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Software-Test PC-File:dB

Ein hervorragendes Preis/Leistungs-Verhältnis bietet PC-File:dB, ein Datenbankprogramm in englischer Sprache. Die beiden leicht verständlichen und gut geschriebenen Handbücher helfen, die Sprachbarriere zu überwinden. Die kontextabhängige Hilfsfunktion und der zuschaltbare „Lehrmodus“ erleichtern den Einstieg.

PC-File überrascht den Anwender mit einer Vielzahl an Funktionen und pfiffigen Ideen. Dabei begnügt sich das Programm mit 416 KB RAM und knapp einem Megabyte an Speicherplatz. Das „dB“ im Namen weist darauf hin, dass die erzeugten Dateien voll kompatibel mit dem Standardformat dBase sind. Umgekehrt kann PC-File diese Dateien auch ohne weiteres lesen und bearbeiten. Der reibungslose Datenaustausch mit anderen Programmen ist damit sichergestellt.

Die Dateneingabe erfolgt in Standardtabellen oder in frei gestaltete Masken. Auf Knopfdruck werden ganze Datensätze oder einzelne Felder dupliziert. Felder können automatisch (z.B mit dem aktuellen Datum) gefüllt werden oder konstante Werte aufweisen, die aus anderen Tabellen importiert werden. Diese Möglichkeiten ersparen viel Schreibarbeit. Bis zu zehn Indexfelder pro Datei erlauben die schnelle Suche nach Informationen – auch ähnlich lautende Begriffe werden dabei gefunden.

Beim Sortieren hat Autor Jim Button ebenfalls weiter gedacht. Wer schon einmal eine Adressenliste nach Geburtstagen ordnen wollte, kennt das Problem: Die ältesten Freunde stehen oben, weil sich das Geburtsjahr nicht ignorieren lässt. PC-File schafft hier Abhilfe, erkennt außerdem auch römische Zahlen oder mischt eine Startliste mit Hilfe des Zufallgenerators.

Für die Erstellung von Serienbriefen steht ein eigener Editor zur Verfügung, ein Zusatzprogramm erlaubt den Ausdruck von Adressaufklebern. 22 Makros pro Datei sind möglich und als Zugabe erstellt PC-File auch noch Graphiken, einschließlich Logarithmusskala und Regressionsgeraden.

PC-File:dB 1.0″; ButtonWare, Inc., P.O. Box 96058, Bellevue, WA 98009, USA; für IBM PC und PS/2 Computer und Kompatible; 89,95 Dollar.

(Offenbar unveröffentlichter Text aus dem Jahr 1990)

Impfung gegen Bio-Waffen

Amerikanische Soldaten am Golf sollen geimpft werden, um sie vor den Folgen eines Angriffs mit biologischen Waffen zu schützen. Wie die „New York Times“ berichtete, seien die Impfungen Teil eines umfassenden Programms gegen B-Waffen, zu dem auch der Gebrauch von Masken und Schutzkleidung gehöre. Erkenntnisse des CIA deuten darauf hin, dass der Irak über die Mittel zum Einsatz von Milzbrandbakterien, Typhus- oder Choleraerregern verfügt.

Die Konvention über biologische Waffen aus dem Jahre 1972 verbietet zwar die Produktion und Lagerung von B-Waffen, nicht aber die Forschung zu „defensiven Zwecken“. Unterzeichnet haben 103 Staaten, darunter auch die Vereinigten Staaten; nicht aber der Irak. Die Bakterien, die vermutlich in Salman Pak, 35 Kilometer südöstlich von Bagdad, produziert werden, könnten mittels Granaten verschossen oder aus Flugzeugen abgesprüht werden.

Der Einsatz dieser Mikroben erscheint allerdings unwahrscheinlich, da der Irak kaum in der Lage sein dürfte, die eigene Bevölkerung durch eine groß angelegte Impfkampagne vor einer drohenden Ansteckung zu schützen. Anders dagegen die USA, die schon im Zweiten Weltkrieg mit der Erforschung biologischer Waffen begonnen haben. Sie dürften daher für eine derartige Auseinandersetzung verhältnismäßig gut gerüstet sein.

(erschienen in der WELT am 29. Dezember 1990)

Die erste Gentherapie

Der weltweit erste Versuch zur Gentherapie am Menschen scheint ein Erfolg zu werden. Behandelt wurde ein vier Jahre altes Mädchen, dessen Identität noch geheim ist. Es produziert nach dreimonatiger Therapie jetzt wieder aus eigener Kraft einen Eiweißstoff, der sie vor einer tödlichen Stoffwechselkrankheit schützt. „Dies sind nur die ersten vorläufigen Ergebnisse, aber wir sind darüber sehr aufgeregt“, sagte French Anderson vom Nationalen Herz-, Lungen- und Blutinstitut der USA.

Bei der ADA-Defizienz, so der Name der äußerst seltenen Erbkrankheit, wird aufgrund eines Gendefekts keine Adenosindeaminase (ADA) produziert. Der Mangel an diesem Eiweiß führt zu einer Vergiftung der menschlichen Abwehrzellen und zum Zusammenbruch des Immunsystems. Der Körper ist dann den Angriffen von Bakterien und Viren schutzlos ausgeliefert. Weltweit sind nur 25 Patienten bekannt, die unter der ADA-Defizienz leiden. Ihre Lebenserwartung reicht bisher nicht über die frühe Kindheit hinaus.

Die Krankheit war schon sehr früh als aussichtsreicher Kandidat für eine Gentherapie auserkoren worden. Bereits 1986 hatten Anderson und seine Kollegen Michael Blaese und Kenneth Culver ihre Methode im Reagenzglas erfolgreich durchgeführt. Dann mussten sie ihr Behandlungsschema noch einem Dutzend Komitees zur Begutachtung vorlegen, bis endlich im September die Genehmigung für den Eingriff erteilt wurde. Noch im gleichen Monat spritzen die Ärzte dem Mädchen rund zehn Milliarden gentechnisch veränderte Immunzellen in die Blutbahn.

In die Zellen, die zuvor der Patientin entnommen worden waren, hatten die Mediziner ein gesundes Gen mit der Information zur Herstellung von ADA eingeschmuggelt. Die Ärzte bedienten sich dabei eines Mäusevirus als „Genfähre“, die das kleine Stückchen Erbinformation in die Immunzellen einbrachte.

Gegen diese Methode des Gentransfers hatte es vorher Einwände von Kritikern gegeben. Bei der Übertragung von Genen, die im Tierversuch schon mehrfach erfolgreich erprobt wurden, besteht die Schwierigkeit darin, nur die gewünschten Zielzellen zu treffen. Das Gen sollte dann im Idealfall genau an die Stelle platziert werden, an der es natürlicherweise vorkommt. Da beispielsweise die menschliche Erbinformation in jeder Zelle ungefähr einen Meter lang ist und sich dort etwa 100.000 Gene befinden, ist die Gentherapie eine herausragende Aufgabe.

Zusätzliche Probleme können entstehen, wenn das eingebrachte Fremdgen sich zwischen wichtige Erbinformationen einschiebt und diese dadurch unleserlich macht. Auch fürchten Kritiker, dass durch solch einen Vorgang sogenannte Onkogene aktiviert werden könnten, die unter ungünstigen Umständen zur Bildung von Tumoren führen.

Bisher sieht alles danach aus, als ob sich diese Befürchtungen nicht bestätigen. Während das Mädchen bislang fast ständig krank war, erlitt es seit Beginn der Behandlung nur einen Schnupfen. Vorläufig allerdings warnt Blaese vor übertriebenen Hoffnungen. „Wir wissen noch nicht, ob dies auf unsere Behandlung zurückzuführen ist – dennoch, die Resultate sind ermutigend.“

Sollte sich die gute Nachricht bewahrheiten, könnte die Gentherapie auch bei vielen anderen Krankheiten zum Einsatz kommen. Ein zweites Experiment an einer kleinen Gruppe von Patienten mit normalerweise tödlichem Hautkrebs (Melanom) ist bereits angelaufen.

(Original erschienen in der WELT am 19. Dezember 1990. Überarbeitet am 5. Juni 2017)

Was ist daraus geworden? French Anderson gilt heute zu Recht als Pionier der Gentherapie. Allerdings wurde er 2004 wegen Kindesmissbrauch verhaftet und 2007 dafür zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Gesundheitszustand des Mädchens (inzwischen weiß man, dass sie Ashanti DeSilva heißt), stabilisierte sich. Laut einem Bericht im Deutschlandfunk war sie 2015 mit 29 Jahren noch bei guter Gesundheit. Geheilt wurde sie aber nicht. Die eingeschleusten Gene verschanden über die Jahre wieder aus ihrem Körper und sie erhält jetzt Medikamente, die den Enzymmangel ausgleichen.

Radon – Der gefährlichste Luftschadstoff Deutschlands?

„Nach unserer Einschätzung ist Radon der gefährlichste Luftschadstoff in Deutschland.“ Mit dieser Meinung, vorgetragen auf einem Seminar der Arbeitsgemeinschaft der Großforschungseinrichtungen (AGF), steht Dr. Herwig Paretzke nicht allein. „Da die meisten Menschen es vorziehen, in einem geschlossenen Haus zu leben, müssen wir uns mit einem gewissen Risiko abfinden.“ Auch auf die Frage, wie groß denn dieses Risiko sei, hat Paretzke eine Antwort parat: „Wir schätzen, dass zehn Prozent des Lungenkrebsrisikos in Deutschland durch Radon verursacht wird.“

Zwei Tage lang hatten Experten in Bonn über das Thema „Umwelt und Krebs“ diskutiert und versucht, die Bedeutung einzelner Faktoren zu bewerten. Völlig einig sind die Wissenschaftler sich nur beim Zigarettenrauch, der für fast ein Drittel aller Krebstoten verantwortlich gemacht wird. Die Belastung der Bevölkerung durch Dioxin und dessen Abkömmlinge wurde dagegen bisher wohl eher zu hoch eingeschätzt.

Vor kurzem korrigierte daher die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Empfehlung zur „duldbaren Aufnahme“ des Sevesogiftes nach oben: Eine tägliche Aufnahme von 10 billionstel Gramm Dioxin pro Kilogramm Körpergewicht sei noch nicht bedenklich, urteilten die Experten nach sorgfältiger Durchsicht der Daten von Zehntausenden dioxinexponierter Personen. Zuvor hatte man den Schwellenwert auf ein Picogramm veranschlagt, eine Marke, die auch weiterhin für Deutschland angestrebt wird.

Während somit das „Supergift“ Dioxin allmählich wieder aus den Schlagzeilen verschwinden dürfte, wendet sich die Aufmerksamkeit nun dem Radon zu, einem Edelgas, das aus den Tiefen des Erdreiches aufsteigt und beim Zerfall radioaktive Strahlung in Form von Alpha-Teilchen freisetzt. Es handelt sich dabei um einen natürlichen Prozess, der größtenteils im Untergrund abläuft und für den Menschen erst dann gefährlich wird, wenn das Radon nicht entweichen kann, sondern in Kellergewölben oder gar im Wohnzimmer „gefangen“ wird. Die Verteilung des Radons im Erdreich ist abhängig von der jeweils vorherrschenden Gesteinsart, es findet sich besonders in granithaltigen Böden.

Das Problem hat vor allem in den USA eine Fülle von Aktivitäten ausgelöst. Dort verlangen neuerdings immer mehr Interessenten beim Häuserkauf Bericht über die gemessenen Radonkonzentrationen. Der Kongress verabschiedete bereits 1988 ein „Radonverminderungsgesetz“ mit dem Ziel die Radonkonzentrationen in Häusern auf die Werte zu reduzieren, die im Freien herrschen. Die durchschnittlichen Kosten für Ventilationsmaßnahmen und Abdichtungen würden pro Haus etwa 15.000 Mark betragen. Das Geld, so meint man bei der Umweltschutzbehörde EPA, sei gut angelegt, weil jährlich bis zu 20.000 Fälle von Lungenkrebs auf das Konto von Radon gingen.

In Deutschland sind vor allem das Fichtelgebirge, Teile des Saarlandes und das Erzgebirge betroffen. Bereits im Jahre 1597 hatte Agricola vom „Schwarzem Tod“ in den Gruben des sächsischen Schneeberg berichtet; heute weiß man, dass es sich dabei um Tumoren der Lunge handelt, die bei Bergarbeitern bis in unsere Zeit gehäuft beobachtet wurden. Genau das aber ist auch der Schwachpunkt der bisherigen Studien: Sie stützen sich nämlich vorwiegend auf Auswertungen der Lungenkrebshäufigkeit bei Bergarbeitern.

Diese Bevölkerungsgruppe aber hat Radon nicht etwa in Form des „reinen“ Edelgases inhaliert. Vielmehr wurde Aerosol eingeatmet, kleine Staubpartikel also, an deren Oberfläche das Radon haften blieb. Der Unterschied ist gravierend, weil reines Radon praktisch mit dem nächsten Atemzug die Lunge wieder verlässt, während Aerosolteilchen ähnlich wie Zigarettenrauch lange Zeit ihre zerstörerische Wirkung auf die Atemwege entfalten können. Eine Untersuchung an Kumpeln, die im amerikanischen Bundesstaat Colorado Uran abbauten, konnte zeigen, dass die Krebsgefahr um ein Vielfaches zunahm, wenn die Bergleute ihre Lungen zusätzlich mit Zigarettenrauch malträtierten.

Dr. Bernhard Cohen von der Universität Pittsburgh kommt bei gründlicher Analyse der Daten für die „normale“ Bevölkerung denn auch zu dem Schluss, dass Radon bei den geringen Mengen, die in „Durchschnittshäusern“ gefunden werden, keinen nachteiligen Effekt auf die Gesundheit hat. Cohen meint, man solle sich auf die verhältnismäßig geringe Anzahl von Häusern mit hoher Belastung konzentrieren und diese gezielt sanieren. Diese Empfehlung entspricht im Übrigen der deutschen Vorgehensweise in den hauptbetroffenen Gebieten, vor allem in den neuen Bundesländern.

(erschienen in der WELT am 17. Dezember 1990)

Software-Test Norton Commander

Der Norton Commander in der Version 3.0 gehört zu den Programmen, die sich ganz auf das Management von DOS-Dateien spezialisiert haben. In den fortschrittlichen Pull-Down-Menüs, die sich auch mit der Maus steuern lassen, kann der Benutzer zwei Fenster ganz nach dem eigenen Geschmack einrichten; das gilt dank des knapp und verständlich gehaltenen Handbuches auch für Anfänger. Verzeichnisbaum links, die Dateien im Laufwerk rechts oder dazu lieber den Dateibetrachter; der „Commander“ unterwirft sich in der Darstellungsweise völlig den Bedürfnissen des Users.

Der Dateibetrachter ist dabei besonders zu würdigen, denn er erlaubt es, Fremddateien (zum Beispiel dBase, Word oder Quattro) zu lesen, ohne die zugehörigen Anwenderprogramme zu starten. Die 22 „Viewer“ machen dadurch alle gängigen Dateiformate schnell zugänglich. Ist man erst einmal über seine Dateien im Bilde, lassen sich diese beliebig hin und her kopieren, umbenennen, löschen oder editieren, um nur einige ausgewählte Möglichkeiten zu nennen. Das Unterprogramm „Commander Lin“ sorgt über die serielle Schnittstelle für Zugriff auch auf die Daten anderer PCs oder des Laptops. Die Möglichkeit, eigene Menüs zu definieren, ist wie alle eingebauten Zugaben gut durchdacht und funktioniert reibungslos.

Keine Rose ohne Dornen; das gilt leider auch für dieses High-End-Programm: So können zwar Dateien, Briefe, Telexe und sogar Fax-Mitteilungen theoretisch mit dem „Commander Mail“ ausgetauscht werden, dafür ist aber ein MCI-Fach nötig; und wer hat das schon? Eine Schutzfunktion, die das Ausbrennen des Bildschirms verhindern soll, funktioniert nur, solange der „Commander“ aktiv ist, schon das eigene Menü auf dem Bildschirm macht diese Zugabe wertlos. Bedenkt man dazu noch die Tatsache, dass dieser Dateimanager zur obersten Preisklasse gehört, so kommt der „Commander“ sicher nur für einen eher kleinen Kreis von Anwendern in Frage. Si.

„Norton Commander 3.0”, Peter Norton Computing, Friedrich-Ebert-Str. 79, 4220 Dinslaken. Für IBM-PC und Kompatible, 399 Mark.

(erschienen in der WELT am 17. Dezember 1990)

Was ist daraus geworden? Noch heute basieren die meisten Dateimanger auf dem hier vorgestellten 2-Fenster-Prinzip. Unter dem neuen Besitzer Symantec hat der NC sich trotzdem nur bis Mitte der 1990er Jahre und bis zur Version 5.51 halten können, denn die Konkurrenz bot einfach mehr Funktionalität und/oder einen besseren Preis. Nostalgiker finden die Version 3.0 aber noch zusammen mit vielen anderen Klassikern auf der Plattform WinWorld.

Gesundheitsproblem Diesel

Der Diesel als Treibstoff der Zukunft? Jedem, der schon einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, auf engen Landstraßen stundenlang hinter einem Lkw her kriechen zu müssen, welcher unentwegt dichte Rußwolken ausstieß, muss diese Theorie Furchen der Skepsis auf die Stirn zaubern.

Derartige traumatische Erlebnisse seien Einzelfälle, die nicht den Blick auf die unbestrittenen Vorteile dieser Technologie trüben sollten, beschwichtigt die Diesellobby. Den eines ist sicher: mit herkömmlichen Otto-Motoren lassen sich die niedrigen Verbrauchwerte eines Diesels nicht erreichen. Pro gefahrenem Kilometer produzieren der Diesel deutlich weniger Kohlendioxid (C02) und weniger Stickoxide (NO) als die besten Ottomotoren heutiger Produktion.

Da C02 Hauptverursacher des Treibhauseffektes ist und Stickoxide nach einigen Zwischenreaktionen die Ozonkonzentrationen am Boden in die Höhe treiben können, bekam der Diesel auch flugs das Prädikat „umweltfreundlich“. Die Belohnung in Form einer deutlichen Steuerermäßigung für die „schadstoffarmen“ Fahrzeuge ließ nicht lange auf sich warten.

Eine andere Bewertung ergibt sich allerdings, wenn das Augenmerk auf die Emission von Partikeln (Ruß), Schwefeldioxid (SO2) oder die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAH) gerichtet wird. Von all diesen Substanzen produziert der Diesel nämlich deutlich größere Mengen als der Ottomotor. „Von daher ist die Bewertung des Diesels als umweltfreundlich und steuerermäßigt nicht zu verstehen“, bilanzierte Dr. Uwe Heinrich vom Institut für Toxikologie und Aerosolforschung der Fraunhofergesellschaft. Auf einem Seminar der Gesellschaft für Strahlenforschung, das kürzlich in München stattfand, wurde eine ganze Reihe von Erkenntnissen präsentiert, die das Klischee vom sauberen Diesel zunichtemachen könnten.

„Die ganze Crux ist das Dieselrußpartikel“, so Heinrich. Diese winzigen Teilchen entstehen bei der unvollständigen Verbrennung des Treibstoffes. Ein Kern aus Kohlenstoffatomen bildet die Grundlage auf dem sich die PAH mit ihrem bekanntesten Vertreter Benzo(a)pyren absetzen. Ein Teil dieser Partikel wird nach dem Einatmen in der Lunge abgelagert und kann dort – zumindest bei Ratten – Tumoren hervorrufen.

Ein Oxidationskatalysator, wie er von einigen Automobilherstellern bereits serienmäßig angeboten wird, soll da Abhilfe bringen. Doch lassen sich die freigesetzten Partikeln mit heutiger Technologie nur um ein Zehntel reduzieren – in den Entwicklungsabteilungen der großen Konzerne wird darum auch unter Hochdruck an der Verbesserung des Diesel-Kats gearbeitet. In der Zwischenzeit verweist man zum Beispiel bei BMW darauf, dass die Menge an PAH, welche sich auf den Partikeln niederschlägt, drastisch reduziert sei. Die Diskussion verlagert sich dadurch auf die Frage, ob es die krebserregenden Mitglieder der PAH-Familie sind, die für die beobachteten Lungentumoren verantwortlich sind, oder ob andere Mechanismen für die Krebsentstehung verantwortlich sind.

Arbeiter nämlich, die an Kokereiöfen tätig waren, mussten PAH-Konzentrationen verkraften, die um ein Vielfaches über dem liegen, was Dieselmotoren freisetzen. Dennoch konnte für diese Bevölkerungsgruppe keine Vermehrung der Krebsfälle nachgewiesen werden. Ratten dagegen entwickelten Tumoren, nachdem sie gezwungen wurden, über längere Zeiträume hinweg verdünnte Dieselabgase in verhältnismäßig geringen Konzentrationen einzuatmen.

Eine interessante Entdeckung verwies die Wissenschaftler dann auf die „nackten“ Partikel als die eigentlichen Übeltäter: Die Tiere entwickeln nämlich Lungenkrebs auch dann, wenn sie nur Aktivkohle einatmen; feinverteilter Kohlestaub also ohne jegliche weiteren Schadstoffe. Möglicherweise verursacht dann die große Oberfläche des Dieselrußes biologische Reaktionen auf den Zellen der Lunge; der Reaktionsmechanismus wäre dann ähnlich dem von Asbestfasern, welche laut Statistik in Deutschland für jährlich mehr als 1000 Fälle von Lungenkrebs und anderen Tumoren verantwortlich sind.

Sollten sich die Hinweise dafür erhärten, dass die „nackten“ Rußpartikel auch beim Menschen krebserregend sind, dann bleibt für die Ingenieure der Automobilfirmen nur eine Lösung: Ein Rußfilter muss her. Derzeit allerdings sind diese Vorrichtungen noch so teuer, dass sich der Einbau nur bei Lastkraftwagen lohnt. Der Einkaufspreis eines Golf Diesel würde sich durch solch eine Maßnahme beinahe verdoppeln; ein Opfer, das auch umweltbewusste Kraftfahrer wohl kaum auf sich nehmen werden.

(erschienen in der WELT am 12. Dezember 1990)

Was ist daraus geworden? Der Artikel ist so alt, dass darin noch nicht einmal das Wort „Feinstaub“ auftaucht. Dies ist jedoch, wie man spätestens nach dem VW-Skandal wissen sollte, ein ziemlich großes Gesundheitsproblem geworden. Das Umweltbundesamt hat vorgerechnet, dass er deutschlandweit jährlich etwa 45000 Menschen das Leben kostet. „Schuld“ sind daran allerdings nicht mehr in erster Linie Dieselfahrzeuge, sondern unsere Heizungen, Kohlekraftwerke, die Landwirtschaft und der Straßenverkehr, auch durch den Abrieb von Reifen. Für Dieselmotoren gibt es seit ca. 15 Jahren Partikelfilter, sodass diese heute sogar deutlich weniger Rußpartikel hinterlassen, als ein moderner Ottomotor mit Direkteinspritzung (siehe z.B. diesen Beitrag im Deutschlandfunk).

Rekord-Eisberg auf Reisen

Unter all den Objekten, welche von den Wissenschaftlern im ewigen Eis untersucht wurden, ist der Eisberg B-9 sicherlich der mit Abstand größte Brocken. Mit einer Länge von über 150 Kilometern und 35 Kilometern Breite war B-9 am Anfang seiner Reise durch antarktische Gewässer größer als Mallorca, Menorca und Ibiza zusammen.

Diese Reise begann im Oktober des Jahres 1987, als das Ungetüm sich vom Ross-Schelfeis löste und dabei nicht nur der dortigen Küstenlinie eine neue Form gab, sondern auch gleich die berühmte „Bucht der Wale“ auslöschte. Die Wassermassen, welche zu diesem Zeitpunkt in B-9 gespeichert waren, hätten ausgereicht, um jeden Erdbewohner für die nächsten zweitausend Jahre mit täglich zwei Gläsern zu versorgen, wie ein kluger Kopf berechnete. Doch ist B-9 nicht nur ein Kuriosum für das Buch der Rekorde, vielmehr haben neuseeländische und amerikanische Wissenschaftler aus dessen Beobachtung eine Menge über die Meeresströmungen lernen können, welche B-9 beziehungsweise seine Bruchstücke über eine Distanz von fast 2000 Kilometern bewegt haben.

Wie die New York Times berichtete, gelang es den Forschern, ein ganzes System von bis dato unbekannten Strömungen nachzuweisen, deren Verlauf und Temperatur für die Ozeanographen eine große Überraschung darstellte. Die Gefahr, den Eisberg aus den Augen zu verlieren bestand natürlich zu keinem Zeitpunkt, denn B-9 wurde nicht nur von Flugzeugen und Schiffen ständig beobachtet, sondern auch von mehreren Satelliten aus dem All observiert.

Mittlerweile ist B-9 in drei Teile gebrochen, die mehrere Monate im Packeis des antarktischen Winters gefangen wurden. Erst jetzt, drei Jahre nach dem Beginn seiner Reise beginnen die Trümmer von B-9 sich mit der zunehmenden Erwärmung in den südpolaren Strömungen aufzulösen.

(erschienen in der WELT am 6. Dezember 1990)

Was ist daraus geworden? In der englischsprachigen Wikipedia hat B-9 einen eigenen Eintrag bekommen, aus dem das weitere Schicksal zu entnehmen ist: 18 Jahre lang blieb er an der Küste stecken, rasierte dann die Zunge eines Gletschers, sodass ein weiterer Eisberg von 79 Kilometern Länge entstand. Im Orginal-Artikel hatte ich übrigens einen ziemlich Klops, weil ich schrieb, B-9 sei durch arktische Gewässer gereist. Antarktisch muss es natürlich heißen, so wie in „Südpol“.