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Kein Dioxin in Mumien

Die Dioxinwerte, die heute in der Umwelt gemessen werden, können nicht durch das Verbrennen von Feuerholz während der letzten paar tausend Jahre erklärt werden. Stattdessen begannen sich die gefährlichen Umweltgifte erst mit dem Wachstum der petrochemischen Industrie im menschlichen Körper anzusammeln. Zu diesem Ergebnis kam ein amerikanisch-chilenisches Forscherteam, das 2800 Jahre alte Mumien auf ihren Dioxingehalt hin untersuchte.

Die gut erhaltenen Überreste von neun Indianern wurden aus einem Grab in der Nähe der nordchilenischen Stadt Arica geborgen, die ein extrem trockenes Wüstenklima besitzt. Da die Indianer ihre Mahlzeiten über Holzfeuern gekocht hatten, hätten sich in den entnommenen Gewebeproben Dioxine gefunden, falls diese Gruppe von Chemikalien wirklich beim Verbrennen des Holzes entstehen würde. Wie der Leiter der Untersuchungen, Woodfin Ligon Junior von der General Electric Company in New York betonte, lieferten die hochempfindlichen Messgeräte keinerlei Hinweise auf Dioxine und die verwandten Furane.

Originaliteratur:

Woodfin Ligon V., Steven B. Dorn, Ralph J. May, Marvin J. Allison: Chlorodibenzofuran and chlorodibenzo-p-dioxin levels in Chilean mummies dated to about 2800 years before the present. Environ. Sci. Technol., 1989, 23 (10), pp 1286–1290

(bislang unveröffentlichter Artikel aus dem Januar 1990, aktualisiert am 2. März 2017)

Anmerkung: Dioxine können zwar auch bei natürlichen Verbrennungsprozessen entstehen, wenn Chlor und organischer Kohlenstoff bei bestimmten Temperaturen miteinander reagieren. So sind auch Waldbrände und Vulkanausbrüche eine Quelle, informiert das Umweltbundesamt. Das Argument, die Menschheit hätte schon immer Dioxine fabriziert, war mit dieser Untersuchung jedoch widerlegt.

Software-Test Word 5.0

Es fällt schwer, Funktionen zu finden, die in der jüngsten Version des Textverarbeitungsprogrammes von Microsoft, Word 5.0, nicht enthalten sind: Eine leicht überschaubare Benutzeroberfläche mit einer exzellenten Hilfefunktion war schon zuvor enthalten. Hinzugekommen ist die Möglichkeit, Graphiken in den Text einzubinden, das Layout zu kontrollieren oder ein umfangreiches Synonymwörterbuch zu nutzen. Eine leicht verständliche Dokumentation erleichtert Anfängern den Einstieg.

Bis zu acht Fenster können gleichzeitig geöffnet sein. Eine sinnvolle Neuerung sind die Textmarken, die das Auffinden bestimmter Passagen in längeren Dokumenten sehr vereinfachen. Gleichzeitig werden umfangreiche Querverweise möglich. Sehr gut ist auch der Dateimanager, der es ermöglicht, alle Verzeichnisse unter beliebigen Kriterien (Datum, Autor, Inhalt) nach Texten zu durchsuchen. Das Zeichnen von Linien und Kästen, in die dann auch Graphiken importiert werden können, ist eine Kleinigkeit. Zusätzlich zu einer Reihe von vorgegebenen Makros kann man auch eigene schreiben.

Für das Rechtschreibprogramm mit Trennhilfe gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Gerade bei der Trennung treten beim „ck“ und dem „ß“ noch Probleme auf. Das umfangreiche Synonymwörterbuch kann im Gegensatz zur Rechtschreibdatei leider nicht durch eigene Einträge ergänzt werden.

Word 5.0 ist eines der relativ wenigen Programme, welches sowohl unter dem neuen Betriebssystem OS/2 als auch unter DOS läuft. Dennoch hat es auch seine schwachen Seiten: Die beiliegende Tastaturschablone passt nicht zu den gebräuchlichen Keyboards, einige der Druckertreiber umfassen weniger Schrifttypen als die Vorläuferversion.

„Word 5.0“; Microsoft GmbH; für IBM PC/XT, IBM PC/AT oder kompatible, IBM PS/2; 1699 Mark

(erschienen in der WELT am 24. Januar 1990)

Fünf Viren, die auf die Leber schlagen

Durch Viren verursachte Leberentzündungen (Hepatitis) haben weltweit jährlich über 500000 Todesfälle zur Folge, so schätzen, Experten. Mit den Waffen der modernen Biologie kämpft die Wissenschaft gegen mindestens vier verschiedene Erreger. Die Namen der Erreger (wie Hepatitis A, B oder C-Virus) suggerieren eine enge Verwandtschaft, doch einzige Gemeinsamkeit ist das betroffene Organ, die Leber.

Das Hepatitis A Virus (HAV) ist dabei noch vergleichsweise harmlos. Die winzigen Partikel tragen als Erbsubstanz ein kurzes, fadenförmiges Stück Ribonukleinsäure (RNA), verpackt in eine Eiweißhülle. Infektionen mit HAV sind meist auf verseuchte Nahrungsmittel zurückzuführen. Im letzten Jahr gelang es Prof. Bertram Flehmig vom Hygieneinstitut der Universität Tübingen und seinen Mitarbeitern, einen Impfstoff gegen diese „infektiöse“ Variante der Hepatitis herzustellen (siehe Bericht vom 23. Juni 1989). Die Vakzine, die aus abgetöteten Viren besteht, sollte in wenigen Jahren allgemein verfügbar sein. Allerdings dürfte der relativ hohe Preis die Anwendung auf Touristen beschränken, die in tropische Länder reisen.

Das Hepatitis B Virus (HBV) führt auf noch ungeklärte Weise zu 85 bis 90 Prozent aller Leberkrebsfälle in der Welt und fordert jährlich über eine halbe Million Opfer. Diese Karzinome sind regional sehr unterschiedlich verteilt: In den USA, Europa und Australien gibt es nur einen bis drei Fälle je 100000 Einwohner und Jahr; in Südostasien und weiten Teilen Afrikas sind es zwischen zehn und 150.

Bei einer HBV-Infektion – die Übertragung erfolgt über den Blutweg oder beim Sexualkontakt – vermehrt sich das Virus in der Leber. 95 Prozent dieser Infektionen werden vom Immunsystem gestoppt, diese Personen sind dann gegen weitere Angriffe gefeit. Bei fünf Prozent aber bleibt die Infektion ein Leben lang erhalten. Die meisten Betroffenen erleiden dennoch keinen Leberschaden. In wenigen Fällen aber kommt es zu einer chronischen Leberentzündung.

Der Krebs entwickelt sich meist in einem bereits vorgeschädigten Organ. Durch Experimente an Nagetieren konnte man zeigen, dass die Krankheit offenbar in zwei Schritten verläuft: Während der chronischen Hepatitis teilen sich die Leberzellen schneller als gewöhnlich, um abgestorbene Zellen zu ersetzen. Dabei kommt es zum Einbau viraler DNA in das menschliche Erbgut.

Diese Methode der „Integration“ hat HBV mit dem Aids-Erreger HIV gemein. Da der Einbau ungeregelt und in zufälliger Weise erfolgt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die in der menschlichen DNA gespeicherte Information für die Zelle unleserlich wird. Wenn so Zellteilung und Zellwachstum außer Kontrolle geraten, kann 25 bis 30 Jahre nach der Infektion ein Krebs entstehen.

Bei der Therapie der B-Hepatitis kommt es vor allem darauf an, das Virus an der Vermehrung zu hindern und die virale DNA zu beseitigen. Erfolgreichstes Medikament ist dabei das Alpha-Interferon. Es darf aber nur von erfahrenen Ärzten nach sorgfältiger Abwägung gegeben werden, weil es schwere Nebenwirkungen hat.

Viruserkrankungen lassen sich im Prinzip durch vorbeugende Impfungen verhindern. Für die Hepatitis B war man bis vor kurzem auf Blutplasma von Erkrankten angewiesen, da sich das Virus nicht in Zellkulturen vermehren ließ. Diese Vakzine konnte den Bedarf aber nicht decken und war außerdem nur mit einem hohen Produktionsaufwand zu gewinnen.

Schließlich besteht bei der Verwendung von Blutprodukten immer die Gefahr einer Ansteckung mit schwer nachweisbaren Krankheitserregern. Vor drei Jahren wurde dann erstmals ein gentechnisch hergestellter Impfstoff gegen HBV zugelassen. Bei dem neuen Verfahren werden Bruchstücke des Virus in Hefezellen produziert, die dann nach dreimaliger Impfung vor einer Infektion schützen.

Die Zahl der Träger des Hepatitis B Virus wird global auf rund 300 Millionen geschätzt. Vermutlich ist HBV nach dem Rauchen die häufigste Krebsursache. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat es sich daher zum Ziel gesetzt, diese Krankheit bis zum Jahr 2010 weltweit auszurotten.

Allerdings steht der immer noch hohe Preis der Vakzine Massenimpfungen entgegen. Kosten von über 100 Mark pro Impfung mögen hierzulande akzeptabel sein, für die Entwicklungsländer ist schon ein Dollar zu viel. Die Aussichten der WHO Kampagne auf Erfolg erscheinen daher begrenzt, solange es nicht gelingt, die Zahl der nötigen Impfungen und die Kosten drastisch zu reduzieren.

Mindestens zwei weitere Viren können bei der Hepatitis eine Rolle spielen. Früher als „Nicht-A-Nicht-B-Hepatitis- Erreger“ zusammengefasst, hat man in den letzten Jahren einiges über diese Parasiten dazugelernt. Das Hepatitis C Virus (HCV) ist für die meisten Fälle von Leberentzündung nach Bluttransfusionen verantwortlich. Bislang müssen noch etwa vier bis fünf Prozent der Blutempfänger mit einer Gelbsucht rechnen. Ein neu entwickelter Test, der den Ärzten hierzulande in diesem Jahr zur Verfügung stehen wird, soll die Infektionsgefahr nochmals auf ein Fünftel reduzieren. Eine Interferon-Behandlung zeigt bei ungefähr der Hälfte der Patienten Erfolg.

Das andere „Nicht-A-Nicht-B-Virus“, auch als „E“ bezeichnet, hat den gleichen Übertragungsweg wie HAV. Das E-Agens befällt vor allem jüngere Menschen in Mexiko, Indien, Teilen Afrikas und Südostasiens. Diese Form der Hepatitis hat in der Regel eine gute Prognose, kann aber in der Schwangerschaft mit dem Tod enden. Eine Therapie existiert für dieses Virus bisher nicht.

Ein Sonderling schließlich ist das Hepatitis Delta Virus, HDV. Normalerweise tritt HDV in Kombination mit HBV auf, wobei sich die Hepatitis durch die Anwesenheit von HDV erheblich verschlimmert. Delta hat große Ähnlichkeit mit Krankheitserregern, die als Viroide bezeichnet werden und ausschließlich in Pflanzen vorkommen.

Nach John Germ von der Georgetown- Universität im US-Distrikt Washington stellt HDV den bisher einzigen Vertreter einer völlig neuen Klasse von Erregern dar. Für die Übertragung, nicht aber für die Vermehrung ist HDV auf die Hilfe von HBV angewiesen. Man schätzt, dass etwa 15 Millionen Menschen das Delta-Virus in sich tragen.

(erschienen in der WELT am 20. Januar 1990)

Was ist seitdem passiert? Enorme Fortschritte gab es bei der Bekämpfung fast aller Formen der Virus-Hepatitis. Es gibt Impfstoffe gegen A und B, sogar als Kombination in einer Spritze. Als echter Durchbruch gilt auch die Entwicklung von gut verträglichen und hoch wirksamen Arzneien gegen Hepatitis C. Die Tabletten wirken in kurzer Zeit und erreichen Heilungsraten von mehr als 90 Prozent. 

(letzte Aktualisierung 27. Februar 2017)

Dioxin – Ohne Grenzwerte keine Sanierung

Wie giftig ist Dioxin? Ab welcher Konzentration besteht eine gesundheitliche Gefährdung des Menschen? Wann müssen die Anwohner verseuchter Deponien evakuiert werden? Diese und andere Fragen standen im Mittelpunkt eines dreitägigen Expertentreffens, das gestern in Karlsruhe zu Ende ging.

Dioxin- hier im Kalottenmiodell – gilt als eine der giftigsten Substanzen für den Menschen

Das Symposium sollte Hilfestellung leisten bei der Beurteilung der Gefahren, die von Dioxinen und den verwandten Furanen ausgehen. Eine einheitliche Empfehlung für gesetzliche Grenzwerte konnten jedoch auch die versammelten Wissenschaftler nicht abgeben. Denn die Risiken, die von Dioxinen und Furanen ausgehen, wurden durchaus nicht von allen Experten gleich beurteilt.

Wie der Präsident des Bundesgesundheitsamtes (BGA), Professor Dieter Großklaus erläuterte, besteht allein die Familie der Dioxine aus über 250 verschiedenen Mitgliedern, von denen das als ,,Seveso-Gift“ bekannt geworden TCDD (2,3,7,8-Tetrachlordibenzo- p-dioxin) wohl das bekannteste sein dürfte. TCDD wurde wiederholt als die giftigste aller bekannten Substanzen bezeichnet, was bezüglich der Wirkung auf Meerschweinchen, Ratten und Mäuse auch experimentell nachgewiesen ist.

Beim Menschen führen bereits kleinste Mengen an TCDD zu schmerzhaften Hauterkrankungen (Chlorakne). Eine Schädigung von Zellen des Immunsystem konnte im Reagenzglas nachgewiesen werden. Bei Versuchstieren kann die Chemikalie Krebs auslösen und stört die Embryonalentwicklung.

Während die Nachweismethoden für die gefährlichen Gifte in den letzten Jahren immer weiter verfeinert wurden, bleibt die Frage, ab welcher Dioxin-Konzentration beim Menschen mit bleibenden Gesundheitsschäden gerechnet werden muss, weiter ungeklärt. Der vom Bundesumweltminister angepeilte Grenzwert für die Freisetzung von Dioxinen und Dibenzofuranen aus Müllverbrennungsanlagen fand jedoch weiten Zuspruch: Der Ausstoß soll demnach auf ein zehntel Nanogramm (Milliardstel Gramm) pro Kubikmeter Abluft begrenzt werden. Ziel der neuen Verordnung, die bereits in einem halben Jahr Rechtskraft erlangen könne, sei es, den modernsten Stand der Technik bei der Minimierung von Luftverunreinigungen zur Anwendung zu bringen.

Dies wäre ,,ein Schritt in die richtige Richtung“ so der Vertreter der hessischen Umweltverbände, Dr. Rolf Neidhardt. Gegenwärtig würden selbst modernste Anlagen noch das Hundertfache des angepeilten Grenzwertes ausstoßen und damit den größten Teil der Umweltbelastungen verursachen Dioxine entstehen außer bei der Verbrennung von chlorhaltigen Verbindungen auch bei deren Produktion, beim Gebrauch bleihaltigen Benzins und bei der Chlorbleiche von Papier- und Zellstoffen.

Messungen des BGA ergaben, dass Luft und Nahrungsmittel in industriellen Ballungsräumen wesentlich stärker mit Dioxinen und Furanen belastet sind als in ländlichen Gebieten. Dennoch scheint die Belastung der Bevölkerung in der Bundesrepublik recht gleichmäßig verteilt zu sein. Wie Großklaus erklärte, werden etwa 90 Prozent der Dioxine durch die Nahrung aufgenommen, die restlichen zehn Prozent mit der Atemluft und durch die Haut.

Eine weitere Belastung des Menschen kann in Innenräumen durch die Verwendung von Holzschutzmitteln auftreten, die Pentachlorphenol (PCP) enthalten. Beim Brand von PVC-haltigen Baustoffen und von bromhaltigen Flammschutzmitteln treten ebenfalls erhebliche Dioxinkonzentrationen auf.

Einheitlich Richtwerte für die Bewertung von Dioxinkonzentrationen im Boden forderte der baden-württembergische Umweltminister Erwin Vetter. Sanierungsmaßnahmen könnten ohne einheitliche Grenzwerte nicht effizient und sinnvoll durchgeführt werden.

(erschienen in der WELT am 18. Januar 1990)

Quellen: Symposium „Health Effects and Safety Assessment of Dioxin and Furans“ und Fachöffentliche Anhörung des Bundesgesundheitsamtes und des Umweltbundesamtes zu Dioxinen und Furanen“ in Karlsruhe vom 15.1. – 18.1.1990.

Was wurde daraus? Schon zum Ende des Jahres 1990 wurde mit der 17. Verordnung zur Durchführung des Bundesimmisionsschutzgesetzes ein Grenzwert für Müllverbrennungsanlagen festgelegt. Es folgten mehrere weitere Gesetze und Verordnungen mit dem Ziel, die Verbreitung von Dioxinen in der Umwelt zu begrenzen. Mit Erfolg: „Die Emissionen haben in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Dieser Erfolg ist vor allem auf die verbesserte Abgasreinigung in den Müllverbrennungsanlagen zurückzuführen. Die – illegale – Abfallverbrennung im Kamin oder im Garten macht heute den bedeutendsten Anteil der Dioxinemissionen aus. Die wilde Verbrennung von einem Kilogramm Abfall belastet die Umwelt so stark wie die Entsorgung von zehn Tonnen in einer modernen Müllverbrennungsanlage.“, heißt es in der Wikipedia. Für weitere Informationen empfehlen wir die Seite „Dioxine“ des Umweltbundesamtes.

(letzte Aktualisierung 27. Februar 2016)

Fingerabdruck im weißen Gold

Was unterscheidet einen Elefantenstoßzahn, der von einem gewilderten Tier stammt, von legal gewonnenem Elfenbein? Äußerlich ist da sicher kein Unterschied festzustellen, und in den nächsten zwei Jahren ist diese Frage ohnehin nicht akut, da jeglicher Handel mit dem „weißen Gold“ verboten ist. Dann aber könnte es enorm wichtig werden, zum Beispiel ostafrikanisches von südafrikanischem Elfenbein zu unterscheiden.

Elefantenbulle im Masai Mara Nationalpark, Kenia 1991

Elefantenbulle im Masai Mara Nationalpark, Kenia 1991

Denn die Mitgliedsländer der Konvention über den internationalen Handel mit bedrohten Arten (Cites) haben sich bei dem im Oktober in Genf geschlossenen Abkommen ein Hintertürchen offen gehalten. 1991 soll, vor allem auf Wunsch des Hauptimportlandes Japan und des Exportlandes Südafrika, neu über das Moratorium verhandelt werden. Ein begrenzter Handel mit Elfenbein wäre dann wieder denkbar.

In den vor Wilderern gut geschützten Nationalparks Südafrikas ebenso wie in Botswana und Simbabwe vermehren sich die Dickhäuter nämlich rapide. An feste Standorte gezwungen, können die Herden nicht mehr ihren traditionellen Wanderwegen folgen und fressen sich selbst die Nahrung weg. Um ökologischen Katastrophen vorzubeugen, halten die Ranger die Zahl der Tiere durch kontrollierten Abschuss einigermaßen konstant.

Genetische Verfahren können die Herkunft von Elfenbein aufdecken

Die dabei gewonnenen Stoßzähne bilden eine wichtige Einnahmequelle für Botswana und Simbabwe. Aber auch Südafrika will auf diese Gelder nicht verzichten. Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen scheinen nun einen Ausweg aus diesem Dilemma gefunden zu haben. So gelang es dem Biologen Nick Georgiadis, Elfenbein zu unterscheiden, das aus den benachbarten Ländern Kenia und Tansania stammte. Georgiadis verglich dazu die „genetischen Fingerabdrücke“ der toten Elefanten.

Bei dieser Methode werden Muster in der Erbsubstanz der Tiere sichtbar gemacht, die den computerlesbaren schwarzweißen Strichcodes auf Lebensmittelpackungen ähnlich sehen. Jedes Tier hat zwar sein eigenes Muster, die Muster verwandter Tiere aber sind sich untereinander ähnlich. Die Forscher haben damit einen Schlüssel in der Hand, mit dem sich die Herkunft einzelner Stoßzähne nachweisen lässt.

Doch damit nicht genug: John C. Patton von der Washington-Universität in St. Louis glaubt, anhand des untersuchten Erbmaterials auch die Stoßzähne weiblicher Tiere von denen ihrer männlichen Artgenossen unterscheiden zu können. Dies wäre für die Tierschützer besonders wertvoll, weil sich damit Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Herden und das Verhalten der Wilderer ziehen lassen.

Einen ganz anderen Weg, um die Herkunft des weißen Goldes zu bestimmen, hat Nikolaas van der Merwe (Harvard·Universität) gefunden. Mit einer physikalisch-chemischen Methode, der Massenspektroskopie, untersucht der Archäologieprofessor die Zusammensetzung verschiedener Elemente, die sich als Folge der Nahrungsaufnahme im Körper der Elefanten ablagern.

So gibt es unterschiedlich schwere Formen (Isotope) des Kohlenstoffs, des Stickstoffs, des Strontiums und vieler anderer Elemente. Aus der Verteilung der Strontiumisotope im Boden kann das geologische Alter des Untergrundes abgelesen werden; die Mischung der verschieden schweren Stickstoffatome ist abhängig von der Menge des Niederschlags in einer Region. Schließlich enthalten Gräser verhältnismäßig mehr „schweren“ Kohlenstoff als Büsche und Bäume, da die Photosynthese auf unterschiedlichen Pfaden verläuft.

Mit der Nahrung übertragen sich die charakteristischen Isotopengemische einer Landschaft auch auf die dort lebenden Elefanten. Jede von 27 bisher untersuchten Regionen hinterließ so ein charakteristisches Muster, wie van der Merwe herausfand. Damit müsste es möglich sein, auch die Herkunft von bereits bearbeiteten Stoßzähnen festzustellen, was mit dem genetischen Fingerabdruck nicht zu leisten wäre.

Für Georgiadis und van der Merwe ist ein überprüfbares Herkunftszertifikat für Elfenbein ein wichtiges Instrument, um das Überleben freilebender Dickhäuter zu gewährleisten. Die Kosten dafür würden sich auf rund 500 Mark pro Stoßzahn belaufen. Doch manche Experten bezweifeln den Sinn einer solchen Maßnahme. Richard Leakey, Direktor von Kenias Tierschutzministerium, setzt auf das totale Handelsverbot: „Seit dem Inkrafttreten des Importstopps in den USA und Europa hat Elfenbein in Kenia keinen Wert mehr.“ Dies und verstärkte Maßnahmen gegen Wilderer hätten dazu geführt, dass innerhalb des letzten halben Jahres keine Elefanten mehr in den kenianischen Nationalparks getötet wurden.

(erschienen in der WELT vom 13. Januar 1990)

Antibiotika aus Ameisen

Eine neu entdeckte Substanz, die von Ameisen abgeschieden wird, schützt vor Infektionen durch Pilze und Bakterien. Dies haben australische Wissenschaftler entdeckt, die mehr als ein Dutzend verschiedener Ameisenarten untersuchten. Metapleurin, so der Name des Antibiotikums, wird von Drüsen in der Brust der Tiere abgesondert und verhindert das Wachstum von Mikroorganismen im Körper der Ameisen.

Eine Untersuchung in der Westmead Klinik in Sydney ergab, dass Metapleurin vor allem gegen verschiedene Stämme von Staphylococcus aureus wirkt. Diese, beim Menschen weit verbreitete Mikrobenart kann die Wundheilung nach einer Operation um Monate verzögern und ist häufig gegen andere Antibiotika resistent. Andrew Beattie, der Entdecker des Metapleurins, will nun in Zusammenarbeit mit einem britischen Pharmakonzern herausfinden, ob der neue Wirkstoff auch in der Lage ist, innerliche Pilzinfektionen zu stoppen, die beim Menschen tödlich verlaufen können.

(erschienen in der WELT vom 13. Januar 1990)

Quelle: Hedges S. Ant antibody fights fungal infections in humans. New Scientist 18. November 1989.

Was ist daraus geworden? Offenbar nichts! Eine Google-Suche im Juli 2016 ergab gerade einmal 14 Treffer zum Stichwort „Metapleurin“, die meisten davon sind Jahrzehnte alt und als Wirkstoff in irgendwelchen Medikamenten taucht Metapleurin auch nicht auf.

Test auf Erbschäden

Eizellen können jetzt auf Erbschäden untersucht werden, bevor eine Befruchtung im Reagenzglas erfolgt. Die Methode erlaubt es Frauen, die einen genetischen Defekt haben, die Weitergabe dieses Schadens an ihre Kinder zu verhindern. Die Untersuchung wird auch für Abtreibungsgegner akzeptabel sein, weil Embryonen davon unberührt bleiben, glauben die Entdecker der Methode am amerikanischen Illinois Masonic Medical Center.

Der am 16. Juli 2009 verstorbene gebürtige Russe Yuri Verlinsky gilt heute als einer der Pioniere der Pränataldiagnostik (Foto: Reproductive Genetics via Wikimedia / fair use)

Der am 16. Juli 2009 verstorbene gebürtige Russe Yuri Verlinsky gilt heute als einer der Pioniere der Präimplantationsdiagnostik (Foto: Reproductive Genetics via Wikimedia / fair use)

Wie der Biologe Yuri Verlinsky erklärte, wird zur Untersuchung eine Hälfte des Erbmaterials der Eizelle herangezogen, die während der natürlichen Eireifung ohnehin verloren geht. Zur „Vorbereitung“ der Befruchtung wird nämlich die normalerweise in Körperzellen doppelt vorhandene Erbinformation halbiert; bei der Befruchtung verschmelzen dann mütterliche und väterliche Keimzellen und es entsteht wieder ein doppelter Satz an Erbinformation. Verlinsky und seinen Kollegen gelang es nun, die ungenutzte Hälfte des weiblichen Erbmaterials – das sogenannte Polkörperchen – mit einer sehr feinen Pipette zu entfernen, ohne die Eizelle zu beschädigen.

Die im Polkörperchen enthaltene DNA kann dann unter anderem auf Erbschäden untersucht werden, die für die Mukoviszidose, die Tay-Sachs-Krankheit oder verschiedene Blutkrankheiten charakteristisch sind. Daraus lässt sich ableiten, ob die in der Eizelle verbliebene DNA noch intakt ist. Gesunde Eizellen können dann künstlich befruchtet und in die Gebärmutter eingepflanzt werden. Allerdings hält Verlinsky die neue Methode nur bei Befruchtungen im Reagenzglas für sinnvoll, und auch dann nur für Paare, in deren Familien bestimmte Erbkrankheiten verbreitet sind.

(erschienen in der WELT am 13. Januar 1990)

Quelle: Joyce C. Test finds defects in unfertilised human eggs. New Scientist 25. November 1989.

Was ist daraus geworden? Die von Yuri Verlinsky entwickelte Analyse der Polkörperchen konnte sich nicht durchsetzen. Statt entnimmt man heute dem Embryo nach wenigen Teilungen eine oder zwei Zellen, die dann auf genetische Defekte oder Unregelmäßigkeiten bei der Zahl der Chromosomen untersucht werden. Laut Wikipedia wurden mit dieser Präimplantationsdiagnostik (PID) bislang weltweit mehr als 10000 Kinder gezeugt, um die Weitergabe von Erbkrankheiten zu verhindern. Während die PID in vielen Ländern bereits seit den 1990er Jahren praktiziert wird, ist sie in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz verboten. Erst Ende 2011 wurde dieses Gesetz derart geändert, dass die PID nunmehr ausnahmsweise erlaubt ist, und zwar wenn aufgrund der genetischen Veranlagung der Eltern eine schwerwiegende Erbkrankheit beim Kind oder eine Tot- oder Fehlgeburt wahrscheinlich ist.

Wie ich Ende 2015 vom 6. Kongress des Dachverbandes Reproduktionsbiologie und -medizin (DVR) in Hamburg berichtet habe, kam es nach der Gesetzesänderung nicht zu dem von Kritikern befürchteten Dammbruch, und die Experten erwarten nicht mehr als 200 Fälle pro Jahr.

Fahrplan zum roten Planeten

Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa hat einen Zeitplan für die Erforschung des Sonnensystems vorgelegt. Demnach werden Menschen frühestens im Jahr 2011 auf dem Planeten Mars landen.

Der Mars ist der zweitnächste Planet zur Erde. (Foto: NASA / USGS, PIA04304 catalog page, via Wikimedia Commons)

Der Mars ist der zweitnächste Planet zur Erde. (Foto: NASA / USGS, PIA04304 catalog page, via Wikimedia Commons)

Eine ständig besetzte Mondbasis wird nicht vor dem Jahr 2002 erwartet. Auch die notwendigen Technologien für diese Projekte werden in dem Bericht beschrieben, der dem National Space Council vorgelegt wurde. Neue Raumfähren und Trägersysteme sollen Lasten zwischen 50 und 140 Tonnen in den Orbit bringen – ein Vielfaches der gegenwärtigen Nutzlast von 17 Tonnen.

Als Stufen auf dem Weg zum Mars sind mehrere unbemannte Raumsonden vorgesehen, die zunächst die Oberfläche des roten Planeten genau erforschen sollen. Dann will die Nasa durch einen Roboter etwa fünf Kilogramm Gestein, Erde und Gase einsammeln lassen, die zur Erde transportiert werden müssen. Im Verlauf dieser Missionen sollen auch Daten über Sonneneruptionen und energiereiche kosmische Strahlen gesammelt werden, die den Astronauten gefährlich werden könnten.

Angaben zur Finanzierung der umfangreichen Projekte sind in der Nasa-Studie nicht enthalten. Experten gehen aber davon aus, dass für die anvisierten Ziele mindestens 30 Milliarden Dollar benötigt werden.

(erschienen in der WELT vom 13. Januar 1990)

Was ist daraus geworden? Wir schreiben das Jahr 2016 und noch immer waren keine Menschen auf dem Mars. Eine ständig besetzte Mondbasis gibt es auch nicht, nicht einmal eine temporäre. Dabei hatte ich in meiner Jugend ernsthaft geglaubt, selbst einmal auf den Mond zu fliegen. Daher sehe ich auch die Ankündigungen bemannter Marsmissionen sehr skeptisch, die unter anderem auch von der Europäischen Raumfahrt-Agentur ESA, dem russischen Pendant Roskosmos und der privaten Firma SpaceX gemacht wurden. Ich bin 54 und zu meinen Lebzeiten wird das wohl nichts mehr…

Software-Test dBase IV

Mit dBase IV, der neuesten Version des meistgebrauchten Datenbanksystems für Personal Computer, hofft Hersteller Ashton Tate auch weiterhin die Nase vom zu behalten. Dreieinhalb Megabyte Speicherplatz benötigt das komplette Programm. Dies macht eine Festplatte unentbehrlich; auch die geforderten 640 Kilobyte Arbeitsspeicher (RAM) sind längst nicht bei allen IBM-kompatiblen Rechnern vorhanden.

Ein Pull-down-Menüsystem steuert die Installation, die etwa 30Minuten beansprucht. Mitgelieferte Druckertreiber machen aufwendige Anpassungen, die bei früheren Versionen nötig waren, überflüssig. Beim Start meldet sich dBase mit einer Benutzeroberfläche, die ihrem Namen „Regiezentrum“ alle Ehre macht. Sechs Funktionsbereiche ermöglichen das Erstellen und Bearbeiten von Dateien, Abfrageroutinen und Bildschirmmasken. Berichte und Etiketten können aus den vorhandenen Daten erstellt werden, eigene Programme lassen sich mit oder ohne Hilfe eines „Programmgenerators“ schreiben. Leider kann auch diese dBase-Version immer noch keine Grafiken erstellen.

Vom Regiezentrum aus öffnen sich ständig neue Fenster, die bald den gesamten Bildschirm einnehmen. Die Übersichtlichkeit bleibt dabei allerdings auf der Strecke. Dafür entschädigt die Möglichkeit, alle Systemparameter frei einstellen zu können, sowie die verbesserte Darstellung und Bearbeitung von Dateien. Funktionstasten lassen sich vom Benutzer dreifach belegen. Die besonders leistungsstarke Programmiersprache von dBase wurde nochmals um mehr als 200 Befehle und Funktionen erweitert. Die Dokumentation ist ausführlich, eine Einführungsdiskette oder ein entsprechendes Kapitel bei der Hilfefunktion aber wäre für Einsteiger besser verständlich gewesen.

dBase IV; Ashton Tate GmbH; für IBM PC/XT, IBM PC/AT oder Kompatible, IBM PS/2; 2679 Mark

(erschienen in der WELT vom 5. Januar 1990)

Was ist daraus geworden? Ich habe dieses Programm damals selbst mit Begeisterung genutzt, um damit alles Mögliche zu erfassen und zu katalogisieren – von den Fachartikeln, die ich gelesen habe, bis zu meiner Briefmarkensammlung. Bescheidene Programmierversuche habe ich ebenfalls unternommen, besonders weit bin ich damit aber nicht gekommen. dBase war laut Wikipedia das erste weithin genutzte dateibasierende Datenbankmanagementsystem und hat mit seiner Syntax und Datenstruktur einen Quasistandard geschaffen, den eine Reihe von Unternehmen für ähnliche Systeme übernommen haben. Viele Jahre lang waren Programme, die dBASE-Dateien verwendeten, fast überall auf PCs zu finden. Heute gilt das Programm dBase IV jedoch als veraltet. Tot ist dBase aber noch lange nicht. Es wechselte mehrmals den Besitzer, wurde weiterentwickelt und war, als ich zuletzt nachgeschaut habe, in der Version dBase Plus 10 bei der gleichnamigen Firma für $ 499 erhältlich.