fgenanalysen-chancen-und-risiken%2F&amp;linkname=Genanalysen%20%E2%80%93%20Chancen%20und%20Risiken" title="Facebook" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_xing" href="https://www.addtoany.com/add_to/xing?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fgenanalysen-chancen-und-risiken%2F&amp;linkname=Genanalysen%20%E2%80%93%20Chancen%20und%20Risiken" title="XING" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_linkedin" href="https://www.addtoany.com/add_to/linkedin?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fgenanalysen-chancen-und-risiken%2F&amp;linkname=Genanalysen%20%E2%80%93%20Chancen%20und%20Risiken" title="LinkedIn" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_twitter" href="https://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fgenanalysen-chancen-und-risiken%2F&amp;linkname=Genanalysen%20%E2%80%93%20Chancen%20und%20Risiken" title="Twitter" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_google_translate" href="https://www.addtoany.com/add_to/google_translate?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fgenanalysen-chancen-und-risiken%2F&amp;linkname=Genanalysen%20%E2%80%93%20Chancen%20und%20Risiken" title="Google Translate" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a></p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Neuro-Forscher entdecken die Ethik</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Nov 1991 21:29:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin & Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[intelligente Maschinen]]></category>
		<category><![CDATA[Neuro-Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Neuronale Netze]]></category>
		<category><![CDATA[Neurowissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Terminator]]></category>
		<category><![CDATA[Tierversuche]]></category>
		<category><![CDATA[Wolf Singer]]></category>
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					<description><![CDATA[Im jüngsten Kino-Kassenschlager, dem „Terminator II&#8222;, wird der Zuschauer mit einer recht gewalttätigen Vision geschockt: Intelligente Maschinen, von Menschen erdacht und gebaut, sollen im Jahr 1997 die amerikanische Verteidigung übernehmen. Als die Militärs feststellen, daß die Supercomputer ein eigenes Bewußtsein entwickeln, versucht man den Stecker zu ziehen. Die Maschinen antworten mit einem atomaren Gegenschlag; drei [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im jüngsten Kino-Kassenschlager, dem „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Terminator_2_%E2%80%93_Tag_der_Abrechnung">Terminator II</a>&#8222;, wird der Zuschauer mit einer recht gewalttätigen Vision geschockt: Intelligente Maschinen, von Menschen erdacht und gebaut, sollen im Jahr 1997 die amerikanische Verteidigung übernehmen. Als die Militärs feststellen, daß die Supercomputer ein eigenes Bewußtsein entwickeln, versucht man den Stecker zu ziehen. Die Maschinen antworten mit einem atomaren Gegenschlag; drei Milliarden Menschenleben werden ausgelöscht.</p>
<p>Die Geschichte von den Robotern, die durchdrehen und die Kontrolle an sich reißen, ist zwar alles andere als neu, dennoch gibt es Grund zur Vorsicht. Als die Computer des amerikanischen Lenkwaffenkreuzers Vincennes am 3. Juli 1988 einen iranischen Airbus nicht von einem Militärjet zu unterscheiden vermochten, verloren 290 Zivilisten ihr Leben. Wenn schon „gewöhnliche&#8220; Technologie zu derartigen fatalen Verwechselungen führen kann, ist dann die Gefahr durch denkende, lernfähige und somit auch unberechenbare Computer nicht ungleich größer?</p>
<p>Eine neue Broschüre des Bundesforschungsministeriums räumt hierzu ein, daß die Anwendungsmöglichkeiten neuronaler Netzcomputer „natürlich auch den Keim zu unkontrollierbarer Eigendynamik&#8220; in sich bergen. Aus diesem Grunde sei eine die technische Entwicklung begleitende Technikbewertung erforderlich, formulierte eine zehnköpfige Expertenkommission. An eine Einschränkung der Forschungstätigkeit oder gar an ein Verbot der Entwicklung neuronaler Netze wird aber nicht gedacht. Zu vielfältig sind offensichtlich die Vorteile der neuen Technologie, die von medizinischen Anwendungen über Spracherkennung und -übersetzung bis hin zur Erkundung des Weltalls reichen, um nur einige Beispiele zu nennen.</p>
<p>Schon länger als die Neuroinformatiker machen sich Biologen und Mediziner Gedanken über die Konsequenzen ihres Tuns. Denn einerseits finden die Resultate der Neurobiologie ja unmittelbaren Eingang bei der Entwicklung künstlicher Neuronaler Netze; andererseits bringt die Erforschung des menschlichen Gehirns auch eine Vielzahl eigener ethischer Probleme mit sich.</p>
<p>Schon die Experimente selbst, die ja in den weitaus meisten Fällen an Versuchstieren durchgeführt werden, stoßen oft auf heftige Kritik in der Öffentlichkeit. Bilder von jungen Katzen oder von Menschenaffen, deren Hirnströme mit Hilfe von implantierten Elektroden gemessen werden, haben &#8211; nicht nur auf den Tierfreund &#8211; eine stark emotionalisierende Wirkung. Ob die Tiere bei diesen Experimenten nun Schmerz empfinden oder nicht, ob die Experimente zu meßbaren Fortschritten in der Medizin führen und ob diese Art der Nutzung von Mitgeschöpfen mehr oder weniger grausam ist als die gemeinhin akzeptierte Massentierhaltung, danach wird nur in Ausnahmefällen gefragt.</p>
<p>Der Frankfurter Hirnforscher <a href="http://www.michaelsimm.de/interview-mit-wolf-singer/">Wolf Singer</a> ist sicher kein Einzelfall: „Wenn Rundfunk oder Fernsehen anrufen, heißt es immer nur: Hier haben wir was gegen Sie vorliegen. Sie können, wenn Sie wollen, um fünf vorbeikommen und noch schnell ein Statement zu Ihrer Verteidigung abgeben.“ Zu komplex sind wohl die Probleme, mit denen die Neuroforscher zu kämpfen haben, zu gering der „Unterhaltungswert“, um die notwendige öffentliche Diskussion anzustoßen, an der beide Seiten brennend interessiert sein sollten.</p>
<p>Denn je mehr wir über die Funktion der grauen Zellen herausfinden, umso größer werden auch die Chancen zur Manipulation. Einer Ratte, der man die Möglichkeit gegeben hatte, durch Tastendruck eine Elektrode im eigenen Hirn zu stimulieren, betätigte den „Lustschalter“ an die 5000-mal in der Stunde &#8211; bis sie erschöpft zusammenbrach.</p>
<p>Buchautor Johannes Holler („Das neue Gehirn“) bezeichnet das Hirn zu Recht als den größten Drogenhersteller und -Konsumenten. Die dort hergestellten Botenstoffe verändern im Zusammenspiel mit ihren Ankerplätzen in jeder Sekunde unsere Wirklichkeit; erzeugen Liebe und Lust, Haß und Depression. Rund 70 Botenstoffe und 50 Ankerplätze sind bisher bekannt, und ständig werden neue dazu entdeckt.</p>
<p>Durch die gezielte Entwicklung neuer Medikamente könnte beispielsweise die Wirkung des Rauschgiftes Cannabis aufgehoben werden, indem man den seit kurzem bekannten Ankerplatz blockiert. Auch einem Eiweiß, an dem Kokain seine Wirkung entfaltet, sind die Forscher auf der Spur. Ein Ersatzstoff für Nikotin, das ebenfalls bestimmte Rezeptoren im Gehirn aktiviert, könnte Millionen Raucher von ihrer Sucht befreien.</p>
<p>Doch nicht nur Suchtkranke, sondern auch Millionen von Patienten, die alleine in Deutschland an Depressionen, Schizophrenie, Epilepsie und der Alzheimer´schen Krankheit leiden, wollen die Möglichkeiten der Neuroforschung nutzen. Sie vertrauen darauf, daß unsere Gesellschaft mit den Risiken und Versuchungen dieser Wissenschaft besser zurechtkommt als lustbesessene Laborratten.</p>
<p><em>(erschienen in &#8222;DIE WELT&#8220; am 8. November 1991)</em></p>
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		<title>Ethische Fragen drängen sich auf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Nov 1991 21:09:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin & Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[intelligente Maschinen]]></category>
		<category><![CDATA[Neuro-Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Neuronale Netze]]></category>
		<category><![CDATA[Neurowissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Terminator]]></category>
		<category><![CDATA[Tierversuche]]></category>
		<category><![CDATA[Wolf Singer]]></category>
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					<description><![CDATA[Im jüngsten Kino-Kassenschlager, dem „Terminator II&#8222;, wird der Zuschauer mit einer recht gewalttätigen Vision geschockt: Intelligente Maschinen, von Menschen erdacht und gebaut, sollen im Jahr 1997 die amerikanische Verteidigung übernehmen. Als die Militärs feststellen, daß die Supercomputer ein eigenes Bewußtsein entwickeln, versucht man den Stecker zu ziehen. Die Maschinen antworten mit einem atomaren Gegenschlag; drei [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im jüngsten Kino-Kassenschlager, dem „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Terminator_2_%E2%80%93_Tag_der_Abrechnung">Terminator II</a>&#8222;, wird der Zuschauer mit einer recht gewalttätigen Vision geschockt: Intelligente Maschinen, von Menschen erdacht und gebaut, sollen im Jahr 1997 die amerikanische Verteidigung übernehmen. Als die Militärs feststellen, daß die Supercomputer ein eigenes Bewußtsein entwickeln, versucht man den Stecker zu ziehen. Die Maschinen antworten mit einem atomaren Gegenschlag; drei Milliarden Menschenleben werden ausgelöscht.</p>
<p>Die Geschichte von den Robotern, die durchdrehen und die Kontrolle an sich reißen, ist zwar alles andere als neu, dennoch gibt es Grund zur Vorsicht. Als die Computer des amerikanischen Lenkwaffenkreuzers Vincennes am 3. Juli 1988 einen iranischen Airbus nicht von einem Militärjet zu unterscheiden vermochten, verloren 290 Zivilisten ihr Leben. Wenn schon „gewöhnliche&#8220; Technologie zu derartigen fatalen Verwechselungen führen kann, ist dann die Gefahr durch denkende, lernfähige und somit auch unberechenbare Computer nicht ungleich größer?</p>
<p>Eine neue Broschüre des Bundesforschungsministeriums räumt hierzu ein, daß die Anwendungsmöglichkeiten neuronaler Netzcomputer „natürlich auch den Keim zu unkontrollierbarer Eigendynamik&#8220; in sich bergen. Aus diesem Grunde sei eine die technische Entwicklung begleitende Technikbewertung erforderlich, formulierte eine zehnköpfige Expertenkommission. An eine Einschränkung der Forschungstätigkeit oder gar an ein Verbot der Entwicklung neuronaler Netze wird aber nicht gedacht. Zu vielfältig sind offensichtlich die Vorteile der neuen Technologie, die von medizinischen Anwendungen über Spracherkennung und -übersetzung bis hin zur Erkundung des Weltalls reichen, um nur einige Beispiele zu nennen.</p>
<p>Schon länger als die Neuroinformatiker machen sich Biologen und Mediziner Gedanken über die Konsequenzen ihres Tuns. Denn einerseits finden die Resultate der Neurobiologie ja unmittelbaren Eingang bei der Entwicklung künstlicher Neuronaler Netze; andererseits bringt die Erforschung des menschlichen Gehirns auch eine Vielzahl eigener ethischer Probleme mit sich.</p>
<p>Schon die Experimente selbst, die ja in den weitaus meisten Fällen an Versuchstieren durchgeführt werden, stoßen oft auf heftige Kritik in der Öffentlichkeit. Bilder von jungen Katzen oder von Menschenaffen, deren Hirnströme mit Hilfe von implantierten Elektroden gemessen werden, haben &#8211; nicht nur auf den Tierfreund &#8211; eine stark emotionalisierende Wirkung. Ob die Tiere bei diesen Experimenten nun Schmerz empfinden oder nicht, ob die Experimente zu meßbaren Fortschritten in der Medizin führen und ob diese Art der Nutzung von Mitgeschöpfen mehr oder weniger grausam ist als die gemeinhin akzeptierte Massentierhaltung, danach wird nur in Ausnahmefällen gefragt.</p>
<p>Der Frankfurter Hirnforscher <a href="http://www.michaelsimm.de/interview-mit-wolf-singer/">Wolf Singer</a> ist sicher kein Einzelfall: „Wenn Rundfunk oder Fernsehen anrufen, heißt es immer nur: Hier haben wir was gegen Sie vorliegen. Sie können, wenn Sie wollen, um fünf vorbeikommen und noch schnell ein Statement zu Ihrer Verteidigung abgeben.“ Zu komplex sind wohl die Probleme, mit denen die Neuroforscher zu kämpfen haben, zu gering der „Unterhaltungswert“, um die notwendige öffentliche Diskussion anzustoßen, an der beide Seiten brennend interessiert sein sollten.</p>
<p>Denn je mehr wir über die Funktion der grauen Zellen herausfinden, umso größer werden auch die Chancen zur Manipulation. Einer Ratte, der man die Möglichkeit gegeben hatte, durch Tastendruck eine Elektrode im eigenen Hirn zu stimulieren, betätigte den „Lustschalter“ an die 5000-mal in der Stunde &#8211; bis sie erschöpft zusammenbrach.</p>
<p>Buchautor Johannes Holler („Das neue Gehirn“) bezeichnet das Hirn zu Recht als den größten Drogenhersteller und -Konsumenten. Die dort hergestellten Botenstoffe verändern im Zusammenspiel mit ihren Ankerplätzen in jeder Sekunde unsere Wirklichkeit; erzeugen Liebe und Lust, Haß und Depression. Rund 70 Botenstoffe und 50 Ankerplätze sind bisher bekannt, und ständig werden neue dazu entdeckt.</p>
<p>Durch die gezielte Entwicklung neuer Medikamente könnte beispielsweise die Wirkung des Rauschgiftes Cannabis aufgehoben werden, indem man den seit kurzem bekannten Ankerplatz blockiert. Auch einem Eiweiß, an dem Kokain seine Wirkung entfaltet, sind die Forscher auf der Spur. Ein Ersatzstoff für Nikotin, das ebenfalls bestimmte Rezeptoren im Gehirn aktiviert, könnte Millionen Raucher von ihrer Sucht befreien.</p>
<p>Doch nicht nur Suchtkranke, sondern auch Millionen von Patienten, die alleine in Deutschland an Depressionen, Schizophrenie, Epilepsie und der Alzheimer´schen Krankheit leiden, wollen die Möglichkeiten der Neuroforschung nutzen. Sie vertrauen darauf, daß unsere Gesellschaft mit den Risiken und Versuchungen dieser Wissenschaft besser zurechtkommt als lustbesessene Laborratten.</p>
<p><em>(erschienen in &#8222;DIE WELT&#8220; am 8. November 1991)</em></p>
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		<title>Mangelware Organspender</title>
		<link>http://www.michaelsimm.de/mangelware-organspender-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Jul 1991 18:40:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anenzephalie]]></category>
		<category><![CDATA[Anissa Alaya]]></category>
		<category><![CDATA[Caroline MacDonald]]></category>
		<category><![CDATA[chronisch myeloische Leukämie]]></category>
		<category><![CDATA[Embryonenschutzgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Fritz Beller]]></category>
		<category><![CDATA[Harvey Ozer]]></category>
		<category><![CDATA[Julien Burke]]></category>
		<category><![CDATA[Organspende]]></category>
		<category><![CDATA[Organtransplantation]]></category>
		<category><![CDATA[Zelltransplantationen]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Kind &#8211; Ausdruck der Liebe und des Vertrauens zwischen zwei Menschen, Ausdruck auch der Hoffnung in die Zukunft. Ein Baby &#8211; gezeugt und geboren, weil sein Blut oder seine Organe das Leben eines anderen Menschen retten sollen. Kann es einen größeren Gegensatz geben? Die enormen Fortschritte der biomedizinischen Grundlagenforschung haben dazu geführt, daß heute [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ein Kind &#8211; Ausdruck der Liebe und des Vertrauens zwischen zwei Menschen, Ausdruck auch der Hoffnung in die Zukunft. Ein Baby &#8211; gezeugt und geboren, weil sein Blut oder seine Organe das Leben eines anderen Menschen retten sollen. Kann es einen größeren Gegensatz geben?</p>



<p>Die enormen Fortschritte der biomedizinischen Grundlagenforschung haben dazu geführt, daß heute mehr Transplantationen durchgeführt werden als je zuvor. Die Erfolgsquoten steigen, auch Eingriffe, die noch vor wenigen Jahren als unmöglich galten, werden zur Routine. Doch zusammen mit dieser erfreulichen Entwicklung wächst die Angst vor Organhandel und dem Mißbrauch der neuen Techniken.</p>



<p>Während Organe in der Vergangenheit zumeist von toten Spendern gewonnen wurden, hat in den Vereinigten Staaten jetzt ein Fall für Schlagzeilen gesorgt, in dem ein Kind erklärtermaßen gezeugt und geboren wurde, um das Leben eines anderen Familienmitgliedes zu retten.</p>



<p>Trotz aller Fortschritte in der Transplantationsmedizin fehlt es nämlich in den USA wie überall an Organen, um den rapide gestiegenen Bedarf zu befriedigen. Obwohl jährlich rund 15000 Operationen vorgenommen werden, stehen mehr als 23000 Menschen auf der Warteliste der zuständigen US-Behörde. Zu häufig verlieren die Patienten das Rennen gegen die Zeit; wahrscheinlich werden 2000 unter ihnen sterben müssen, weil kein geeigneter Spender gefunden werden kann.</p>



<p>Ein Einzelfall veranschaulicht das menschliche Leiden hinter den nackten Zahlen: Vor drei Jahren hatten die Ärzte der 16-jährigen Anissa Ayala die Diagnose „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chronische_myeloische_Leuk%C3%A4mie">chronische myeloische Leukämie</a>“ gestellt, eine Form des Blutkrebses, die binnen fünf Jahren zum Tode führt <em>(Anmerkung: heutzutage liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 90 %)</em>. Die einzige Chance für das Mädchen bestand in einer Knochenmarktransplantation, doch war trotz verzweifelter Suche in den gesamten USA kein geeigneter Spender zu finden.</p>



<p>Mehr als bei allen anderen Geweben kommt es bei Transplantationen des Knochenmarks darauf an, daß die blutbildenden Zellen von Spender und Empfänger sich möglichst ähnlich sehen. Eiweißstrukturen auf der Oberfläche dieser Zellen werden sonst als fremd erkannt, es kommt zum „Krieg“ zwischen den vermeintlichen Eindringlingen und den Immunzellen des Empfängers.</p>



<p>Eine Art Zufallsgenerator im Erbgut sorgt dafür, daß nur etwa zehn unter einer Million Menschen identische Eiweißstrukturen auf den Oberflächen ihrer Zellen aufweisen. Nur zwischen diesen Menschen ist ein Krieg der Abwehrzellen mit Sicherheit auszuschließen. Die einzige Ausnahme von dieser Regel bilden nahe Verwandte: Weil die väterlichen und mütterlichen Erbanlagen nach der Befruchtung der Eizelle gemäß fester Spielregeln neu gemischt werden, haben Geschwister eine 25prozentige Chance auf „baugleiche“ Abwehrzellen.</p>



<p>Ausgehend von dieser Überlegung beschlossen Anissas Eltern, diese Chance zu nutzen. Nachdem der Vater Anissas eine Vasektomie hatte rückgängig machen lassen wurde Mary Alaya im Alter von 43 Jahren schwanger und brachte im April 1990 Marissa zur Welt, deren Immunzellen sich glücklicherweise als passend erwiesen.</p>



<p>Vor wenigen Wochen war es dann soweit: Ärzte entnahmen der 14 Monate alten Marissa in einer Routineoperation etwa einen achtel Liter Knochenmark, das direkt anschließend der kranken Schwester injiziert wurde. Die Operation am City of Hope National Medical Center im kalifornischen Duarte war für die Spenderin völlig ungefährlich, wenn auch mit vorrübergehenden Schmerzen verbunden. Die behandelnden Ärzte beziffern Alayas Chancen auf eine vollständige Genesung jetzt mit 70 Prozent.</p>



<p>Im Gefolge des aufsehenerregenden Falles ist in den Vereinigten Staaten die Diskussion über die ethischen Aspekte der Transplantationsmedizin neu entbrannt. Eine Umfrage für das Nachrichtenmagazin „Time“ ergab, daß 47 Prozent der Bevölkerung keine moralischen Bedenken dagegen haben, wenn Eltern ein Kind empfangen, um damit das Leben eines anderen Kindes zu retten. 37 Prozent der Befragten hielten diese Vorgehensweise dagegen für unmoralisch.</p>



<p>Als wesentlich problematischer wird dagegen die Verwendung von embryonalem Gewebe zur Behandlung von Krankheiten angesehen. Die Zellen, die sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden, sind sehr anpassungsfähig. Transplantate werden vom Immunsystem des Empfängers meist nicht als fremd erkannt.</p>



<p>Eine ganze Reihe von medizinischen Untersuchungen haben ergeben, daß Zellen aus dem Gehirn eines frühzeitig abgetriebenen Föten den Zustand von Patienten verbessern können, die an der Parkinson´schen Schüttellähmung leiden. Knapp die Hälfe der Amerikaner hält derartige Experimente allerdings für unakzeptabel, nur 36 Prozent würden ein solches Vorgehen befürworten.</p>



<p>Der sehr begrenzte Einsatz fötalen Gewebes hat bereits Anlaß zu heftigen Auseinandersetzungen gegeben. Während die Kritiker mit Schrecken feststellen, daß Aldous Huxleys utopischer Roman „Schöne neue Welt“ bereits eingeholt wird vom biomedizinischen Alltag, sehen Patienten mit unheilbaren, aber weit verbreiteten Leiden wie der Alzheimer´schen Krankheit einen Silberstreifen am Horizont.</p>



<p>„Warum“, so fragen sie, „sollte das Gewebe aus einem totgeborenen Fötus nicht benutzt werden dürfen, um das Leiden schwerkranker Menschen zu mildern?“ In den USA aber besteht zur Zeit ein gesetzliches Verbot, öffentliche Gelder zur Erforschung dieser Möglichkeit bereitzustellen. In Deutschland schließt das Embryonenschutzgesetz diese Forschung ebenfalls aus.</p>



<p>Auch Neugeborene, die mit einer tödlichen Mißbildung des Gehirns &#8211; einer Anenzephalie &#8211; zur Welt kommen, wurden bereits als mögliche Organspender ins Gespräch gebracht. Diese „Gehirnlosigkeit“ tritt bei etwa drei von 10000 Neugeborenen auf und führt in den allermeisten Fällen zu einem Schwangerschaftsabbruch.</p>



<p>Nur in seltenen Ausnahmefällen (etwa bei Zwillingsschwangerschaften, in denen das zweite Kind gesund ist) kommen diese Kinder lebend zur Welt; doch sie sterben dann nach wenigen Tagen im Krankenhaus. Ihre Körper werden anonym bestattet oder enden im Krematorium. Nun wären einige Eltern prinzipiell bereit gewesen, die Organe ihrer hirnlosen Kinder zur Transplantation freizugeben in der Hoffnung, dem schrecklichen Schicksal der Anencephalen doch noch einen Sinn zu geben.</p>



<p>Von dieser Möglichkeit wurde auch in der Vergangenheit schon mehrmals Gebrauch gemacht, in Einzelfällen auch in der Bundesrepublik. Zu den wenigen Ärzten, die sich offen zu dieser Vorgehensweise bekannten, gehört der Münsteraner Gynäkologe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_K._Beller">Fritz Beller</a>, der aber mit seiner Vorstellung unter den Kollegen überwiegend auf Ablehnung traf. 1989 erklärte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Transplantationsgesellschaft">Arbeitsgemeinschaft der Transplantationszentren der Bundesrepublik</a>, anencephale Kinder nicht als Organspender in Betracht zu ziehen.</p>



<p>Bei dieser Entscheidung spielte auch die Tatsache eine Rolle, daß selbst die „hirnlosen“ Kinder nicht hirntot im medizinischen Sinne sind und damit die gesetzliche Voraussetzung für eine Organspende nicht erfüllen. Da nach dem Hirntod dieser Kinder allenfalls noch die Nieren zu nutzen wären, wollte man diese Überlegung trotz des akuten Organmangels in Deutschland nicht weiter verfolgen.</p>



<p>Obwohl noch in weiter Zukunft besteht dennoch die Hoffnung, daß weitere Fortschritte in der Grundlagenforschung es eines Tages ermöglichen könnten, Ärzte, Angehörige und Patienten aus dem ethischen Dilemma zu befreien, das letztlich durch die moderne Medizin heraufbeschworen wurde. Die Zucht großer Mengen spezialisierter Zellen im Reagenzglas etwa könnte die Abhängigkeit von lebenden oder toten Organspendern vermindern helfen.</p>



<p>Wissenschaftler der Universität Sussex im Süden Englands und der schottischen Universität Strathclyde arbeiten derzeit an diesem Problem: Die größte Schwierigkeit bei der Anzucht von Zellen besteht darin, daß diese nur dann zu vermehren sind, wenn sie sich in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. Für Transplantationen würden aber spezialisierte Zelltypen wie Leber-, Pankreas- oder auch Nervenzellen benötigt. Dem steht entgegen, daß Zellen in der Regel mit der Spezialisierung ihre Teilungsfähigkeit einbüßen. Caroline MacDonald, Julien Burke und Lynne Mayne glauben, das Problem überwinden zu können, indem sie spezialisierten Zelltypen zur „Unsterblichkeit auf Widerruf“ verhelfen.</p>



<p>Dazu führen die Forscher fremde Gene in ihre Zellen ein. Eines dieser Gene (T) trägt die Anweisung, die Zellteilungen trotz Spezialisierung fortzusetzen &#8211; ein Vorgang, der sonst nur in entarteten Zellen beobachtet wird. Das Gen, ein Bruchteil der Erbinformation des Affenvirus SV40, ist schon lange Zeit bekannt und trägt die Bauanleitung für ein Eiweiß &#8211; das große T-Antigen -, welches offensichtlich in die Regulation der Zellteilung eingreift.</p>



<p>Die größte Herausforderung besteht für die britischen Wissenschaftler darin, das Fremdgen nach Gutdünken wieder abzuschalten, so daß die Zellen nach einer Transplantation aufhören, sich zu vermehren und den Platz im Körper einnehmen, der ih1en von den behandelnden Ärzten zugewiesen wird. Auch dieses Ziel scheint im Bereich des Machbaren zu legen: Versehen mit einem „genetischen Schalter“ &#8211; einem Promotor &#8211; kann das Gen für das große T-Antigen nach Belieben an- und ausgeschaltet werden, einfach indem bestimmte Hormone oder Antibiotika zur Nährflüssigkeit der Zellen hinzugefügt werden.</p>



<p>Noch raffinierter ist ein Trick, den der New Yorker Forscher Harvey Ozer erproben will: Er will einen temperaturabhängigen Promotor benutzen, der beispielsweise bei 28 Grad in der Zellkultur den Befehl zur Teilung gibt und sich nach dem Transfer in einen menschlichen Körper bei 37 Grad selbständig abschalten würde.</p>



<p>Derzeit stecken diese Versuche noch in den Kinderschuhen. Die beteiligten Forscher aber könnten uns einen guten Schritt näher bringen an eine „schöne neue Welt“. Eine Welt vielleicht, in der lebensrettende Organe, Gewebe und Zellen in ausreichender Menge und für alle zur Verfügung stehen, ohne daß menschliche Körper als Ersatzteillager dienen müßten.</p>



<p><em>(erschienen in &#8222;DIE WELT&#8220; am 6. Juli 1991)</em></p>



<p><strong>Was wurde daraus?</strong> Die Transplantationsmedizin hat sich ständig weiterentwickelt, doch der Organmangel kostet weiterhin unzähligen Menschen das Leben. Der spektakuläre Fall von Anissa und Marissa Alaya hatte ein Happy-End; beide sind heute wohlauf und die Geschichte wurde unter dem Titel &#8222;<a href="https://www.imdb.com/title/tt0106943/">For the Love of my Child</a>&#8220; sogar verfilmt. Die chronisch myeloische Leukämie, die zum Zeitpunkt des Artikels noch beinahe einem Todesurteil gleichkam, wird heute in der Mehrzahl der Fälle erfolgreich behandelt. Die 5-Jahres-Überlebensraten liegen bei über 90 %.</p>
<p><a class="a2a_button_print" href="https://www.addtoany.com/add_to/print?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender-2%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="Print" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_whatsapp" href="https://www.addtoany.com/add_to/whatsapp?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender-2%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="WhatsApp" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_email" href="https://www.addtoany.com/add_to/email?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender-2%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="Email" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_facebook" href="https://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender-2%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="Facebook" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_xing" href="https://www.addtoany.com/add_to/xing?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender-2%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="XING" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_linkedin" href="https://www.addtoany.com/add_to/linkedin?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender-2%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="LinkedIn" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_twitter" href="https://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender-2%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="Twitter" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_google_translate" href="https://www.addtoany.com/add_to/google_translate?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender-2%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="Google Translate" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a></p>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Mangelware Organspender</title>
		<link>http://www.michaelsimm.de/mangelware-organspender/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Jul 1991 18:07:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anenzephalie]]></category>
		<category><![CDATA[Anissa Alaya]]></category>
		<category><![CDATA[Caroline MacDonald]]></category>
		<category><![CDATA[chronisch myeloische Leukämie]]></category>
		<category><![CDATA[Embryonenschutzgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Fritz Beller]]></category>
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		<category><![CDATA[Organspende]]></category>
		<category><![CDATA[Organtransplantation]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Kind &#8211; Ausdruck der Liebe und des Vertrauens zwischen zwei Menschen, Ausdruck auch der Hoffnung in die Zukunft. Ein Baby &#8211; gezeugt und geboren, weil sein Blut oder seine Organe das Leben eines anderen Menschen retten sollen. Kann es einen größeren Gegensatz geben? Die enormen Fortschritte der biomedizinischen Grundlagenforschung haben dazu geführt, daß heute [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Kind &#8211; Ausdruck der Liebe und des Vertrauens zwischen zwei Menschen, Ausdruck auch der Hoffnung in die Zukunft. Ein Baby &#8211; gezeugt und geboren, weil sein Blut oder seine Organe das Leben eines anderen Menschen retten sollen. Kann es einen größeren Gegensatz geben?</p>
<p>Die enormen Fortschritte der biomedizinischen Grundlagenforschung haben dazu geführt, daß heute mehr Transplantationen durchgeführt werden als je zuvor. Die Erfolgsquoten steigen, auch Eingriffe, die noch vor wenigen Jahren als unmöglich galten, werden zur Routine. Doch zusammen mit dieser erfreulichen Entwicklung wächst die Angst vor Organhandel und dem Mißbrauch der neuen Techniken.</p>
<p>Während Organe in der Vergangenheit zumeist von toten Spendern gewonnen wurden, hat in den Vereinigten Staaten jetzt ein Fall für Schlagzeilen gesorgt, in dem ein Kind erklärtermaßen gezeugt und geboren wurde, um das Leben eines anderen Familienmitgliedes zu retten.</p>
<p>Trotz aller Fortschritte in der Transplantationsmedizin fehlt es nämlich in den USA wie überall an Organen, um den rapide gestiegenen Bedarf zu befriedigen. Obwohl jährlich rund 15000 Operationen vorgenommen werden, stehen mehr als 23000 Menschen auf der Warteliste der zuständigen US-Behörde. Zu häufig verlieren die Patienten das Rennen gegen die Zeit; wahrscheinlich werden 2000 unter ihnen sterben müssen, weil kein geeigneter Spender gefunden werden kann.</p>
<p>Ein Einzelfall veranschaulicht das menschliche Leiden hinter den nackten Zahlen: Vor drei Jahren hatten die Ärzte der 16-jährigen Anissa Ayala die Diagnose „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chronische_myeloische_Leuk%C3%A4mie">chronische myeloische Leukämie</a>“ gestellt, eine Form des Blutkrebses, die binnen fünf Jahren zum Tode führt <em>(Anmerkung: heutzutage liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 90 %)</em>. Die einzige Chance für das Mädchen bestand in einer Knochenmarktransplantation, doch war trotz verzweifelter Suche in den gesamten USA kein geeigneter Spender zu finden.</p>
<p>Mehr als bei allen anderen Geweben kommt es bei Transplantationen des Knochenmarks darauf an, daß die blutbildenden Zellen von Spender und Empfänger sich möglichst ähnlich sehen. Eiweißstrukturen auf der Oberfläche dieser Zellen werden sonst als fremd erkannt, es kommt zum „Krieg“ zwischen den vermeintlichen Eindringlingen und den Immunzellen des Empfängers.</p>
<p>Eine Art Zufallsgenerator im Erbgut sorgt dafür, daß nur etwa zehn unter einer Million Menschen identische Eiweißstrukturen auf den Oberflächen ihrer Zellen aufweisen. Nur zwischen diesen Menschen ist ein Krieg der Abwehrzellen mit Sicherheit auszuschließen. Die einzige Ausnahme von dieser Regel bilden nahe Verwandte: Weil die väterlichen und mütterlichen Erbanlagen nach der Befruchtung der Eizelle gemäß fester Spielregeln neu gemischt werden, haben Geschwister eine 25prozentige Chance auf „baugleiche“ Abwehrzellen.</p>
<p>Ausgehend von dieser Überlegung beschlossen Anissas Eltern, diese Chance zu nutzen. Nachdem der Vater Anissas eine Vasektomie hatte rückgängig machen lassen wurde Mary Alaya im Alter von 43 Jahren schwanger und brachte im April 1990 Marissa zur Welt, deren Immunzellen sich glücklicherweise als passend erwiesen.</p>
<p>Vor wenigen Wochen war es dann soweit: Ärzte entnahmen der 14 Monate alten Marissa in einer Routineoperation etwa einen achtel Liter Knochenmark, das direkt anschließend der kranken Schwester injiziert wurde. Die Operation am City of Hope National Medical Center im kalifornischen Duarte war für die Spenderin völlig ungefährlich, wenn auch mit vorrübergehenden Schmerzen verbunden. Die behandelnden Ärzte beziffern Alayas Chancen auf eine vollständige Genesung jetzt mit 70 Prozent.</p>
<p>Im Gefolge des aufsehenerregenden Falles ist in den Vereinigten Staaten die Diskussion über die ethischen Aspekte der Transplantationsmedizin neu entbrannt. Eine Umfrage für das Nachrichtenmagazin „Time“ ergab, daß 47 Prozent der Bevölkerung keine moralischen Bedenken dagegen haben, wenn Eltern ein Kind empfangen, um damit das Leben eines anderen Kindes zu retten. 37 Prozent der Befragten hielten diese Vorgehensweise dagegen für unmoralisch.</p>
<p>Als wesentlich problematischer wird dagegen die Verwendung von embryonalem Gewebe zur Behandlung von Krankheiten angesehen. Die Zellen, die sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden, sind sehr anpassungsfähig. Transplantate werden vom Immunsystem des Empfängers meist nicht als fremd erkannt.</p>
<p>Eine ganze Reihe von medizinischen Untersuchungen haben ergeben, daß Zellen aus dem Gehirn eines frühzeitig abgetriebenen Föten den Zustand von Patienten verbessern können, die an der Parkinson´schen Schüttellähmung leiden. Knapp die Hälfe der Amerikaner hält derartige Experimente allerdings für unakzeptabel, nur 36 Prozent würden ein solches Vorgehen befürworten.</p>
<p>Der sehr begrenzte Einsatz fötalen Gewebes hat bereits Anlaß zu heftigen Auseinandersetzungen gegeben. Während die Kritiker mit Schrecken feststellen, daß Aldous Huxleys utopischer Roman „Schöne neue Welt“ bereits eingeholt wird vom biomedizinischen Alltag, sehen Patienten mit unheilbaren, aber weit verbreiteten Leiden wie der Alzheimer´schen Krankheit einen Silberstreifen am Horizont.</p>
<p>„Warum“, so fragen sie, „sollte das Gewebe aus einem totgeborenen Fötus nicht benutzt werden dürfen, um das Leiden schwerkranker Menschen zu mildern?“ In den USA aber besteht zur Zeit ein gesetzliches Verbot, öffentliche Gelder zur Erforschung dieser Möglichkeit bereitzustellen. In Deutschland schließt das Embryonenschutzgesetz diese Forschung ebenfalls aus.</p>
<p>Auch Neugeborene, die mit einer tödlichen Mißbildung des Gehirns &#8211; einer Anenzephalie &#8211; zur Welt kommen, wurden bereits als mögliche Organspender ins Gespräch gebracht. Diese „Gehirnlosigkeit“ tritt bei etwa drei von 10000 Neugeborenen auf und führt in den allermeisten Fällen zu einem Schwangerschaftsabbruch.</p>
<p>Nur in seltenen Ausnahmefällen (etwa bei Zwillingsschwangerschaften, in denen das zweite Kind gesund ist) kommen diese Kinder lebend zur Welt; doch sie sterben dann nach wenigen Tagen im Krankenhaus. Ihre Körper werden anonym bestattet oder enden im Krematorium. Nun wären einige Eltern prinzipiell bereit gewesen, die Organe ihrer hirnlosen Kinder zur Transplantation freizugeben in der Hoffnung, dem schrecklichen Schicksal der Anencephalen doch noch einen Sinn zu geben.</p>
<p>Von dieser Möglichkeit wurde auch in der Vergangenheit schon mehrmals Gebrauch gemacht, in Einzelfällen auch in der Bundesrepublik. Zu den wenigen Ärzten, die sich offen zu dieser Vorgehensweise bekannten, gehört der Münsteraner Gynäkologe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_K._Beller">Fritz Beller</a>, der aber mit seiner Vorstellung unter den Kollegen überwiegend auf Ablehnung traf. 1989 erklärte die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Transplantationsgesellschaft">Arbeitsgemeinschaft der Transplantationszentren der Bundesrepublik</a>, anencephale Kinder nicht als Organspender in Betracht zu ziehen.</p>
<p>Bei dieser Entscheidung spielte auch die Tatsache eine Rolle, daß selbst die „hirnlosen“ Kinder nicht hirntot im medizinischen Sinne sind und damit die gesetzliche Voraussetzung für eine Organspende nicht erfüllen. Da nach dem Hirntod dieser Kinder allenfalls noch die Nieren zu nutzen wären, wollte man diese Überlegung trotz des akuten Organmangels in Deutschland nicht weiter verfolgen.</p>
<p>Obwohl noch in weiter Zukunft besteht dennoch die Hoffnung, daß weitere Fortschritte in der Grundlagenforschung es eines Tages ermöglichen könnten, Ärzte, Angehörige und Patienten aus dem ethischen Dilemma zu befreien, das letztlich durch die moderne Medizin heraufbeschworen wurde. Die Zucht großer Mengen spezialisierter Zellen im Reagenzglas etwa könnte die Abhängigkeit von lebenden oder toten Organspendern vermindern helfen.</p>
<p>Wissenschaftler der Universität Sussex im Süden Englands und der schottischen Universität Strathclyde arbeiten derzeit an diesem Problem: Die größte Schwierigkeit bei der Anzucht von Zellen besteht darin, daß diese nur dann zu vermehren sind, wenn sie sich in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. Für Transplantationen würden aber spezialisierte Zelltypen wie Leber-, Pankreas- oder auch Nervenzellen benötigt. Dem steht entgegen, daß Zellen in der Regel mit der Spezialisierung ihre Teilungsfähigkeit einbüßen. Caroline MacDonald, Julien Burke und Lynne Mayne glauben, das Problem überwinden zu können, indem sie spezialisierten Zelltypen zur „Unsterblichkeit auf Widerruf“ verhelfen.</p>
<p>Dazu führen die Forscher fremde Gene in ihre Zellen ein. Eines dieser Gene (T) trägt die Anweisung, die Zellteilungen trotz Spezialisierung fortzusetzen &#8211; ein Vorgang, der sonst nur in entarteten Zellen beobachtet wird. Das Gen, ein Bruchteil der Erbinformation des Affenvirus SV40, ist schon lange Zeit bekannt und trägt die Bauanleitung für ein Eiweiß &#8211; das große T-Antigen -, welches offensichtlich in die Regulation der Zellteilung eingreift.</p>
<p>Die größte Herausforderung besteht für die britischen Wissenschaftler darin, das Fremdgen nach Gutdünken wieder abzuschalten, so daß die Zellen nach einer Transplantation aufhören, sich zu vermehren und den Platz im Körper einnehmen, der ih1en von den behandelnden Ärzten zugewiesen wird. Auch dieses Ziel scheint im Bereich des Machbaren zu legen: Versehen mit einem „genetischen Schalter“ &#8211; einem Promotor &#8211; kann das Gen für das große T-Antigen nach Belieben an- und ausgeschaltet werden, einfach indem bestimmte Hormone oder Antibiotika zur Nährflüssigkeit der Zellen hinzugefügt werden.</p>
<p>Noch raffinierter ist ein Trick, den der New Yorker Forscher Harvey Ozer erproben will: Er will einen temperaturabhängigen Promotor benutzen, der beispielsweise bei 28 Grad in der Zellkultur den Befehl zur Teilung gibt und sich nach dem Transfer in einen menschlichen Körper bei 37 Grad selbständig abschalten würde.</p>
<p>Derzeit stecken diese Versuche noch in den Kinderschuhen. Die beteiligten Forscher aber könnten uns einen guten Schritt näher bringen an eine „schöne neue Welt“. Eine Welt vielleicht, in der lebensrettende Organe, Gewebe und Zellen in ausreichender Menge und für alle zur Verfügung stehen, ohne daß menschliche Körper als Ersatzteillager dienen müßten.</p>
<p><em>(erschienen in &#8222;DIE WELT&#8220; am 6. Juli 1991)</em></p>
<p><strong>Was wurde daraus?</strong> Die Transplantationsmedizin hat sich ständig weiterentwickelt, doch der Organmangel kostet weiterhin unzähligen Menschen das Leben. Der spektakuläre Fall von Anissa und Marissa Alaya hatte ein Happy-End; beide sind heute wohlauf und die Geschichte wurde unter dem Titel &#8222;<a href="https://www.imdb.com/title/tt0106943/">For the Love of my Child</a>&#8220; sogar verfilmt. Die chronisch myeloische Leukämie, die zum Zeitpunkt des Artikels noch beinahe einem Todesurteil gleichkam, wird heute in der Mehrzahl der Fälle erfolgreich behandelt. Die 5-Jahres-Überlebensraten liegen bei über 90 %.<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg04.met.vgwort.de/na/d11f2144e0e644fe8c4c301010161aae" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><a class="a2a_button_print" href="https://www.addtoany.com/add_to/print?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="Print" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_whatsapp" href="https://www.addtoany.com/add_to/whatsapp?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="WhatsApp" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_email" href="https://www.addtoany.com/add_to/email?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="Email" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_facebook" href="https://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="Facebook" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_xing" href="https://www.addtoany.com/add_to/xing?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="XING" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_linkedin" href="https://www.addtoany.com/add_to/linkedin?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="LinkedIn" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_twitter" href="https://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="Twitter" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_google_translate" href="https://www.addtoany.com/add_to/google_translate?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fmangelware-organspender%2F&amp;linkname=Mangelware%20Organspender" title="Google Translate" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a></p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Wieder Furcht und Zittern lernen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Nov 1987 17:37:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rhein-Neckar-Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[biologische Waffen]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Gentechnik]]></category>
		<category><![CDATA[Gentherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Altner]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Jonas]]></category>
		<category><![CDATA[Herbizidresistenz]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Rahmen einer VHS-Vortragsreihe war am Montagabend Professor Günter Altner, Vorstandssprecher des Freiburger Öko-Instituts im Kulturhaus zu Gast. Das Thema des gelernten Biologen und Theologen: Die Gentechnologie als Herausforderung für die christliche Weltanschauung. Ca. 70 Zuhörer jeglichen Alters zeugten von dem Interesse der Öffentlichkeit an dem recht komplexen Thema, das jedoch, wie Prof. Altner schnell [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Rahmen einer VHS-Vortragsreihe war am Montagabend <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Altner">Professor Günter Altner</a>, Vorstandssprecher des <a href="http://www.oeko.de/">Freiburger Öko-Institut</a>s im Kulturhaus zu Gast. Das Thema des gelernten Biologen und Theologen: Die Gentechnologie als Herausforderung für die christliche Weltanschauung.</p>
<p>Ca. 70 Zuhörer jeglichen Alters zeugten von dem Interesse der Öffentlichkeit an dem recht komplexen Thema, das jedoch, wie Prof. Altner schnell klarmachte, jeden angeht. Die Gentechnologie habe die Absicht, durch mehr oder weniger gezielten Eingriff ins Erbgut der verschiedensten Organismen diesen zu neuen Leistungen zu verhelfen, wozu auch die Produktion neuer Stoffe gehöre.</p>
<p>Zu Eingang seines Vortrages bemühte sich Altner, dem Publikum die Grundlagen der neuen Technologie nahe zu bringen, indem er in groben Zügen eine Vorstellung vermittelte, wie man sich denn diese Erbanlagen vorzustellen habe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auch für die Übersetzung des genetischen Codes, der Erbsprache also, in Eiweißstrukturen, die letztlich die Merkmale und die Entwicklung alles Lebendigen bestimmen, fand Altner einen recht anschaulichen Vergleich.</p>
<p>Damit war dann der Boden bereitet für eine Schilderung der vielfältigen Nutzungsziele, die gegenwärtig auf diesem Gebiet verfolgt werden. Dabei wurde immer wieder klar, welch zweischneidiges Schwert der Menschheit mit dieser Technologie in die Hand gegeben ist: Einerseits werden Mikroorganismen heute schon dazu benutzt, Insulin für Zuckerkranke zu produzieren &#8211; billiger und reiner als dies mit der bisherigen Methode der Gewinnung aus den Drüsen von Schlachttieren zu machen ist -, andererseits haben aber auch militärische Kreise die Gentechnologie entdeckt und damit die Möglichkeit, biologische Waffen noch bösartiger zu machen, als sie dies ohnehin schon sind.</p>
<p>In der Pflanzenzucht ließe sich erhöhte Fruchtbarkeit bei Kulturpflanzen ebenso erreichen wie größere Widerstandsfähigkeit gegen extreme Umweltbedingungen und verminderter Bedarf an Düngemitteln. Während diese Projekte, die für Entwicklungsländer von Wert sein könnten, noch in der Entwicklung sind, sind herbizidresistente Kulturpflanzen schon produktionsreif.</p>
<p>Der Einsatz dieser Pflanzen würde zu einem erhöhten Einsatz an Pflanzengiften führen. Dies, so Altner, müsse als fragwürdig bezeichnet werden und könne ökologisch nicht verantwortet werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Schließlich die Anwendung am Menschen: Die Möglichkeit der pränatalen Diagnose, also der Vorhersage von Erbschäden bei Embryonen berge die Gefahr in sich, dass in Zukunft schon bei geringen Abweichungen von der Norm eine Abtreibung eingeleitet werde. Die sich bereits abzeichnende Möglichkeit der Gentherapie d.h. der Reparatur von Erbdefekten am menschlichen Keim erfordert Experimente am Embryo. Altner unterstrich in Anbetracht dieser Entwicklungen die Bedeutung einer informierten Öffentlichkeit.</p>
<p>Letztendlich sei es der gesunde Menschenverstand der Bürger, der darüber zu entscheiden habe, inwieweit man das Potential, das in dieser Technik stecke nutzen wolle bzw. wo man Grenzen zu ziehen habe. Angesichts des Wettlaufs der Industrienationen trotz einer Fülle von ungeklärten Fragen erinnerte Altner an den Ausspruch des Philosophen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Jonas">Hans Jonas</a>, dem in diesem Jahr der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wurde: &#8222;Wir müssen wieder Furcht und Zittern lernen und, selbst ohne Gott, die Scheu vor dem Heiligen&#8220;. Der Mensch müsse mehr Ehrfurcht vor dem Leben zeigen und die Zusammenhänge der Natur als etwas wertvolles begreifen. Altner erklärte, er halte eine Denkpause für nötig.</p>
<p>Die Risikoforschung sei noch nicht weit genug fortgeschritten. Die Förderung der Gentechnologie durch öffentliche Mittel solle eingestellt werden. An gesetzliche Maßnahmen wurde ein Verbot der Freisetzung genetisch veränderter Organismen ebenso gefordert wie ein totales Verbot biologischer Waffen auf internationaler Ebene. Der Schutz des menschlichen Keimes müsse gesetzlich verankert werden.</p>
<p>Dies bedeute jedoch kein totales Nein gegenüber der Gentechnologie angesichts der Heilungschancen, die mit bestimmten Gebieten verbunden seien.</p>
<p>In der sich anschließenden Diskussion wurde immer wieder die Frage laut, wie man auf die gegenwärtige Entwicklung Einfluss nehmen könne. Auch wurde Skepsis laut gegenüber einseitigen Maßnahmen in der Bundesrepublik. Wie Tschernobyl gezeigt habe, seien auch die schärfsten Sicherheitsmaßnahmen angesichts grenzüberschreitender Umweltkatastrophen nutzlos.</p>
<p>Demgegenüber brachte Altner seine Überzeugung zum Ausdruck, dass durch eine breitangelegte Diskussion in der Öffentlichkeit durchaus genug Druck auf die Parlamente ausgeübt werden könne, um verantwortliche Politiker zum Handeln zu bewegen. Auch habe man die ethische Verpflichtung, moralisch nicht vertretbare Entwicklungen zu verhindern, wobei der Blick auf den Nachbarn erst an zweiter Stelle stehen dürfe.</p>
<p>Anhaltender Beifall am Ende der Veranstaltung zeugte davon, dass Prof. Altners Appell an das Verantwortungsgefühl und den gesunden Menschenverstand an diesem Abend auf offene Ohren gestoßen war.</p>
<p><em>(erschienen in der Rhein-Neckar-Zeitung, 6. November 1987)</em><img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg01.met.vgwort.de/na/d0ac4ccc0e6e4abfa2cca04b2198f6ba" alt="" width="1" height="1" /></p>
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