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	<title>ALS &#8211; Michael Simm</title>
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	<description>denken, reden, machen. Seit 1961</description>
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	<title>ALS &#8211; Michael Simm</title>
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		<title>Fragwürdige Zelltransplantationen gegen ALS</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jan 2017 17:10:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin & Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[ALS]]></category>
		<category><![CDATA[Amyotrophe Lateralsklerose]]></category>
		<category><![CDATA[Daniele Ferrari]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Sykova]]></category>
		<category><![CDATA[Zelltransplantation]]></category>
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					<description><![CDATA[Versuche, die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) mit der Transplantation von Stammzellen zu behandeln, könnten bei Patienten übertriebene Hoffnungen wecken, fürchte ich angesichts zweier wenig erfolgreicher Studien in Italien und Tschechien: Präsentiert wurden beide Studien im Spätjahr 2016 auf der Jahrestagung der US-amerikanischen Society for Neuroscience in San Diego. Insgesamt waren 44 Patienten behandelt worden, allerdings hatte [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Versuche, die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) mit der Transplantation von Stammzellen zu behandeln, könnten bei Patienten übertriebene Hoffnungen wecken, fürchte ich angesichts zweier wenig erfolgreicher Studien in Italien und Tschechien:</em></p>
<p>Präsentiert wurden beide Studien im Spätjahr 2016 auf der Jahrestagung der US-amerikanischen Society for Neuroscience in San Diego. Insgesamt waren 44 Patienten behandelt worden, allerdings hatte es bei keiner der beiden Studien eine Kontrollgruppe gegeben, mit der sich die erzielten „Erfolge“ hätten vergleichen lassen. Solche randomisierten und placebokontrollierten Studie sind in der Medizin der Goldstandard: Die Patienten werden einer Behandlungsgruppe zugelost und man vergleicht mit der besten verfügbaren Therapie oder einem Scheinmedikament. Dass dies bei den beiden Studien nicht gemacht wurde, mindert die Beweiskraft.</p>
<p><strong>Zellen aus Fehlgeburten isoliert</strong></p>
<p>Die italienische Arbeitsgruppe hatte neuronale Stammzellen aus menschlichen Embryonen gewonnen, deren Mütter eine Fehlgeburt erlitten hatten. Jedem Patient wurden drei Injektionen mit jeweils etwa 50 Millionen der neuronalen Stammzellen ins Rückenmark injiziert. Um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern, bekamen die Studienteilnehmer sechs Monate lang Medikamente zur Unterdrückung der Immunantwort.</p>
<p>Zwar gab es keine ernsthaften Nebenwirkungen, jedoch wurde auch der Krankheitsverlauf kaum beeinflusst. Lediglich im Zeitraum von zwei bis vier Monaten nach dem Eingriff hatten elf der 18 Patienten etwas mehr Kraft in Armen und Beinen, als man erwarten durfte. Neun der 18 Patienten waren zum Zeitpunkt der Konferenz bereits an ihrer Krankheit gestorben. Dennoch kündigte Dr. <a href="https://www.researchgate.net/profile/Daniela_Ferrari">Daniele Ferrari</a> von der Abteilung Biotechnologie und Biowissenschaften der Universität Bicocca, Mailand an, dass man eine Studie der Phase II beginnen und diesmal größere Mengen an Zellen transplantieren wolle.</p>
<div id="attachment_1101" style="width: 330px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23230569"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1101" class="wp-image-1101 size-full" src="http://www.michaelsimm.de/wp-content/uploads/2017/09/320px-Eva_Sykova_in_2012.jpg" alt="" width="320" height="480" srcset="http://www.michaelsimm.de/wp-content/uploads/2017/09/320px-Eva_Sykova_in_2012.jpg 320w, http://www.michaelsimm.de/wp-content/uploads/2017/09/320px-Eva_Sykova_in_2012-200x300.jpg 200w" sizes="(max-width: 320px) 100vw, 320px" /></a><p id="caption-attachment-1101" class="wp-caption-text">Professor Eva Sykova (Foto: Martin Vlček, Kancelář Senátu &#8211; Senát Parlamentu České republiky, CC BY 3.0)</p></div>
<p>Die tschechische Arbeitsgruppe um Prof. Dr. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Sykov%C3%A1">Eva Sykova</a> vom Institut für Experimentelle Medizin ASCR in Prag hatte die Stammzellen aus den Patienten selbst gewonnen, im Labor vermehrt und dann bei einer Lumbalpunktion ins Nervenwasser injiziert. Kraft, Beweglichkeit und Gehfähigkeit der 26 Teilnehmer in dieser Studie wurden über 18 Monate hinweg verfolgt. Nach drei und nach sechs Monaten fanden die Forscher statistisch signifikante Verbesserungen sowohl auf der ALS Functional Rating Scale, als auch bei der forcierten Vitalkapazität, einem Maß für die Funktion der Lunge.</p>
<p><strong>Fragwürdige Vergleiche</strong></p>
<p>Da es innerhalb der Studie keine Vergleichsgruppe gab, musste man zur Bewertung den natürlichen Verlauf der Krankheit heranziehen. Dies scheint bei Zelltransplantationen gegen ALS inzwischen die Regel zu sein: Wissenschaftler der Cochrane Kollaboration hatten kürzlich die gesamte Literatur nach solchen Studien durchsucht, um deren Wirksamkeit zu beurteilen. Sie fanden aber keine mit adäquater Kontrollgruppe. Nicht auszuschließen ist deshalb, dass die Verbesserungen in beiden Studien auf einem Placeboeffekt beruhen.</p>
<p><strong>Experimentelle Behandlung außerhalb der Studie</strong></p>
<p>Trotz der geringen Aussagekraft der bisherigen Studien erhalten offenbar schon heute ALS-Patienten auch außerhalb von Studien Zelltransplantationen. So berichtete die Gruppe von Eva Sykova, dass 25 ihrer Patienten außerhalb von Studien behandelt worden sind. Inzwischen hätten sich auch Interessenten aus dem Ausland gemeldet, sagte die Forscherin auf der Neuroscience-Tagung.</p>
<p><strong><img decoding="async" class="alignleft size-full wp-image-1071" src="http://www.michaelsimm.de/wp-content/uploads/2017/07/96-book@2x.png" alt="" width="36" height="52" />Quellen:</strong></p>
<p>Syka M et al. Stem cells for treatment of Amyotrophic lateral sclerosis. Preclinical and clinical study. Abstract 45.01. Society for Neuroscience 47 Annual Meeting, San Diego, 12.11.2016.</p>
<p>Jendelova P et al. The effect of different applications of mesenchymal stem cells in the treatment of amyotrophic lateral sclerosis. Abstract 45.04. Society for Neuroscience 47 Annual Meeting, San Diego, 12.11.2016.</p>
<p>Mazzini L et al. Data from pre-clinical and completed phase I clinical studies with intraspinal injection of human neural stem cells in amyotrophic lateral sclerosis. Abstract 45.13. Society for Neuroscience 47 Annual Meeting, San Diego, 12.11.2016.</p>
<p><a href="https://doi.org/10.1002/14651858.CD011742.pub2">Abdul Wahid SF et al. Cell-based therapies for amyotrophic lateral sclerosis/motor neuron disease. Cochrane Database Syst Rev. 2016 Nov. 8;11:CD011742</a></p>
<p><em>(Überarbeitete Version eines Textes, der als Pressemitteilung geplant war, jedoch nicht veröffentlicht wurde)</em><img decoding="async" src="http://vg04.met.vgwort.de/na/437f9692e2f44e4db3038514b93a7514" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p><a class="a2a_button_print" href="https://www.addtoany.com/add_to/print?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Ffragwuerdige-zelltransplantationen-gegen-als%2F&amp;linkname=Fragw%C3%BCrdige%20Zelltransplantationen%20gegen%20ALS" title="Print" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_whatsapp" href="https://www.addtoany.com/add_to/whatsapp?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Ffragwuerdige-zelltransplantationen-gegen-als%2F&amp;linkname=Fragw%C3%BCrdige%20Zelltransplantationen%20gegen%20ALS" title="WhatsApp" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_email" href="https://www.addtoany.com/add_to/email?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Ffragwuerdige-zelltransplantationen-gegen-als%2F&amp;linkname=Fragw%C3%BCrdige%20Zelltransplantationen%20gegen%20ALS" title="Email" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_facebook" href="https://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Ffragwuerdige-zelltransplantationen-gegen-als%2F&amp;linkname=Fragw%C3%BCrdige%20Zelltransplantationen%20gegen%20ALS" title="Facebook" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_xing" href="https://www.addtoany.com/add_to/xing?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Ffragwuerdige-zelltransplantationen-gegen-als%2F&amp;linkname=Fragw%C3%BCrdige%20Zelltransplantationen%20gegen%20ALS" title="XING" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_linkedin" href="https://www.addtoany.com/add_to/linkedin?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Ffragwuerdige-zelltransplantationen-gegen-als%2F&amp;linkname=Fragw%C3%BCrdige%20Zelltransplantationen%20gegen%20ALS" title="LinkedIn" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_twitter" href="https://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Ffragwuerdige-zelltransplantationen-gegen-als%2F&amp;linkname=Fragw%C3%BCrdige%20Zelltransplantationen%20gegen%20ALS" title="Twitter" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_google_translate" href="https://www.addtoany.com/add_to/google_translate?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Ffragwuerdige-zelltransplantationen-gegen-als%2F&amp;linkname=Fragw%C3%BCrdige%20Zelltransplantationen%20gegen%20ALS" title="Google Translate" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a></p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Stammzellen gegen ALS?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Nov 2016 18:20:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Albert Ludolph]]></category>
		<category><![CDATA[ALS]]></category>
		<category><![CDATA[Daniela Ferrari]]></category>
		<category><![CDATA[Eva Sykova]]></category>
		<category><![CDATA[SfN]]></category>
		<category><![CDATA[Stammzellen]]></category>
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					<description><![CDATA[San Diego. Tschechische und italienische Wissenschaftler haben in unkontrollierten Studien der Phase I insgesamt 44 Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) Stammzellen ins Rückenmark implantiert, um den Verlauf der Krankheit zu bremsen. Etwa 25 weitere Patienten sind zudem außerhalb von Studien, aber mit Genehmigung der Behörden in der Tschechischen Republik behandelt worden, sagte Prof. Dr. Eva Sykova vom [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>San Diego</strong>. Tschechische und italienische Wissenschaftler haben in unkontrollierten Studien der Phase I insgesamt 44 Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) Stammzellen ins Rückenmark implantiert, um den Verlauf der Krankheit zu bremsen. Etwa 25 weitere Patienten sind zudem außerhalb von Studien, aber mit Genehmigung der Behörden in der Tschechischen Republik behandelt worden, sagte <a href="http://www.iem.cas.cz/institute/people/sykova/sykova-eva.html">Prof. Dr. Eva Sykova</a> vom <a href="http://www.iem.cas.cz/institute/">Institut für Experimentelle Medizin ASCR</a> und der Karls-Universität in Prag auf der Jahrestagung der US-amerikanischen Society for Neuroscience.</p>
<div id="attachment_2425" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50613323"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-2425" class="wp-image-2425 size-medium" src="http://www.hirnstimulator.de/wp-content/uploads/2016/11/Using_a_head_mounted_laser_to_point_to_a_communication_board-300x236.jpg" width="300" height="236" /></a><p id="caption-attachment-2425" class="wp-caption-text">Fortschreitende Lähmungen machen die Verständigung für ALS-Patienten immer schwieriger (Foto; Fezcat / Wikipedia , CC BY-SA 4.0)</p></div>
<p>&#8222;Die Zelltherapie könnte neue Möglichkeiten eröffnen die ALS zu heilen, indem sie neurotrophische Unterstützung für die Motorneuronen  und dysfunktionalen Gliazellen bereitstellt und das Immunsystem beeinflusst&#8220;, glaubt Sykova. Mit ihrem Team hatte sie zunächst menschliche mesenchymale Stammzellen (MSC) ins Gehirn von Ratten gespritzt. Die Tiere waren gentechnisch so verändert worden, dass sie ALS-ähnliche Krankheitszeichen entwickelt hatten und waren nach dem Eingriff eindeutig beweglicher und besser in der Lage zu greifen, als nicht behandelte Artgenossen.</p>
<p>Ziel der anschließenden offenen, nicht randomisierten Studie der Phase I/IIa, die von der Firma <a href="http://www.bioinova.cz/en/">Bioinova</a> finanziert wurde, war es &#8222;die Sicherheit und Wirksamkeit autologer, multipotenter mesenchymaler Stammzellen aus dem Knochenmark bei der Behandlung der ALS zu testen&#8220;. Jeweils etwa 15 Millionen dieser MSC wurden bei einer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lumbalpunktion">Lumbalpunktion</a> im Bereich der Lendenwirbel in das Nervenwasser gespritzt, und anschließend die Kraft, Beweglichkeit und Gehfähigkeit der Patienten über 18 Monate hinweg verfolgt. Vier verschiedene Bewertungsskalen kamen dabei zur Anwendung, darunter die <a href="http://www.outcomes-umassmed.org/als/alsscale.aspx">ALS Functional Rating Scale</a>. Hier fanden sich sowohl nach drei, als auch nach sechs Monaten statistisch signifikante Verbesserungen im Vergleich zum natürlichen Verlauf der Krankheit.</p>
<p>Im gleichen Zeitraum stabilisierte sich auch die forcierte Vitalkapazität, ein Maß für die Funktion der Lunge. Ernsthafte Nebenwirkungen des Eingriffs wurden nicht beobachtet. Die Patienten litten lediglich vorübergehend an Kopfschmerzen, was infolge einer Lumbalpunktion als normal gilt. &#8222;Unsere Ergebnisse zeigen, dass die intrathekale Injektion von mesenchymalen Knochenmarksstammzellen bei ALS-Patienten sicher ist, und dass sie &#8211; zumindest vorübergehend &#8211; das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen kann&#8220;, sagte Sykova.</p>
<p>Mit dem gleichen Ergebnis sind durch Sykovas Arbeitsgruppe etwa 25 weitere Patienten außerhalb der Studie behandelt worden, berichtete sie in San Diego. Auch ausländische Patienten interessierten sich für die Prozedur, beispielsweise aus den Niederlanden. Hier sei man in Verhandlungen mit der Krankenkasse, damit diese die Kosten für den Eingriff übernimmt.</p>
<p>Problematisch ist allerdings, dass die injizierten Zellen nicht lange überleben und auch nicht vor Ort bleiben. Man habe deshalb angefangen, statt einer Injektion drei zu verabreichen, sagte Sykova.</p>
<p>Zeitgleich präsentierte auch eine 30-köpfige italienische Arbeitsgruppe die Ergebnisse einer Phase I-Studie mit 18 ALS-Patienten, denen man embryonale Stammzellen injiziert hatte, die aus fötalen Fehlgeburten stammten. Für ihre Kollegen berichtete Dr. Daniele Ferrari von der <a href="http://www.btbs.unimib.it/?lang=en">Abteilung Biotechnologie und Biowissenschaften der Universität Bicocca, Mailand</a> über den Ausgang des Experiments, das man in Zusammenarbeit mit  dem Neurochirurgen <a href="http://neurology.emory.edu/ALS/research/boulis_laboratory.html">Dr. Nicholas Boulis</a> von der Emory-University im amerikanischen Atlanta durchgeführt hatte: Jeder Patient hatte drei Injektionen mit jeweils etwa 50 Millionen neuronalen Stammzellen erhalten &#8211; bei einem Drittel der Patienten im Bereich von Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule, und bei zwei Dritteln an der Halswirbelsäule.</p>
<p>Danach erhielten alle Studienteilnehmer sechs Monate lang Medikamente zur Unterdrückung der Immunantwort gegen die fremden Zellen. Auch bei diesem Versuch gab es keine ernsthaften Nebenwirkungen, stellen die Wissenschaftler fest. Lediglich an der Einstichstelle verspürten die Patienten bis zu vier Tage lang leichte Schmerzen.</p>
<p>Allerdings vermochte die Prozedur den Krankheitsverlauf kaum zu beeinflussen. &#8222;Wir haben eine geringfügige Verlangsamung des Verfalls festgestellt im Zeitraum von zwei bis vier Monaten nach dem Eingriff&#8220;, sagte Ferrari. Elf der 18 Patienten hatten in diesem Zeitraum etwas mehr Kraft in Armen und Beinen, als man erwarten durfte. Allerdings sind insgesamt neun der Patienten seit dem Eingriff an ALS gestorben, sodass es wohl keine positiven Überraschungen mehr aus dieser Studie geben wird. Dennoch gab sich Ferrari optimistisch: &#8222;Wir werden eine Studie der Phase II beginnen und diesmal größere Mengen an Zellen transplantieren&#8220;, kündigte sie in San Diego an.</p>
<p>In Deutschland wurden Stammzelltherapien gegen neurologische Erkrankungen bisher noch kaum erprobt. Für negative Schlagzeilen hatte dabei vor allem das Düsseldorfer XCell-Center gesorgt, wo man Zelltransplantationen gegen eine Vielzahl von Erkrankungen auf Selbstzahlerbasis angeboten hatte. Mehrfach hatten Wissenschaftler und Fachverbände wie die Deutsche Gesellschaft für Neurologie die Erfolgschancen dieser Angebote bezweifelt und die mangelnde wissenschaftliche Grundlage kritisiert. Nach dem Tod eines 18 Monate alten Jungen im Rahmen einer dieser &#8222;Therapien&#8220; wurde das XCell-Center schließlich im Jahr 2011 geschlossen.</p>
<p>Prof. Dr. Albert Ludolph, Leiter der Neurologie an der Universitätsklinik Ulm steht deshalb verfrühten Versuchen zur Stammzelltherapie bei ALS kritisch gegenüber. Das seien oftmals &#8222;Geschäfte in der Grauzone&#8220;, <a href="http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4904497">sagte er gegenüber der Webseite Medscape</a>. &#8222;Betroffenen werden viel zu häufig falsche Hoffnungen gemacht.&#8220;</p>
<p><strong>Quellen:</strong></p>
<ul>
<li>Abstract 45.01 Syka M et al. Stem cells for treatment of Amyotrophic lateral sclerosis. Preclinical and clinical study. Society for Neuroscience 47 Annual Meeting, San Diego, 12.11.2016.</li>
<li>Abstract 45.04 Jendelova P et al. The effect of different applications of mesenchymal stem cells in the treatment of amyotrophic lateral sclerosis. Society for Neuroscience 47 Annual Meeting, San Diego, 12.11.2016.</li>
<li>Abstract 45.13 Mazzini L et al. Data from pre-clinical and completed phase I clinical studies with intraspinal injection of human neural stem cells in amyotrophic lateral sclerosis. Society for Neuroscience 47 Annual Meeting, San Diego, 12.11.2016.<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg01.met.vgwort.de/na/03d735c7b208401faeb334a91b8cefb3" alt="" width="1" height="1" /></li>
</ul>
<p><a class="a2a_button_print" href="https://www.addtoany.com/add_to/print?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fstammzellen-gegen-als%2F&amp;linkname=Stammzellen%20gegen%20ALS%3F" title="Print" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_whatsapp" href="https://www.addtoany.com/add_to/whatsapp?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fstammzellen-gegen-als%2F&amp;linkname=Stammzellen%20gegen%20ALS%3F" title="WhatsApp" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_email" href="https://www.addtoany.com/add_to/email?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fstammzellen-gegen-als%2F&amp;linkname=Stammzellen%20gegen%20ALS%3F" title="Email" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_facebook" href="https://www.addtoany.com/add_to/facebook?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fstammzellen-gegen-als%2F&amp;linkname=Stammzellen%20gegen%20ALS%3F" title="Facebook" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_xing" href="https://www.addtoany.com/add_to/xing?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fstammzellen-gegen-als%2F&amp;linkname=Stammzellen%20gegen%20ALS%3F" title="XING" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_linkedin" href="https://www.addtoany.com/add_to/linkedin?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fstammzellen-gegen-als%2F&amp;linkname=Stammzellen%20gegen%20ALS%3F" title="LinkedIn" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_twitter" href="https://www.addtoany.com/add_to/twitter?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fstammzellen-gegen-als%2F&amp;linkname=Stammzellen%20gegen%20ALS%3F" title="Twitter" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a><a class="a2a_button_google_translate" href="https://www.addtoany.com/add_to/google_translate?linkurl=http%3A%2F%2Fwww.michaelsimm.de%2Fstammzellen-gegen-als%2F&amp;linkname=Stammzellen%20gegen%20ALS%3F" title="Google Translate" rel="nofollow noopener" target="_blank"></a></p>]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>Warnung vor Stammzelltherapie mit adulten Zellen</title>
		<link>http://www.michaelsimm.de/warnung-vor-stammzelltherapie-mit-adulten-zellen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michel2015]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2009 18:47:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[ALS]]></category>
		<category><![CDATA[Parkinson]]></category>
		<category><![CDATA[Stammzellen]]></category>
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					<description><![CDATA[Wo verläuft die Grenze zwischen wissenschaftlich fundierten Heilversuchen und dem unseriösen, ja skrupellosen Geschäft mit der Hoffnung? Diese Frage ist im Gesundheitswesen mit seinem kaum durchschaubaren Geflecht an Interessensgruppen oft schwer zu beantworten. Sicher ist aber, dass diejenigen, die laut und meinungsstark für einen besseren Schutz verzweifelter Patienten plädieren, sich auf ein juristisches Minenfeld begeben. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wo verläuft die Grenze zwischen wissenschaftlich fundierten Heilversuchen und dem unseriösen, ja skrupellosen Geschäft mit der Hoffnung? Diese Frage ist im Gesundheitswesen mit seinem kaum durchschaubaren Geflecht an Interessensgruppen oft schwer zu beantworten. Sicher ist aber, dass diejenigen, die laut und meinungsstark für einen besseren Schutz verzweifelter Patienten plädieren, sich auf ein juristisches Minenfeld begeben. Gegendarstellungen, Abmahnungen samt &#8222;strafbewehrter Unterlassungserklärung&#8220; und Klage auf Schadensersatz bedeuten dann meistens auch: Es geht um viel Geld.<img loading="lazy" decoding="async" src="http://vg08.met.vgwort.de/na/6873b11e7c7a4ddbb2909763b4fc23c5" alt="" width="1" height="1" /></p>
<div id="attachment_652" style="width: 420px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-652" class="size-full wp-image-652" title="Rudolf Jaenisch" src="http://simmformation.michaelsimm.de/wp-content/uploads/2009/10/Rudolf-Jaenisch.bmp" alt="Rudolf Jaenisch" width="410" height="410" /><p id="caption-attachment-652" class="wp-caption-text">Politisch engagiert und &quot;sehr besorgt&quot;: Rudolf Jaenisch, gewann den Schering-Preis 2009 (Copyright: Jaenisch)</p></div>
<p>Zwischen 7545 Euro und 26000 Euro verlangt das <a href="http://www.xcell-center.de/">XCell-Center</a> von Patienten, die sich in Düsseldorf oder Köln Stammzellen aus dem Knochenmark entnehmen und diese nach einigen Tagen wieder in den Körper spritzen lassen. Mehr als 1600 Kranke hätten von diesem Angebot bereits Gebrauch gemacht, meldet das private Institut auf seiner Webseite. Unter den behandelten Krankheiten listet man dort die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Amyotrophe_Lateralsklerose">Amyothrophe Lateralskelerose (ALS)</a>, Alzheimer, Arthrose und Diabetes, Erektionsstörungen, die frühkindliche <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Infantile_Zerebralparese">Zerebralparese</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arteriosklerose">Arteriosklerose (&#8222;Arterienverkal-kung&#8220;)</a>, die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Makuladegeneration">Makuladegeneration</a> als häufigste Ursache der Blindheit, die Multiple Sklerose, die Parkinson-Krankheit, den Schlaganfall und schließlich Verletzungen des Rückenmarks bis hin zur kompletten Querschnittslähmung. Viele dieser Krankheiten gelten als unheilbar, bei manchen kann man auch mit Medikamenten nur wenig ausrichten.</p>
<p>Die gesetzlichen Krankenkassen &#8211; per Gesetz verpflichtet, nur das zu zahlen, was &#8222;ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich&#8220; ist &#8211; erstatten die Kosten der Eingriffe beim XCell-Center nicht. Patienten, die willens und in der Lage sind, die Behandlung aus eigener Tasche zu bezahlen, gibt es dennoch genug. Sie werden im In- und Ausland mit Anzeigen geworben &#8211; etwa bei Google, wo von &#8222;ersten Erfolgen bei der innovativen Stammzelltherapie in Deutschland&#8220; zu lesen ist. Telefonische Ansprechpartner gibt es nicht nur für Deutschland, Österreich und Schweiz, sondern neben vielen anderen Ländern auch für die USA und Kanada, Australien und Neuseeland, Italien, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande, für &#8222;russisch sprechende Personen&#8220; und für den Nahen Osten.</p>
<p><strong>&#8222;Versprechungen ohne Basis</strong>&#8220;</p>
<p>Seit Januar 2007 läuft das Geschäft, doch nun wollen Neurologen wie Grundlagenforscher dem offenbar nicht länger zusehen. &#8222;Diese Versuche entbehren jeglicher wissenschaftlicher Grundlage und ich bin sehr besorgt, dass hier zum Teil Versprechungen gemacht werden, die überhaupt keine Basis haben und die verzweifelte Patienten dazu bringen, 20000 Euro auszugeben&#8220;, sagte Rudolf Jaenisch, einer der Pioniere der Stammzellforschung, als er kürzlich in Berlin den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Schering_Preis">Ernst Schering Preis</a> entgegen nahm. Es sei &#8222;erstaunlich dass solche so genannten Kliniken so etwas überhaupt anbieten dürfen&#8220;, kritisierte der deutschstämmige Wissenschaftler, der 1984 das renommierte <a href="http://www.wi.mit.edu/">Whitehead Institute of Biomedical Research</a> mitbegründet hat und der als Professor am Massachusetts Institute of Technology eine große Forschergruppe leitet. Als hätte man Jaenischs Worte unterstreichen wollen, lobte man den &#8222;Vater&#8220; der ersten gentechnisch veränderten Maus bei der Preisvergabe auch noch für seine &#8222;besonnene und ethisch-verantwortungsvolle Beteiligung an der politischen Diskussion zur Forschung an menschlichen Stammzellen&#8220;.</p>
<p><strong>&#8222;Ich dachte, es hilft&#8220;</strong></p>
<p>Am gleichen Tag gingen auch die <a href="http://www.dgn.org/">Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)</a> und die <a href="http://www.parkinson-gesellschaft.de/">Deutsche Parkinson-Gesellschaft</a> mit einer gemeinsamen Stellungsnahme erneut in die Offensive. &#8222;Der Behandlung von Parkinson-Patienten mit so genannten adulten Stammzellen fehlt nach dem aktuellen Kenntnisstand jeglicher Nutzen&#8220;, sagte DGN-Vorstandsmitglied Wolfgang Oertel bei einer Pressekonferenz in Nürnberg. Als &#8222;Kronzeugin&#8220; präsentierte Oertel die Patientin Petra Aschenbeck, die sich am XCell-Center gegen ihre Parkinson-Krankheit hatte behandeln lassen. &#8222;Ich dachte es hilft, aber nach fünf Wochen ging es mir schlechter als zuvor&#8220;, so die frühere Standesbeamtin. Ohne Rücksprache mit ihrem Neurologen hatte sie sich zunächst Knochenmark aus dem Hüftknochen entnehmen lassen, die darin enthaltenen Stammzellen seien ihr dann wieder infundiert worden. &#8222;Anderen würde ich das nicht empfehlen&#8220;, sagte Aschenbeck und will die 7500 Euro nun gerichtlich wieder einklagen, die ihre Eltern für die Behandlung vorab bezahlt hatten. Oertel sind mindestens 15 ähnliche Fälle bekannt, &#8222;darunter einige, die gar nicht an Parkinson litten&#8220;. Die Krankengeschichten all dieser Patienten sollen nun dokumentiert und in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht werden, kündigte Oertel an.</p>
<p>Auch bei XCell ist man indes nicht untätig. Schon wenige Tage nach den geballten Vorwürfen, ohne wissenschaftliche Grundlage zu arbeiten, erschienen auf der Webseite des Instituts mehrere Auswertungen, die den Erfolg der Behandlungen dokumentieren sollen. So seien bei der &#8222;statistischen Nachevaluierung&#8220; von 30 Patienten mit einer Cerebralparese bei fast 70 Prozent der mit adulten Stammzellen behandelten Patienten eine Verbesserung ihrer Symptome festgestellt worden. Und weiter: &#8222;Bei 40 % der behandelten Patienten wurde eine Besserung der Sprachfähigkeit beobachtet. Bei 20 % der Fälle wurde ein signifikanter Rückgang oder ein komplettes Fernbleiben epileptischer Anfälle beobachtet.&#8220; Ähnliche Stabdiagramme sollen die Ergebnisse einer Studie mit 19 Patienten mit Multipler Sklerose dokumentieren. Anderswo berichtet man über eine &#8222;Studie mit 53 unserer Patienten mit amyotropher lateraler Sklerose&#8220;.</p>
<p>Doch die vom XCell-Center gegen die ALS eingesetzten, unveränderten adulten Stammzellen halten die weltweit führenden Forscher auf diesem Gebiet für aussichtslos. So drehte sich zwar bei einem <a href="http://www.fondationandredelambre.com/html/symposiumeng.html">Symposium der Delambre Stiftung</a> im kanadischen Quebec Ende September eine ganze Sitzung um Stammzellen &#8211; allerdings nur um solche, die aus Embryonen stammen oder die aus Patienten gewonnenen und anschließend mit Hilfe der Gentechnik &#8222;umprogrammierten&#8220; so genannten induzierten, pluripotenten Stammzellen (&#8222;Ipsen)&#8220;. Sie sollen für Tierversuche und für Medikamententests erprobt werden (<a href="http://www.alzforum.org/new/detail.asp?id=2249">englischsprachiger Bericht dazu bei Alzforum.org</a>).</p>
<p><a name="ALS"></a>Die weltweit erste Sicherheitsstudie, bei der ALS-Patienten im Labor veränderte Stammzellen erhalten sollen, hatte die US-Zulassungsbehörde FDA eine Woche zuvor genehmigt. Nun sollen zunächst 12 von 18 Freiwilligen unter der Leitung von <a href="http://www.med.umich.edu/PNRD/About/faculty.htm#director">Eva Feldmann</a> an der Emory-Universität in Atlanta behandelt werden, sofern das dortige Ethik-Kommittee den Versuch genehmigt. Dann erst dürfen die Ärzte den Patienten die geplanten fünf bis zehn Injektionen mit aus dem Rückenmark gewonnenen und im Labor veränderten &#8222;neuralen Stammzellen&#8220; verabreichen. Die Probanden würden dann in regelmäßigen Abständen nach der Therapie untersucht und die Daten abschließend nach zwei Jahren beurteilt, kündigte der Hersteller der patentierten Zellen, die Firma <a href="http://neuralstem.com/">Neuralstem </a>an.</p>
<p><strong>In den USA braucht die Therapie eine Genehmigung, in Deutschland nicht</strong></p>
<p>Der Genehmigung durch die FDA waren mehrmonatige Prüfungen voran gegangen, bei denen die Zulassungsbehörde von Neuralstem auch Änderungen des Studienprotokolls verlangt hatte, um die Sicherheit des Experiments zu erhöhen. In Deutschland dagegen sind sich die Juristen noch uneins, ob die am XCell-Center angebotenen Therapien mit der jüngsten Änderung des Arzneimittelgesetzes am 23. Juli dieses Jahres genehmigungspflichtig wurden. Falls dem so wäre, könnte man sich in Düsseldorf immer noch auf eine Übergangsregelung berufen. Sie gilt EU-weit bis Ende 2012.</p>
<p>Skeptisch macht, dass die hauseigenen &#8222;Studien&#8220; auf der Webseite des Unternehmens allesamt ohne Vergleichsgruppe sind. Ohne aber zu wissen, wie es vergleichbaren Patienten mit einer Scheinbehandlung (Placebo) ergangen wäre,  kann niemand sagen, wie wirksam die Stammzellkur gegenüber herkömmlichen Therapien tatsächlich ist. Die Berichte einzelner Patienten über eine Besserung ihrer Beschwerden könnten angesichts des schwankenden Verlaufs etwa der Multiplen Sklerose oder der Parkinson-Krankheit durchaus auf zufälligen Veränderungen beruhen.</p>
<div id="attachment_658" style="width: 319px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-658" class="size-large wp-image-658" title="Wolfgang Oertel" src="http://simmformation.michaelsimm.de/wp-content/uploads/2009/10/Wolfgang-Oertel-441x600.jpg" alt="Parkinson-Experte Wolfgang Oertel (Foto: DGN)" width="309" height="420" /><p id="caption-attachment-658" class="wp-caption-text">Parkinson-Experte Wolfgang Oertel (Foto: DGN)</p></div>
<p><strong>XCell-Beirat: Keine Publikationen zu Stammzellen</strong></p>
<p>Auffällig ist, dass keiner der XCell-Mitarbeiter sich bislang mit Publikationen über Stammzellen hervor getan hat. Denn wer unter Wissenschaftlern etwas gelten will, dokumentiert seine Leistungen am besten dadurch, dass er seinen Kollegen in anerkannten Fachzeitschriften die Ergebnisse seiner Arbeit zum nachlesen präsentiert. In diesem Fall fördert eine kurze Literatursuche bei <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez?db=pubmed">Pubmed</a> für den XCell-Kritiker Jaenisch 154 Publikationen über Stammzellen zutage. Dagegen findet sich für die drei laut X-Cell-Center &#8222;internationalen Experten&#8220; des eigenen wissenschaftlichen und medizinischen Beirats zu diesem Thema keine einzige Veröffentlichung. Wolfgang Oertel hat über 450 Originalpublikationen vorzuweisen &#8211; die meisten davon über die Parkinson-Krankheit &#8211; und auch hier geht der XCell-Beirat leer aus.</p>
<p>Womöglich floriert das Unternehmen auch deshalb, weil die dort beworbenen &#8222;adulten&#8220;, also &#8222;erwachsenen&#8220; Stammzellen hierzulande von vielen Politikern als Königsweg aus einem ethischen Dilemma gesehen werden: Als James Thomson an der Universität von Wisconsin 1998 erstmals menschliche embryonale Stammzellen (ES) isoliert hatte,  glaubte die überwiegende Mehrzahl der Experten, das diese ES-Zellen die besten Kandidaten für eine Therapie am Menschen seien (siehe Hintergrund: <a href="http://simmformation.michaelsimm.de/2009/10/stammzellen-hoffnungstrager-mit-risiken/">Stammzellen &#8211; Hoffnungsträger mit Risiken</a>). Diese Zellen hatte Thomson jedoch aus wenige Tage alten, „überzähligen“ menschlichen Embryonen gewonnen, die in amerikanischen Kliniken mit einer künstlichen Befruchtung gezeugt und dann nicht mehr benötigt wurden, weil sich der Wunsch der Eltern nach einem Kind bereits erfüllt hatte. Nun gilt Thomson zwar mittlerweile als Kandidat für den Nobelpreis, in Deutschland würde seine Art der &#8222;Fremdnutzung“ menschlicher Embryonen jedoch mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft.</p>
<p>Kein Wunder, dass auch viele Forscher jubilierten, als in angesehenen Fachzeitschriften Berichte erschienen, die den Anschein erweckten, dass Stammzellen erwachsener Menschen &#8211; etwa aus dem Knochenmark &#8211; sich ebenfalls durch Zugabe bestimmter Proteine und Wachstumsfaktoren umformen und fast unbegrenzt vermehren ließen. Das Ethik-Problem schien gelöst, als auch noch erste Erfolgsberichte aus der klinischen Forschung kamen. &#8222;Man muss keine Embryonen töten, um kranken Menschen zu helfen&#8220;, folgerte etwa der CDU-Vize und frühere Forschungsminister Jürgen Rüttgers aus dem Schicksal eines einzigen Herzinfarktpatienten. Heute ist Rüttgers Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, eben jenes Bundeslandes, wo das XCell-Center seinen Sitz hat. Ende August gab das <span>Ordnungsamt der Landeshauptstadt Düsseldorf dem XCell-Center d</span><span>ie Erlaubnis zum Betrieb einer Privatkrankenanstalt nach § 30 der Gewerbeordnung. Seitdem darf man sich auch offiziell &#8222;Klinik&#8220; nennen.</span></p>
<p><span>Doch die Berichte über die Wandlungsfähigkeit und die Heilkraft der adulten Stammzellen seien &#8222;nicht glaubwürdig&#8220; und &#8222;überholt&#8220;, ärgert sich Jaenisch. &#8222;Wenn man sich das genau anschaut, gibt es längst andere Interpretationen, die Daten sind einfach nicht überzeugend&#8220;. Adulte Stammzellen seien zwar &#8222;unglaublich wichtig&#8220;, es müsse aber </span><span>vor deren Anwendung bei menschlichen Patienten </span><span>noch sehr viel mehr gelernt werden. &#8222;Ich weiß, dass dies auch bei Herzerkrankungen hier in Deutschland in großem Stil gemacht wird &#8211; aber ich würde es bei mir nicht machen lassen&#8220;, urteilte Jaenisch in Berlin. In Nürnberg schlug Oertel in die gleiche Kerbe und</span> appellierte an den Gesetzgeber, derartigen Behandlungsangeboten einen eindeutigen Riegel vorzuschieben.</p>
<p><strong>Weitere Informationen:</strong></p>
<ul>
<li>In einem <a href="http://www.br-online.de/studio-franken/aktuelles-aus-franken/nuernberg-neurologenkongress-2009-kw39-ID1253694691021.xml">Online-Video des Bayerischen Rundfunks</a> kommt die Parkison-Patientin Petra Aschenbeck zu Wort: Sie hat sich im XCell-Center ohne Erfolg behandeln lassen und will nun ihr Geld zurück.</li>
<li>Zur geplanten Phase I-Studie mit ALS-Patienten informieren die <a href="http://www2.med.umich.edu/prmc/media/newsroom/details.cfm?ID=1306">Universität Michigan</a>, die <a href="http://www.neurology.emory.edu/ALS/WhatsNew.html">Emory Universität</a> und der Hersteller der Zellen, die <a href="http://investor.neuralstem.com/phoenix.zhtml?c=203908&amp;p=irol-newsArticle&amp;ID=1333659&amp;highlight=">Firma Neuralstem</a>.</li>
<li><a href="http://simmformation.michaelsimm.de/2009/10/stammzellen-hoffnungstrager-mit-risiken/">Was jeder über Stammzellen wissen sollte &#8211; Die ständig aktualisierte Übersicht mit Links und einer kleinen Geschichte der Stammzellforschung bei Simmformation v7</a></li>
<li>Das volle Programm: <a href="http://simmformation.michaelsimm.de/Stichwort/stammzellen/">Alle Artikel über Stammzellen bei Simmformation v7</a>.</li>
<li><a href="http://simmformation.michaelsimm.de/Stichwort/parkinson/">Alle Artikel über die Parkinson-Krankheit bei Simmformation v7</a></li>
</ul>
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