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Krebspatienten oft schlecht ernährt

Etwa jeder dritte Krebspatient, der in einer Schwerpunktpraxis versorgt wird, ist unzureichend ernährt. Herausgefunden hat dies ein Team um Professor Hans Hauner, Leiter des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München.

Veröffentlicht wurden die Erkenntnisse jetzt in der Deutschen Medizinischen Wochenzeitschrift. Bisher gab es keine derartigen Untersuchungen zu ambulanten Patienten in Deutschland. Dies, obwohl Schätzungen nach Angaben der Forscher ergeben haben, dass etwa ein Viertel aller Tumorpatienten nicht an ihrer Grunderkrankung versterben, sondern an den Folgen einer damit verbundenen Mangelernährung. Die Therapie ist bei den geschwächten Patienten weniger erfolgreich, es kommt häufiger zu Komplikationen und natürlich verringert sich die Lebensqualität der Betroffenen.

Um herauszufinden, wie groß das Problem ist, haben Hauner und dessen Kollegen 44 Praxen im südbayerischen Raum angeschrieben und um Unterstützung gebeten. Leider haben nur 17 dieser Praxen mitgemacht, was die Genauigkeit der Ergebnisse schmälern dürfte. Vermutlich haben diejenigen, die wenig Interesse an dem Thema haben, auch seltener an der Umfrage teilgenommen. Die Daten spiegeln deshalb womöglich eher die Situation in Praxen, wo man sich des Problems bewusst ist. Heraus kam jedenfalls, dass unter 17 teilnehmenden Schwerpunktpraxen für Onkologie:

Nur eine Praxis beim ersten Kontakt systematisch nach einer Mangelernährung gesucht hat, nur drei Praxen allen Patienten eine vorbeugende Ernährungsberatung angeboten haben, in zehn Praxen eine Beratung nur dann erfolgte „wenn der Ernährungszustand dies erforderte“, und dass nicht einmal jeder dritte Patient nach der Diagnose eine Ernährungsberatung erhalten hatte.

Unter den 765 Patienten, die die Fragebögen ausgefüllt hatten, war die Mangelernährung weit verbreitet. Dies wurde mit zwei verschiedenen Skalen gemessen, der MUST (Malnutrition Universal Screening Tool) und dem NRS-2002 (Nutritional Risk-Screening-2002). Der MUST fand ein mittleres Risiko für eine Mangelernährung bei 15,4 Prozent der Teilnehmer, und ein hohes Risiko bei 19,5 Prozent. Laut NRS-2002 hatten 29,1 Prozent ein erhöhtes Risiko. Im Mittel hatten die Patienten in den drei bis sechs Monaten vor der Befragung 2,7 Kilogramm abgenommen, und etwa jeder siebte hatte sogar mehr als ein Zehntel seines Ausgangsgewichts verloren.

In einer begleitenden Pressemitteilung heißt es: “Der Ernährungsexperte sieht einen dringenden Handlungsbedarf, um vorhandene Versorgungslücken zu schließen. Ein Screening und eine darauf abgestimmte frühzeitige Ernährungsberatung sollten ein fester Bestandteil in der ambulanten Betreuung von Patienten mit einer Tumorerkrankung sein.”

(Was man aber auch erwähnen sollte ist ein potenzieller Interessenkonflikt Hauners, der natürlich die Bedeutung einer Ernährungsberatung betont, dabei neben seiner Position als Institutsleiter zugleich Buchautor und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Danone Deutschland, Oviva Gmbh, Boehringer Ingelheim und Novo Nordisk ist. Gespannt warten wir hier deshalb auf weitere Studien die zeigen, wie die geforderten Interventionen sich auf die Lebensqualität und auf die Lebenserwartung der Patienten auswirken.)

Quellen:

Hauner H et al: Häufigkeit eines Risikos für Mangelernährung bei Patienten in onkologischen Schwerpunktpraxen – eine Querschnittserhebung. Dtsch Med Wochenschr. 2020;145(1):e1–e9. doi:10.1055/a-1008-5702.

Pressemitteilung des Thieme-Verlages

Google-Technik soll Brustkrebs erkennen

Die Mammographie ist ein Verfahren, bei dem Röntgenbilder der weiblichen Brust angefertigt werden. Ziel ist es, eine Krebserkrankung möglichst früh zu erkennen, genauer zu erfassen, oder auszuschließen. Die schwierige Aufgabe erfordert ein langes Fachstudium, und selbst Radiologen mit großer Erfahrung liegen mit ihren Beurteilungen nicht selten daneben. Die Folge sind falsche Alarme („falsch Positive“), die zur Verunsicherung der Frauen führen und zu Nachuntersuchungen, die sich erst im Rückblick als unnötig herausstellen. Dazu kommen noch Tumoren, die übersehen werden („falsch Negative“), und die weniger gut behandelt werden können, wenn sie schließlich doch auffällig werden.

Genauere Diagnosen erhofft man sich von der Technik der künstlichen Intelligenz (KI), die von Firmen wie Google und Microsoft erforscht und zunehmend eingesetzt wird. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der selbstlernenden Computerprogrammen, die Anhand von Bildern und anderen Mustern Vorhersagen treffen sollen.

Eine Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht – und von Google finanziert – wurde zeigt, wohin die Reise gehen könnte: Ein Forscherteam trainierte die Software mit Mammographie-Bildern von 26.000 Frauen aus Großbritannien und 3000 aus den USA. Ob die Diagnosen richtig waren, konnte man überprüfen, weil die Frauen etwa 3 Jahre später erneut untersucht wurden.

Beim Vergleich der Vorhersage-Genauigkeit hatte die Software sowohl weniger falsche Alarme verursacht, als auch weniger Tumoren übersehen. Auch als die Forscher das KI-System lediglich mit den britischen Daten trainierten, und anschließend anhand der US-Daten testeten, war „Dr. Google“ überlegen. Gegenüber den US-Ärzten hatte die Software 3,5 Prozentpunkte weniger falsch Positive und 8,1 Prozentpunkte weniger falsch Negative. Dies zeigt, dass die Software länderübergreifend zum Einsatz kommen könnte und nicht nur in jenen Regionen, wo sie ursprünglich getestet wurde. Theoretisch könnten daher weltweit Engpässe in der Versorgung gelindert und vielerorts die Qualität verbessert werden.

Kritisch anzumerken ist allerdings, dass die Studie die Praxisbedingungen in vielen Ländern mit guter Versorgung ignoriert hat. So war die „statistisch signifikante“ Überlegenheit der Google-Software in Großbritannien nicht besonders ausgeprägt und bezog sich nur auf die jeweils ersten Radiologen, die dort die Mammogramme begutachtet haben. Üblich ist im britischen System – wie auch im deutschen – allerdings die Prüfung durch (mindestens) 2 Radiologen, von denen der zweite den Befund des ersten kennt. Legt man diesen Maßstab an, so war KI-System weniger gut als jeweils 2 Fachärzte. Der Unterschied war allerdings gering, und es ist abzusehen, dass lernfähige KI-Systeme wie das hier getestete schon bald zur Ausstattung einer modernen Praxis gehören werden. Wenn schon nicht als „Dr. Google“ dann vielleicht als „Assistent Google“.

Quelle:

McKinney SM, Sieniek M, Godbole V, et al. International evaluation of an AI system for breast cancer screening. Nature. 2020;577(7788):89–94. doi:10.1038/s41586-019-1799-6.

(Publikumsversion eines nur für Ärzte zugänglichen Fachartikels für Univadis.de, erschienen am 5. Januar 2020)

Ganz kurz: Übergewicht und Demenz

Erkranken dicke Frauen häufiger an einer Demenz? Diese Frage haben sich Forscher um Sarah Floud vom Nuffield Department of Population Health an der Universität Oxford vorgenommen, und dafür Daten aus der „Million Women Study“ angeschaut. Wie der Name schon sagt haben daran – in den Jahren 1996 bis 2001 – mehr als eine Million Frauen in Großbritannien teilgenommen, die zwischen 50 und 64 Jahre alt waren.

Heraus kam, dass in der Tat Frauen, die im mittleren Lebensabschnitt stark übergewichtig sind, ein mäßig erhöhtes Risiko haben, später an einer Demenz, wie z.B. Alzheimer zu erkranken. Wegen der großen Zahl der Teilnehmerinnen und der langen Beobachtungszeit (durchschnittlich 18 Jahre) darf man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass dieses Ergebnis „real“ ist, also nicht auf zufälligen Schwankungen oder Fehlern bei der Analyse beruht.

Was wurde gemessen? Erst Mal der Body-Mass-Index (BMI), der das Körpergewicht im Verhältnis zur Größe angibt. Normal sind 18,5 bis 24,9, darüber beginnt das Übergewicht, und ab einem Wert von 30 spricht man von Adipositas (auf deutsch: Fettleibigkeit). Erfasst wurde außerdem, wieviel die Frauen sich bewegt haben, und für mehr als die Hälfte auch das Essverhalten.

Unter den 18695 Frauen, die in dieser Untersuchung später an Demenz erkrankten, waren solche mit einem (früheren) BMI über 30 eindeutig gehäuft vertreten. Das Risiko für diese, stark übergewichtigen, Frauen war aber „nur“ um 21 Prozent erhöht gegenüber jenen, deren Gewicht normal war.

Ob das Übergewicht auch die Ursache der Demenz war, ist mit solch einer Studie allerdings nicht zu beweisen. Möglich ist auch, dass die Fettleibigkeit andere Vorgänge im Körper widerspiegelt (wie beispielsweise erhöhte Blutfettwerte, die zu einer Arterienverkalkung führen, die wiederum als Ursache von Demenzen anerkannt ist).

Übrigens spielten die anderen Punkte langfristig offenbar keine Rolle: Weder wirkte sich die Kalorienaufnahme auf das Demenzrisiko aus, noch war es bei jenen erhöht, die sich weniger als ein Mal pro Woche körperlich betätigt hatten.

Quelle:
Floud S, Simpson RF, Balkwill A, et al. Body mass index, diet, physical inactivity, and the incidence of dementia in 1 million UK women. Neurology. 2019;10.1212/WNL.0000000000008779. doi:10.1212/WNL.0000000000008779.

Finanzierung: UK Medical Research Council, Cancer Research UK.

(Publikumsversion eines nur für Ärzte zugänglichen Fachartikels für Univadis.de, erschienen am 3. Januar 2020)