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Software-Test Symphony

Das Programm Symphony von Lotus gilt mittlerweile als Klassiker unter den integrierten Programmen. Dieser Typ Software bietet eine Vielzahl von Funktionen unter einem Dach: Textverarbeitung, das Erstellen von Geschäftsgraphiken, Einrichten und Verwalten von Datenbanken und die Kommunikation mit anderen Computern.

Die Stärke von Symphony liegt vor allem in der Tabellenkalkulation, die eine große Anzahl von mathematischen und statistischen Funktionen bereithält. Umfangreiche Möglichkeiten der Finanzberechnung berücksichtigen die deutschen Normen. Eine eigene Befehlssprache ermöglicht dem fortgeschrittenen Anwender, das Programm auf seine speziellen Bedürfnisse anzupassen.

Sogenannte Arbeitsblätter verbinden die fünf verschiedenen „Gesichter“ des Programms und sorgen damit für eine einheitliche Darstellung. Mit identischen Funktionstasten werden jeweils vergleichbare Arbeiten ausgeführt – vorausgesetzt, der Benutzer kann die Inschriften auf der winzigen Tastaturschablone entziffern, die dem Programmpaket beigelegt wurde.

Ein ausführliches Tutorium erleichtert den Umgang mit Symphony erheblich; das erspart zumeist den Umgang mit den Handbüchern, die leider nicht besonders übersichtlich geraten sind. Eine Maus könnte den Gang durch die einzelnen Menü-Ebenen oft abkürzen, doch gibt es keine Möglichkeit, dieses nützliche Zusatzgerät einzusetzen. Auch sucht man für eine ganze Reihe neuerer Druckermodelle vergeblich nach Treibern. Insgesamt hätte das Programm eine Überarbeitung nötig, wenn Lotus wieder die Spitzenposition bei integrierten Programmen einnehmen will.

Symphony benötigt 384 kB freien Arbeitsspeicher, mit Rechtschreibprüfung sind es 512 kB. Für den Betrieb reichen zwei Diskettenlaufwerke aus.

„Symphony 2.0“; Lotus Development GmbH; für IBM PC/XT, IBM PC/AT oder kompatible, IBM PS/2; 2502 Mark.

(erscheinen in der WELT vom 28. Februar 1990)

Was ist daraus geworden? Lotus hat das Programm zunächst weiterentwickelt, später wurde Lotus von IBM übernommen. Der Versuch, unter dem klangvollen alten Namen ein kostenloses Office-Paket zu vertreiben war indes nicht gerade erfolgreich, und im Dezember 2014 hat man dieses Projekt offiziell beerdigt

Strahlenschutz: „Ein Meilenstein für die Risikoabschätzung“

Die Gefahr, die dem Menschen bereits durch geringe Strahlenbelastungen droht, wurde wahrscheinlich bisher unterschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Report der Amerikanischen Akademie der Wissenschaften. Erwartet wird jetzt eine Reaktion der Behörden in Form einer Verschärfung der bestehenden Strahlenschutzgesetze.

Die nach fast zehnjähriger Arbeit vorgelegte Studie – 421 Seiten dick und 860000 Dollar teuer – ist die genaueste, die jemals zu diesem Thema durchgeführt wurde. Das Risiko, an Krebs zu erkranken, ist demzufolge drei bis vier Mal so groß wie vor angenommen. Die Resultate der Kommission zu den biologischen Auswirkungen ionisierender Strahlung (BEIR V), die derzeit aus 17 unabhängigen Medizinern und Strahlenforschem besteht, werden mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Herabsetzung der gesetzlich zulässigen Grenzwerte für ionisierende Strahlung führen.

Ionisierende Strahlen gehen nicht nur von Röntgengeräten und Atomlagen aus. Sie entstehen auch beim radioaktiven Zerfall verschiedener Elemente der Erdkruste und sind in der kosmischen Höhenstrahlung enthalten. Im menschlichen Körper kann diese Strahlung zu Veränderungen des Erbmaterials (Mutationen) führen und Krebs auslösen. Seit langem streiten sich Wissenschaftler darüber, wieviel Strahlung der Körper verkraftet, bevor es zu irreparablen Schäden kommt. Gibt es eine untere Grenze, bis zu der ionisierende Strahlen unbedenklich sind? Kann man von der verhältnismäßig hohen Strahlendosis, die bei Versuchstieren zur Entstehung eines Krebsgeschwürs führt, überhaupt Rückschlüsse ziehen auf die Wirkung kleiner Strahlenmengen?

Die bisherigen Richtlinien zum Strahlenschutz beruhen – nicht nur in den Vereinigten Staaten – zum großen Teil auf der Erfassung der Krebsfälle bei den Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. „Diese Daten sind die bei weitem wichtigste Quelle zur Risikoabschätzung“, so Professor Albrecht Kellerer, Vorsitzender der Strahlenschutzkommission des Bundesumweltministers. Die amerikanische Expertengruppe war sich aber in ihrem letzten Report aus dem Jahre 1979 über die Bewertung der vorliegenden Daten nicht einig geworden: Im Abschlussbericht standen sich die widersprüchlichen Meinungen zweier Fraktionen gegenüber.

Nun hat man beobachtet, dass die Zahl der Krebsopfer unter den Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki auch 40 Jahre nach dem Abwurf der Bomben weiter zunimmt und inzwischen weit über den früheren Voraussagen der Wissenschaftler liegt. Nachdem Physiker Anfang der achtziger Jahre auch noch die Schätzungen über die damals freigesetzten Strahlenmengen nach unten korrigiert hatten, ergibt sich nun ein völlig neues Bild.

Die Gammastrahlung etwa – hauptverantwortlich für den größten Teil der Krebserkrankungen – war also nur etwa halb so stark, wie zuvor geglaubt. Wenn aber die freigesetzte Strahlung geringer war, als angenommen, und dennoch zu mehr Krebstoten führte als erwartet, mussten die früheren Modelle falsch sein. Für 95000 Überlebende wurde daher mit einem immensen Aufwand nachgerechnet, wie viel Strahlung sie im August des Jahres 1945 aufgenommen hatten. Dabei kalkulierten die Experten nicht nur die Abschwächung der Strahlenwirkung durch Luft und Luftfeuchtigkeit mit ein, sondern auch die Schutzwirkung von Fenstern, Dächern und Mauerwerk.

Auch ob die Atombombenopfer dem Explosionsherd zu- oder abgewandt waren und welche Körperseite am stärksten betroffen wurde, floss in die Berechnungen mit ein. Gegenwärtig richten sich die Bemühungen der Forscher darauf, auch noch die empfangene Strahlendosis für einzelne Organe zu ermitteln. Schon heute lässt sich aber sagen, dass das Risiko, nach einer geringen Dosis ionisierender Strahlen an Krebs zu erkranken, drei bis vier Mal größer ist, als bisher angenommen. Obwohl von der Kommission keine öffentliche Stellungnahme erwartet worden war, sagte deren Vorsitzender, Arthur C. Upton, auf einer Pressekonferenz, er erwarte eine Reaktion der Behörden in Form verschärfter Strahlenschutzgesetze.

Dieser Meinung ist auch Warren Sinclair, Präsident des Nationalen Strahlenschutzrates der Vereinigten Staaten. Er sagte, unter dem Druck der neuen Studie könne sich seine Organisation sehr wohl veranlasst fühlen, den gegenwärtigen Grenzwert für Angestellte in Nuklearbetrieben herabzusetzen. Auswirkungen sind auch in der Bundesrepublik Deutschland zu erwarten. „BEIR V ist ein wichtiger Meilenstein für die Risikoabschätzung“, so Kellerer. Der Experte erwartet, dass ein neuer Richtlinienentwurf bereits im Verlauf der nächsten Wochen fertiggestellt wird.

Für 1991 sei dann mit offiziellen neuen Empfehlungen zu rechnen. „Ich glaube, dass die Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP) empfehlen wird, die maximal zulässige Strahlenexposition auf 1,5 oder 2 rem pro Jahr herabzusetzen.“ Derzeit gilt in der Bundesrepublik für beruflich strahlenexponierte Personen noch ein jährlicher maximaler Wert von 5 rem. Nach Schätzungen von Kellerer liegt die Zahl der Menschen, deren Strahlenbelastung in Höhe dieses Grenzwertes gelangt, bundesweit bei etwa 100. Im Durchschnitt nehmen die rund 50 000 Menschen, die hierzulande unter das Strahlenschutzgesetz fallen, aber nur 0,5 rem auf. Diese Dosis ist nicht einmal das Doppelte dessen, was der Durchschnittsbürger jährlich verkraften muss.

(erschienen in der WELT am 22. Februar 1990)

Originalliteratur:

National Research Council: Health Effects of Exposure to Low Levels of Ionizing Radiation: BEIR V. ISBN-10: 0309039959. (Kostenloser Download)

Was wurde daraus? Inzwischen sind wir beim 7. Bericht des BEIR Kommittees angelangt. Laut Wikipedia sind sie noch immer eine wesentliche Grundlage der internationalen Strahlenschutzregeln, unter anderem auch der in Deutschland geltenden Grenzwerte gemäß Strahlenschutzverordnung. Die Grenzwerte wurden tatsächlich verschärft und liegen heute für Menschen, die beruflich mit Strahlung zu tun haben, bei 20 Millisievert. Das entspricht 2 rem und etwa dem 7-fachen dessen, was man natürlicherweise an Strahlung aufnimmt – oder auch einem CT-Scan, wie er bei manchen medizinischen Untersuchungen (Herz, Krebs) notwendig ist.

Software-Test Norton Utilities

Den Zweck dieser Programmsammlung macht ein Blick auf das Handbuch klar: Auf dem Einband ist ein Rettungsring abgebildet. Wenn der Anwender seine neu erstellten oder ergänzten Dateien nicht gesichert hatte und bei der nächsten Sitzung haareraufend ihren Verlust feststellt, dann schlägt die Stunde des „Daten-Doktors“.

Die neueste Version der „Norton Utilities“ erlaubt es nahezu alle Fehlerquellen, die auf Festplatte oder Diskette auftreten können, zu entdecken und auszuschalten. Hunderte von Tests werden hier automatisch durchgeführt, ohne dass der Benutzer umständliche Befehle eingeben und über unverständlichen Handbüchern brüten muss. Fehlerhafte Bereiche werden angezeigt, dort abgelegte Daten lassen sich durch Umkopieren retten.

Darüber hinaus versammeln sich unter der einheitlichen und überschaubaren Benutzeroberfläche des „Norton Integrator“ noch eine ganze Reihe weiterer sinnvoller Funktionen, die mit Pop-up Menüs und Dialogfenstern aufgerufen werden. Die Arbeit mit dem eher kargen Betriebssystem DOS wird so erheblich erleichtert. Versehentlich gelöschte Dateien lassen sich meist vollautomatisch wiederherstellen. In besonders schwierigen Fällen stellt das Programm einen benutzerfreundlichen elektronischen Werkzeugkasten zur Verfügung. Damit können verstreute Programmteile auf der Festplatte gesucht und wieder aneinandergefügt werden.

Mit dem neuen „Batch-Enhancer“ kann der Benutzer eigenen Stapeldateien zusätzlichen Pep verleihen. Kästen und Fenster, Töne und Tastaturabfragen erlauben es nun, diese Dateien interaktiv zu gestalten. Abgerundet wird der positive Eindruck durch die Möglichkeit, alle Ergebnisse auf den Drucker umzuleiten.

„Norton Utilities Advanced Edition 4.5″, Markt und Technik Verlag AG, für IBM-PC und kompatible, 399 Mark

(erschienen in der WELT am 21. Februar 1990)

Was ist daraus geworden? Die hier besprochene Version können Nostalgiker sich immer noch auf der Webseite Winworld herunterladen. Natürlich ist sie veraltet und für einen modernen Computer ziemlich unnütz. Auf Amazon habe ich aber die Version 16 gefunden, und beim Hersteller scheint es eine noch neuere Variante zu geben, die Norton Utilities 2017.

Singapur pflegt seine Vergangenheit

Auch in Singapur hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass prall gefüllte Einkaufszentren, Luxushotels und steil aufragende Bürogebäude wenig zum Charme einer Stadt beitragen. Deutliches Zeichen für frisch gewonnene Einsichten ist ein milliardenschwerer Feldzug, mit dem die ethnischen Bezirke des Stadtstaates zu neuem Leben erweckt werden sollen.

Zusammen mit dem privaten Sektor fließen etwa drei Milliarden Mark in die Erhaltung und Renovierung so beliebter Viertel wie Chinatown, Little India, Arab Street und Kampong Glam. Gerade westliche Touristen lassen sich gerne von der Exotik dieser Bezirke verzaubern. Dort in den faszinierenden alten Ladenhäusern nach einheimischen Erzeugnissen zu stöbern vermittelt mehr vom Zauber Asiens, als jede noch so prunkvoll gestaltete Hotellobby.

Die Skyline von Singapur im Jahr 1989 – Gerade noch rechtzeitig hat man begonnen, das Erbe zu bewahren und viele historische Gebäude vor dem Abriss gerettet (© Michael Simm)

Denn die alten Viertel haben sich ihre Eigenheiten bewahrt. In Chinatown etwa wird das Straßenbild geprägt von Händlern, deren Läden mit Haushaltswaren, tropischen Früchten und exotischen Gewürzen überladen sind. Stinkfrüchte (Durians) locken mit ihrem Aroma die Einheimischen – und stoßen die Fremden ab.

Körbe voller getrockneter Pilze, Meeresgetier und anderer Köstlichkeiten lassen die heimische Küche ärmlich und phantasielos erscheinen. Von den Balustraden der zweigeschossigen Häuser hängen Bambuskäfige, in denen Singvögel zwitschern. Kalligraphen verzieren rotes Glückspapier mit Goldbuchstaben oder schreiben Briefe für alte Leute. Auch Apotheken fehlen nicht, in denen Freunden der Naturheilkunde zu jedem denkbaren Wehwehchen der entsprechende Pflanzenextrakt geboten wird, oder auch ein Pülverchen aus den Weichteilen von allerlei Getier.

Diese Idylle wäre in den letzten Jahren beinahe zerstört worden. Das Ministerium für nationale Entwicklung begann bereits in den frühen sechziger Jahren mit einer Stadterneuerung, bei der die Beseitigung der Elendsviertel und die Umgestaltung des Stadtkerns im Mittelpunkt standen. Mittlerweile reihen sich in der City Bürogebäude, Einkaufszentren und Hotels aneinander. Ganze Straßenzüge des alten Chinatown mussten eintönig-farblosen Mietskasernen weichen. Doch damit nicht genug: Auch der Singapur River wurde 1983 „aufgeräumt“, seiner Boote, Frachter und Dschunken beraubt.

Dann begann man umzudenken. Unter der Leitung des Amtes für städtische Erneuerung (URA) richtete sich das Augenmerk zunehmend auf die Erhaltung des historischen Viertels Singapurs. Eine „qualitativ hochwertige Lebens- und Arbeitsumgebung“ wollte man im Stadtkern schaffen. Gleichzeitig war sich die Behörde aber über die Anziehungskraft auf die Touristen klargeworden, die von den alten Bezirken ausgeht. Schließlich erhofft man sich, noch in diesem Jahr eine Besucherzahl von fünf Millionen zu überschreiten.

Im Dezember 1986 wurde dann der „Conservation Master Plan“ angekündigt. Insgesamt sind darin über 100 Hektar des alten Singapurs erfasst, denen ein bedeutender historischer und architektonischer Wert zugeschrieben wird. Damit die Renovierungsarbeiten nicht nur auf den öffentlichen Grundstücken durchgeführt werden, wurden Richtlinien erlassen, die auch die private Beteiligung an dem Projekt regeln.

Im Mittelpunkt der Bemühungen stehen Gebäude aus der Jahrhundertwende ebenso wie viele neoklassizistische Bauwerke aus Singapurs Kolonialzeit. Besonders die chinesischen Ladenhäuser mit ihren ebenerdigen Geschäften und den darüber liegenden Wohnungen sollen mit neuem Leben erfüllt werden. Der manchmal als „Palladio-Chinesisch“ bezeichnete Stil, in dem die wohlhabenden Chinesen ihr Zuhause gestalteten, prägte lange Zeit den Charakter der Stadt. Typisch für diese Bauweise war eine Mixtur aus ornamentgeschmückten Pilastern, Falttüren und venezianischen Fenstern. Die Fassaden waren meist in delikaten Pastelltönen gehalten, die Dächer mit Terrakottaziegeln bedeckt: Später zerfielen die Häuser allmählich, viele wurden von Baggerzahn und Abbruchbirne beiseite geräumt, was übrigblieb, war noch vor kurzem in einem bedauernswerten Zustand.

Doch mittlerweile sind die Renovierungsarbeiten in vollem Gang, erste Ergebnisse sind vorzuweisen. In Tanjong Pagar, einem Teil Chinatowns, beziehen chinesische Händler die ersten schmucken Geschäfts- und Bürohäuser. Neue Restaurants werden eröffnet, wo vor Jahresfrist noch Ruinen standen. Weitere sanierungsbedürftige Gebäude werden an Privatleute verkauft, die den Umbau dann in die eigenen Hände nehmen. Auch die Bugis Street soll wiederauferstehen, allerdings als Nachbau in der benachbarten Victoria Street. Dort, wo sich bis 1985 noch das Nachtleben Singapurs abspielte, steht jetzt nämlich ein Bahnhof der städtischen Metro.

Wie Catherine Quah, stellvertretende Direktorin der Tourismusbehörde, erklärte, waren die Gebäude nicht an die Kanalisation angeschlossen. Es wäre demnach zu teuer gekommen, Bugis Street an Ort und Stelle zu bewahren. Ob auch die „neue“ Bugis Street, die man liebevoll mit vielen Originalteilen rekonstruiert, die Nachteulen der Stadt anlocken kann, wird die Zukunft zeigen müssen. Ein dem Original nachempfundenes Freiluftrestaurant und eine Bühne für Gaukler, Akrobaten und Straßenkünstler beweisen jedenfalls, dass sich die nostalgischen Anwandlungen der URA nicht nur auf historische Monumente beschränken.

Ein solches Monument ist sicherlich das alte Viertel aus der Kolonialzeit. Dort hatte der im viktorianischen Stil gebaute Empress Place mehr als 100 Jahrelang als Gerichts- und Verwaltungssitz gedient. Mit 25 Millionen Mark wurde das Gebäude, das schon leichte Ermüdungserscheinungen gezeigt hatte, wieder herausgeputzt. Seit dem Abschluss der Renovierungsarbeiten im April des vergangenen Jahres werden auf 8000 Quadratmeter Fläche wechselnde Ausstellungen geboten. Damit ist der Empress Place eines der größten Museen in ganz Asien.

Natürlich darf bei all diesem Aufwand auch das Raffles Hotel nicht fehlen. Die „Grand Old Lady“ des Ostens erfährt eine Verjüngungskur die weit über 100 Millionen Mark kosten wird. Derzeit werden alle Zimmer des berühmten Kolonialhotels in Suiten umgebaut, jeweils ausgestattet mit Teakholzböden, traditionellen Deckenventilatoren und all dem Glanz der zwanziger Jahre. Richard Helfer, der Direktor der Hotelgesellschaft, hat eigens eine weltweite Suche nach dem Erbe des Raffles initiiert, um den Architekten und Restauratoren eine möglichst genaue Vorstellung von der vergangenen Pracht zu verschaffen. So dienen nicht nur die Erinnerungen des Schriftstellers Sommerset Maugham sondern auch ein in Austin, Texas, aufgetauchtes Notizbuch aus dem Jahr 1906 der liebevollen Pflege der Nostalgie. Ab Sommer nächsten Jahres können sich dann alte und neue Bewunderer des Raffles vom Erfolg der Arbeiten überzeugen.

(in gekürzter Form erschienen am 14. Februar 1990 im WELT-Report Singapur als Nebenprodukt einer Recherche zum Thema Zahntourismus)

Die sauberste U-Bahn der Welt

Obwohl Singapur nicht einmal drei Millionen Einwohner hat, braucht die Metro des Stadtstaates den Vergleich mit den weltbesten Verkehrssystemen nicht zu scheuen: Mit fast 70 Kilometern ist das Streckennetz des „Mass Rapid Transit“ (MRT) erheblich länger als die gesamte Insel. Während der Stoßzeiten rollen die blitzsauberen Züge im Vierminutentakt, transportieren täglich bald 300 000 Menschen durch dunkle Tunnels oder über hochstelzige Viadukte.

Kein Platz für Schmutzfinken: Rauchen und Essen wird in Singapurs Metro richtig teuer.

Dabei spiegeln sich die Eigenheiten dieser Stadt an den Wänden der Haltestationen: schnell, zuverlässig, sicher und sauber, vor allem sauber geht es hier zu. Rauchen, essen, trinken – alles wird mit einer saftigen Geldstrafe von rund 500 Mark geahndet. Nicht zu übersehen sind die Hinweistafeln, die auf Englisch, Chinesisch, Malaiisch und Tamil davor warnen, auch nur einen Papierschnitzel fallen zu lassen.

Graffiti? – Undenkbar. Nicht einmal gebrauchte Fahrkarten sind auf dem Boden zu sehen. Die Erklärung liegt auf der Hand: Die kleinen, mit einem Magnetcode versehenen Plastikkärtchen werden bei Verlassen der Stationen elektronisch auf ihre Gültigkeit überprüft und verschwinden dann im Bauch der automatischen Wächter. Wenig später tauchen sie in den Ticketautomaten wieder auf, wo die Fahrscheine beim Kauf neu kodiert werden.

Selbst chronisch Orientierungslosen dürfte es in Singapur schwer fallen, den falschen Zug zu besteigen. Zwei sich kreuzende Strecken führen in alle vier Himmelsrichtungen: Blau nach Westen, Grün nach Osten, Gelb nach Norden, Rot nach Süden; so einfach kann Metrofahren sein. Mit 50 Pfennig ist man dabei; auch Strecken über 30 Kilometer Länge kosten wenig mehr als eine Mark. In diesem Preis enthalten ist ein Luxus, den der Besucher nicht ohne weiteres erwartet hätte: Eine Klimaanlage bietet in Haltestationen und Zügen Schutz vor der schwülheißen Witterung der Tropeninsel.

Um unnötige Energieverluste zu vermeiden, sind die Bahnsteige von den Gleisanlagen durch Schiebetüren getrennt. Fährt ein Zug auf einer Haltestation ein, öffnen sich diese Schiebetüren synchron mit denen der weiß-roten Züge. Dann bleiben den Passagieren noch knapp 30 Sekunden, bevor sich die Türen schließen und die Züge wieder mit bis zu 80 Stundenkilometern davonbrausen.

Die aufwendige Konstruktion ist weltweit einmalig und hilft die Energiekosten um die Hälfte zu senken. Ein derart vorbildliches System hat natürlich seinen Preis: Etwa fünf Milliarden Mark wurden investiert, um die Stadt vor dem Verkehrsinfarkt zu retten. Nur noch wenige Stationen fehlen, bis auch der letzte Bauabschnitt in Betrieb gehen kann – genau nach Plan, versteht sich.

(erschienen im WELT-Report Singapur am 14. Februar 1990 als Nebenprodukt einer Recherche-Reise zum Thema Zahntourismus)

Der Wunsch nach menschlicher Größe

Menschliches Wachstumshormon (HGH), das noch vor wenigen Jahren aus den Hirnanhangsdrüsen (Hypophysen) verstorbener Spender gewonnen wurde, steht jetzt in ausreichender Menge zur Verfügung. Als „Somatotropin“ bietet das mit gentechnischen Methoden produzierte Hormon nicht nur Hoffnung für Klein- und Zwergwüchsige, sondern könnte auch gegen eine Vielzahl anderer Leiden zum Einsatz kommen. Mit der freien Verfügbarkeit und der zu erwartenden Preissenkung wachsen allerdings auch die Sorgen um einen Missbrauch.

Modell eines Somatotropin-Moleküls (Quelle: Wikipedia)

In der Bundesrepublik Deutschland werden nach Schätzungen zwischen 1000 und 2000 Kinder mit dem Medikament behandelt, weltweit sind es über 20000. Ohne HGH würden die Jungen etwa 140 Zentimeter, die Mädchen nur 130 Zentimeter „groß“ werden. Mit einer kurzfristigen Behandlung allerdings ist es nicht getan: Im Schnitt dauert eine HGH-Mangeltherapie zehn Jahre. Die kleinen Patienten oder deren Eltern müssen das Hormon während dieser Zeit fast täglich injizieren. Die Gesamtkosten einer solchen Behandlung belaufen sich auf 200000 bis 300000 Mark.

Doch inzwischen gibt es auch andere, nicht medizinische Beweggründe für eine Behandlung. „Größe wird mit Schönheit und Erfolg gleichgesetzt“, sagt Professor Michael Ranke von der Universitätskinderklinik in Tübingen. Großwüchsige Personen seien im Geschäftsleben und im gesellschaftlichen Umgang erfolgreicher. Auch Ranke wurde bereits mehrfach mit dem Wunsch nach möglichst großwüchsigen Kindern konfrontiert. Der Mediziner erinnert sich an einen Jungen, dem er eine Körpergröße von 1,68 Metern vorhersagte. Das war den Eltern nicht genug. „Aber er will Flieger in der NASA werden, da muss er mindestens noch zehn Zentimeter größer werden“, so wurde der Wunsch nach einer HGH-Behandlung begründet.

Derzeit allerdings darf HGH in der Bundesrepublik nur bei „hypophysärem Minderwuchs in der Wachstumsphase“ eingesetzt werden, wie Dr. Walter Elsässer vom Bundesgesundheitsamt (BGA) in Berlin mitteilte. Dies, obwohl in anderen Ländern mit HGH gute Ergebnisse bei der Behandlung einer ganzen Reihe von Wachstumsstörungen erzielt wurden. Eine kürzlich im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie zeigt die Wirkung des Hormons auch auf den Stoffwechsel bei Erwachsenen: Die meisten Probanden hatten die Fähigkeit zur Produktion von HGH vollständig verloren, nachdem Tumoren der Hirnanhangsdrüse behandelt worden waren. Das fehlende Hormon wurde sechs Monate lang durch tägliche Injektionen ersetzt. Danach hatte sich die Zusammensetzung des Körpergewebes drastisch verändert. Einem Zuwachs der Muskelmasse von 20 Prozent stand ein ebenso deutlicher Abbau des Fettgewebes gegenüber. Auch der Cholesterinspiegel des Blutes verringerte sich deutlich.

Schon lange wird gemutmaßt, dass so mancher Spitzensportler seine Muskelpakete dem HGH verdankt. Im Gegensatz zu einer anderen Hormonklasse, den Steroiden, kann HGH mit den üblichen Dopingtests nicht nachgewiesen werden. Experten warnen aber davor, dass der Muskelzuwachs langfristig durch gesundheitliche Schäden erkauft werden könnte. Herzkrankheiten, Zucker, Arthritis und Gelenkschäden sind als Folge unmäßiger HGH-Einnahme zu befürchten.

Obwohl Professor Ranke derart zweifelhafte Motive ablehnt, sieht er doch eine große Zukunft für das gentechnische Wachstumshormon. So lässt sich zum Beispiel die Wundheilung durch HGH wesentlich beschleunigen. Auch um dem Knochenabbau gegenzusteuern, der besonders bei Frauen nach den Wechseljahren einsetzt, wird sein Einsatz erwogen.

(erschienen in der WELT am 11. Februar 1990, aktualisiert am 2. März 2017)

Originalliteratur:

Salomon F, Cuneo RC, Hesp R, Sönksen PH. The effects of treatment with recombinant human growth hormone on body composition and metabolism in adults with growth hormone deficiency. N Engl J Med. 1989 Dec 28;321(26):1797-803

Was wurde daraus? Gentechnisch hergestelltes HGH kennt man inzwischen auch als Somatotropin. Neben dem Kleinwuchs im eigentlichen Sinne wird es heute auch bei der Behandlung des Ullrich-Turner-Syndrom, des Prader-Willi-Syndrom, bei chronischer Niereninsuffizienz oder bei Kleinwuchs infolge einer intrauterinen Wachstumsverzögerung eingesetzt. In der Doping-Szene und von manchen Bodybuildern wird Somatotropin eingesetzt, obwohl es verboten ist und schwere Gesundheitsschäden hervorrufen kann. Inzwischen steht allerdings ein Test zur Verfügung, der Doping nachweist, indem er gentechisch hergestelltes HGH in der Blutbahn von körpereigenem unterscheidet.

Software-Test Sidekick Plus

Es gibt zwei Möglichkeiten, Ordnung ins Büro zu bringen: Entweder man vertraut auf ein Sammelsurium von Hilfsmitteln – Telefonbücher, Terminkalender, Taschenrechner, Karteikasten und Kopiergerät -, oder aber man simuliert diese Funktionen auf dem Computer.

Dazu dient Sidekick Plus, ein Programm, das im Arbeitsspeicher residiert, also jederzeit mit einem Tastendruck aufgerufen werden kann, auch wenn der Benutzer gerade mit einem anderen Programm arbeitet. Für diesen Luxus opfert der Anwender etwa 80 Kb seines Hauptspeichers.

Per Tastendruck verfügbar: die vielfältigen Funktionen von Sidekick Plus

Jeder Geistesblitz kann sofort mit dem elektronischen Notizblock festhalten werden, der im Grunde ein vollwertiges Textverarbeitungsprogramm darstellt. Textbereiche oder Zahlenblocks können in Dateien des Notizbuches kopiert und zur weiteren Verwendung abgespeichert werden. Diese Ablage stellt sich als eine der wichtigsten Funktionen heraus. Das „Schwarze Brett“ kann viel‘ Arbeit einsparen, indem Daten von einer Anwendung in die andere. übertragen werden. Der Austausch von Grafiken zwischen verschiedenen Programmen wird allerdings auch von der neuesten Version nicht bewältigt.

Ein eingebauter Kalender mit Alarmfunktion erinnert an Termine und erlaubt die Suche nach Verabredungsorten ebenso wie grafische Wochen- bzw. Monatsübersichten. Gleich vier Rechner stellt Sidekick zur Verfügung, so dass kaufmännische und wissenschaftliche Anforderungen gleichermaßen erfüllt werden. Ein Dateimanager übernimmt die Funktionen des Betriebssystems, zusätzlich erlaubt Sidekick die Suche nach Texten und das komfortable Kopieren oder Verschieben ganzer Dateigruppen. Wohl dem, der über ein Modem verfügt. Das Programm kann dann selbständig Anrufe erledigen, wobei zuvor abgespeicherte Adressen und Telefonnummern benutzt‘ werden. Datenbankabfragen und der Unterhalt einer Mailbox werden so ebenfalls möglich.

Für den ernsthaften PC-Benutzer, der viel Zeit vor dem Bildschirm verbringt, ist Sidekick sicher eine Erleichterung.

„Sidekick Plus“; Borland GmbH; für IBM PC und PS/2 Computer und Kompatible; 511 Mark.

(erschienen in der WELT am 9. Februar 1990)

Was ist daraus geworden? Sidekick wird heute nicht mehr vertrieben, als „Abandonware“ wurde es von der Firma Borland aufgegeben. Auf der Webseite Winworld, die sich der Archivierung solcher Programme widmet, kann man aber immer noch Sidekick herunter laden. Bitte beachten: Diese Webseite sieht zwar legal aus, bürgen kann ich dafür aber nicht!

Wenn Frauen trinken…

Dass Frauen weniger Alkohol vertragen als Männer, schien vielen eine Binsenwahrheit zu sein, die mit dem geringeren Körpergewicht der trinkenden Damen erklärt wurde. Doch auch bei gleichem Körpergewicht werden Frauen schneller beschwipst, der Rausch hält zudem länger an. Ein italienisch-amerikanisches Forscherteam scheint jetzt den kleinen Unterschied herausgefunden zu haben, mit dem diese Beobachtungen erklärt werden können.

Wein wirkt bei Frauen meist stärker als bei Männern. (Foto Copyright 2017, Michael Simm)

Frauen haben nämlich viel geringere Konzentrationen eines alkoholabbauenden Eiweißstoffes in ihren Mägen als Männer. Das Eiweiß mit dem Namen Alkoholdehydrogenase (ADH) wird von den Magenwänden produziert und übt eine schützende Funktion aus, indem es etwa ein Fünftel des Alkohols beseitigt, bevor dieser in die Blutbahn eintritt.

Bei einer Studie an 43 Frauen und Männern zeigte sich nun, dass Frauen wesentlich weniger ADH produzieren und daher fast ein Drittel mehr Alkohol in die Blutbahn aufnehmen als Männer. Rechnet man das geringere Körpergewicht der Damen hinzu, so kommt man zu dem Ergebnis, dass ein Glas Wein dort den gleichen Effekt auslöst wie zwei Gläser Rebensaft bei einem Mann.

Die Forscher machten aber noch eine zweite verblüffende Entdeckung: Während männliche Alkoholiker immer noch halb so viel ADH produzieren wie ihre gesunden Geschlechtsgenossen, fehlt das schützende Eiweiß bei alkoholabhängigen Frauen fast völlig. „Für diese Frauen macht es keinen Unterschied, ob sie den Alkohol trinken oder direkt in die Venen spritzen“, kommentierte Dr. Charles Lieber von der Mount Sinai School of Medicine in New York diesen Befund.

(erschienen in der WELT am 3. Februar 1990, aktualisiert am 27. Februar 2017)

Originalartikel:

Frezza M, di Padova C, Pozzato G, Terpin M, Baraona E, Lieber CS. High blood alcohol levels in women. The role of decreased gastric alcohol dehydrogenase activity and first-pass metabolism. N Engl J Med. 1990 Jan 11;322(2):95-9